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Neujahrsempfang der IHK Schwaben: "Raus aus dem Stimmungsblues"

Krisen, Kommunikation und Konjunktur – der Neujahrsempfang der IHK Schwaben.

Nach drei Jahren Corona-bedingter Pause hat die Industrie- und Handelskammer Schwaben ihre Miglieder am Dienstagabend wieder persönlich zum Neujahrsempfang in den Kongress am Park eingeladen. Der Abend stand unter dem Hauptthema Kommunikation, mit deren Hilfe man nicht nur einen Diskurs auf Augenhöhe ermöglichen wolle, sondern die auch zur Bewältigung von sozialen und wirtschaftlichen Krisen nötig sei.

Moderator Tilmann Schöberl begrüßte als ersten Redner des Abends den stellvertretenden IHK-Präsidenten Gerhard Pfeifer, der den krankheitsbedingt fehlenden Andreas Kopton vertrat. In seiner Rede ging Pfeifer zunächst auf eine Vielzahl von Krisen und Problemen ein, mit denen die schwäbische Wirtschaft derzeit zu kämpfen habe. Neben dem Anstieg von Staatsverschuldung und hohen Energiepreisen bedingt durch den Krieg in der Ukraine, müssten sich die Unternehmer auch um eine "galoppierende Inflation", Lieferketten, Rohstoffpreise, Fachkräftemangel und das anstehende Lieferkettengesetz kümmern. "Der IHK-Konjunkturklimaindex ist im letzten Herbst ähnlich abgestürzt wie zu Beginn der Corona-Pandemie, weil sich besonders die Geschäftserwartungen für 2023 dramatisch verschlechtert haben", beschrieb Pfeifer die Ausgangssituation für das kommende Jahr. Trotz erster Signale der Entspannung dürfe man sich jedoch nicht in Sicherheit wiegen, so Pfeifer weiter.

Kritik an politischen Entscheidungen

Dabei seien die Herausforderungen nicht erst durch die Corona-Krise und den Ukrainekrieg entstanden, sondern "vielmehr als Folge struktureller Veränderungen, widersprüchlicher Entscheidungen und sich gegenseitig überlagernder Einflüsse in unserem Land über Jahre hinweg gewachsen", weshalb der IHK-Vize auch einige Kritik am Handeln der Politik übte.

Laut Pfeifer habe der "deutsche Alleingang" beim Atomausstieg nach Fukushima kombiniert mit einer "undifferenzierten Haltung gegenüber geopolitischen Risiken" zu einer gewichtigen Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen geführt. Hinzu komme, dass "absurd langwierige Genehmigungsprozesse für alternative Energieträger und Stromtrassen" zusammen mit gedoppelten Produktionskapazitäten zur Sicherstellung grundlastfähiger Energie zu den höchsten Energiekosten für eine Industrienation geführt hätten.

Zum Thema Fachkräftemangel stellte Pfeifer die Frage, wie ein Mangel an Arbeitskräften mit einem "bedingungsarmen Bürgergeld" zusammenpasse und ob man nicht alle Anreize darauf konzentrieren müsse, "Menschen in Arbeit zu bringen, anstatt sie aus Steuergeldern zu alimentieren".

Das geplante Lieferkettengesetz, das auch deutsche Unternehmen verpflichten würde, auf die Einhaltung von Menschenrechten innerhalb ihrer Lieferketten zu achten, sieht Pfeifer kritisch. Hier entstehe ein "weiteres irrsinniges Bürokratiemonster" mit zahllosen inhaltlichen Widersprüchlichkeiten. Laut Pfeifer stellt sich die Frage, ob die Abbaubedingungen einer Kobalt-Mine im Kongo oder von Silizium in China, die jeweils 60 beziehungsweise 71 Prozent des Weltbedarfs decken würden, wirklich mit den Vorschriften des Lieferkettengesetzes in Einklang gebracht werden können.

Die Gäste des Empfangs forderte Pfeifer dazu auf, selbst Regie zu führen und gestaltend mitzuwirken. Einerseits durch das Wahrnehmen eigener Stimmrechte bei den 2023 anstehenden Wahlen der IHK sowie der Landtagswahl und andererseits durch die Teilnahme am gesellschaftlichen Diskurs, bei dem es immer schwieriger werde, "sich in der zunehmend komplexer werdenden und sich weiter ausdifferenzierten Gesellschaft zu orientieren". Dabei sei fraglich, ob sich die Unternehmer, die sich in einem hierarchischen Umfeld befinden, nicht in einer für sie wohligen Blase bewegen würden. Dennoch forderte er vom Publikum, sich als Kontrapunkt zur Empörungsgesellschaft zu engagieren, durch Kommunikation – auch in den sozialen Medien. "Wir müssen raus aus dem Stimmungsblues, der viele von uns erfasst hat. Zuversicht und der Wille, etwas zu unternehmen, macht uns zu Unternehmerinnen und Unternehmern", sagte Pfeifer. (mjt)

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