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Schwäbische Metall- und Elektroindustrie blickt besorgt in die Zukunft

In der Metall- und Elektroindustrie blicken die Unternehmen aktuell pessimistisch in die Zukunft.

Die Lage in den schwäbischen Metall- und Elektrobetrieben ist laut dem Verband der Bayerischen Metall- und Elektro-Industrie (bayme vbm) aktuell von Anspannung und Unsicherheit geprägt. Der Arbeitgeberverband macht dafür unter anderem Lieferengpässe und Materialmangel sowie gestiegene Preise bei Vorprodukten, Frachtkosten, Rohstoffen und Energie verantwortlich. Viele Aufträge könnten nicht abgearbeitet werden.

"Die Lage der schwäbischen Unternehmen ist sehr differenziert und die Verunsicherung groß", sagt Hirohito Imakoji, Vorsitzender der bayme vbm Allgäu zur Sommer-Konjunkturumfrage unter den Mitgliedsunternehmen. "Aktuell sinkt die Produktion und der Blick auf die kommenden Monate ist mehrheitlich pessimistisch." Die Erdgasknappheit hänge "als großes Damoklesschwert" über den Unternehmen. Dazu verschärfe eine hohe Krankheitsquote aufgrund steigender Corona-Fallzahlen den ohnehin bestehenden Arbeitskräftemangel.

Laut Umfrage wird die aktuelle Geschäftslage in Schwaben zwar nur unwesentlich schlechter als zum Jahresbeginn bewertet – die Salden liegen fürs Inlandsgeschäft bei plus 43,9 Punkten und im Auslandsgeschäft bei plus 37,8 Punkten. Die Erwartungen für den weiteren Jahresverlauf sind allerdings deutlich gesunken und liegen fürs Inland mittlerweile im negativen Bereich bei minus 5,8 Punkten und für das Auslandsgeschäft bei nur noch plus 2,8 Punkten. "Die eingetrübten Erwartungen zeigen die enorme Verunsicherung in der schwäbischen Metall- und Elektroindustrie", sagt Imakoji. Lediglich der weiterhin hohe Auftragsbestand habe ein stärkeres Absinken verhindert. "Sollten aber die Beschaffungspreise weiter stark steigen und russische Gaslieferungen ausbleiben, dann dürfte sich das Bild drastisch ändern."

Kernproblem bleibt laut Umfrage ein massiver Mangel an Rohstoffen, Material und Vorprodukten. Die Produktionspläne im Inland sind nur noch moderat aufwärts gerichtet. Der Saldo aus positiven und negativen Antworten sei gegenüber der Januar-Umfrage von plus 39,3 auf 22,4 Punkte gesunken. Auch die Investitionspläne seien rückläufig – der Saldo sank von 19,4 auf 10,2 Punkte.

Knapp jedes zweite Unternehmen plant der Umfrage zufolge dennoch einen Beschäftigungsaufbau. "Im Jahresverlauf wird die Beschäftigung um rund 1600 Stellen auf dann 136 000 Mitarbeiter zum Jahresende 2022 zunehmen“, prognostiziert Imakoji. Gleichzeitig blicken die Arbeitgeberverbände aber bereits auf die anstehende Tarifrunde und warnen die Arbeitnehmerverbände vor "falschen Schlüssen" für die Lohnforderung. "Die aktuell hohe Inflation dürfen wir nicht durch hohe Tarifabschlüsse zementieren, die den Unternehmen die Luft für Zukunftsinvestitionen nehmen", meint Imakoji. "Dadurch gäbe es nur Verlierer – sowohl bei den Beschäftigten als auch bei den Unternehmen." Die Tariflöhne in der Metall- und Elektroindustrie sind laut der bayme vbm seit 2018 um rund neun Prozent gestiegen. (pm)

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