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IHK kritisiert zu späte Corona-Maßnahmen

Aus Sicht von Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben, werden die jüngsten Beschlüsse des Bundes "unausweichlich zu Geschäftsaufgaben führen".

Teile der bayerisch-schwäbischen Wirtschaft gehen nach Einschätzung der IHK Schwaben in einen wirtschaftlich harten Winter. Denn die Eigenkapitaldecke sei nach zwei Jahren Corona-Krise vielfach dünn geworden und die Umsetzung der neu beschlossenen Maßnahmen fordere viel ab. "Vom schnellen Erfolg der vom Bund neu angestoßenen Impfkampagne hängen Unternehmensexistenzen vor allem im Reise- und Gastgewerbe wie auch im Einzelhandel ab", sagt Marc Lucassen, Hauptgeschäftsführer der IHK Schwaben.

Fast jeder dritte Einzelhändler in der Region geht laut der IHK davon aus, dass sein Umsatz im laufenden Jahr um mindestens zehn Prozent unter dem des Vorjahres liegt. Im Reise- und Gastgewerbe sei es sogar jeder zweite Betrieb. Rund jedes fünfte Unternehmen im Reise- und Gastgewerbe hätte daher schon im Herbst Probleme gehabt, seine Rechnungen zu bezahlen. „Trotz des aus wirtschaftlicher Sicht guten Sommers ist die finanzielle Substanz in einigen Branchen aufgezehrt“, stellt Lucassen mit Blick auf die Ergebnisse der letzten IHK-Konjunkturumfrage fest. „Wenn nun Restaurants und Händler einen Teil ihrer Kunden abweisen müssen, geht der regionalen Wirtschaft weiterer Umsatz verloren – und das im so wichtigen Weihnachtsgeschäft. Die jüngsten Beschlüsse des Bundes und des Freistaats Bayern werden daher unausweichlich zu Geschäftsaufgaben führen“, prognostiziert daher der IHK-Hauptgeschäftsführer.

Aus vielen Gesprächen mit Mitgliedsunternehmen aus Produktion, Handel und Dienstleistungen wisse man von der großen Verantwortung, die die Unternehmen für die Gesundheit ihrer Beschäftigten und Kunden übernehmen. So sprechen sich zwei Drittel der IHK-Vollversammlungsmitglieder in einer aktuellen Blitzumfrage für die 3G-Regelungen am Arbeitsplatz aus. Eine knappe Mehrheit würde sogar 2G am Arbeitsplatz einführen, wenn es dafür die rechtliche Möglichkeit gäbe. „Die regionale Wirtschaft kennt den Ernst der Lage. Viele Unternehmen kritisieren allerdings, dass die Maßnahmen zu spät beschlossen wurden und in ihrer praktischen Umsetzbarkeit oftmals nicht zu Ende gedacht sind“, so Lucassen weiter. Bei der Einführung der 3G-Regel am Arbeitsplatz mussten die Unternehmen lange auf konkrete Vorgaben warten und auch jetzt droht die Einführung von 2G in Teilen des Einzelhandels zum Problem zu werden. So macht sich die Diskussion beispielweise an der Frage fest, welche Sortimente zum täglichen Bedarf gehören und welche Geschäfte unter die strengeren Regeln fallen.

Wenn das kommende Jahr nicht mit Geschäftsaufgaben begonnen werden soll, müsse der Staat laut Lucassen den betroffenen Unternehmen helfen und seine Corona-Beschränkungen so gestalten, dass sie in den Unternehmen mit möglichst wenig Aufwand umgesetzt werden können. (pm)

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