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Energiewende: Lechwerke-Stromnetz muss erheblich ausgebaut werden

Deutlich mehr Photovoltaikanlagen wollen die Lechwerke in den kommenden acht Jahren bauen.

Die Lechwerke wollen in den kommenden Jahren eine halbe Milliarde Euro in das Stromnetz investieren, um die Energiewende weiter voranzutreiben. "Das Vorhaben ist gigantisch und die Zeit ist knapp", sagte LEW-Vorstand Markus Litpher am Mittwoch im Zuge der Jahrespressekonferenz in Anbetracht der Klimaziele der neuen Bundesregierung.

Diese hatte die Tempovorgabe für die Umsetzung der Energiewende schon zu Amtsantritt deutlich erhöht und den Zeitplan nun vor dem Hintergrund des Ukraine-Krieges noch enger getaktet. Bis 2035 soll demnach für die Stromversorgung in Deutschland Klimaneutralität erreicht werden, trotz des weiter steigenden Strombedarfs. Dabei setzt die Regierung vor allem auf Windkraft und Photovoltaik.

"Dieser Vorrang der EEG-Anlagen droht allerdings ins Leere zu laufen, wenn nicht der Ausbau der Verteilnetze gleichzeitig deutlich an Fahrt aufnimmt", warnt Litpher. Im vergangenen Jahr haben die erneuerbaren Energien in Deutschland 43 Prozent des gesamten Stromverbrauchs gedeckt. "In unserer Region haben wir eine andere, bessere Ausgangslage", sagte Litpher. Das liege unter anderem an der traditionell starken Wasserkraft.

Im Gebiet von LEW decken die erneuerbaren Energien rein rechnerisch bereits mehr als 70 Prozent des Stromverbrauchs aller angeschlossenen Netzkunden ab – inklusive der industriellen Großabnehmer. Insgesamt speisten 2021 mehr als 85.000 an das Verteilnetz angeschlossene Anlagen rund 5,2 Milliarden Kilowattstunden Strom aus regenerativer Erzeugung in das Netz ein. Die Wasserkraft sei mit einem Anteil von 38 Prozent die stärkste Energiequelle. Photovoltaik mache 33 Prozent der Einspeisung aus erneuerbaren Energien aus, die Biomasse liege bei 24 Prozent. Wind spiele im hiesigen "Schwachwindstandort", so Litpher, mit einem Anteil von 5 Prozent an der Stromeinspeisung eine untergeordnete Rolle.

Die Pläne der Bundesregierung sehen vor, dass allein durch Photovoltaik in Deutschland bis 2030 eine Leistung von 200 Gigawatt zur Verfügung stehen soll. Auf das LEW-Netzgebiet übertragen bedeutet das, dass sich die in den vergangenen 20 Jahren installierte Leistung von derzeit fast zwei Gigawatt in den kommenden acht Jahren auf mehr als sieben Gigawatt steigern muss.

"Wir brauchen tausende neue Ortsnetzstationen, zusätzliche Transformatoren und Umspannwerke und erheblichen Leitungszubau auf allen Spannungsebenen", erklärte Litpher. Die Kapazitäten des Verteilnetzes müssten um rund 50 Prozent erweitert werden. Daher stockt das Energieversorgungsunternehmen sein Investitionsbudget von jährlich 120 Millionen Euro auf 160 Millionen Euro für die Jahre 2022 bis 2024 auf. Der Schwerpunkt der Investitionen liege im Aus- und Umbau des Stromnetzes, die Telekommunikation sowie Projekte in den Bereichen Photovoltaik- und Wärmeanlagen.

Damit der Zeitplan beim Umbau des Energiesystems eingehalten werden kann, sei neben schnelleren und einfacheren Genehmigungsverfahren sowie weniger Bürokratie vor allem eines wichtig: "Wir müssen in den vorausschauenden Netzausbau kommen", so Markus Litpher. Bislang können und dürfen die Lechwerke auf Ebene der Verteilnetze nur auf konkret vorliegende Ausbaubedarfe reagieren.

Das Fundament der geplanten Investitionen bilde die starke wirtschaftliche Basis des Unternehmens. Im abgelaufenen Geschäftsjahr hat sich der Umsatz der LEW-Gruppe im Vergleich zum Vorjahr um 18 Prozent auf rund 1,9 Milliarden Euro erhöht. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern lag mit 146 Millionen Euro geringfügig unter dem Wert des Vorjahres.

Obwohl die Preise an den Energiemärkten deutlich gestiegen sind, haben die Lechwerke ihre Tarife bislang nicht angerührt. "Durch unsere Beschaffungsstrategie können wir Preissprünge vorübergehend abfedern und extreme Preisspitzen kappen", sagte Vorstand Dietrich Gemmel. Einem umfassenden und langfristigen Markttrend könnten sich aber auch die Lechwerke nicht entziehen. "Wie sich das auf die Preise der einzelnen Angebote auswirkt, können wir heute noch nicht sicher sagen", so Gemmel.

Neben der geplanten Abschaffung der EEG-Umlage sollte seiner Ansicht nach über weitere Entlastungsschritte für Verbraucher nachgedacht werden, etwa durch eine Senkung der Stromsteuern auf das europäische Mindestmaß sowie eine Reduzierung der Umsatzsteuer. Denn aktuell liege der Anteil von Abgaben und Steuern an den Stromkosten bei mehr als 50 Prozent.

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