Region: Augsburg Stadt

Wie sehr schadet die Pandemie dem Augsburger Einzelhandel?

Maskenpflicht, Lockdown, 2G: Die Corona-Maßnahmen bestimmten 2021oft das Einkaufserlebnis in der Augsburger Innenstadt.

Wer im nun vergangenen Jahr seine Weihnachtseinkäufe in der Augsburger Innenstadt erledigt hat, der dürfte wohl gefühlt haben, was auch allgemein bekannt ist: So voll wie in den Jahren vor der Pandemie wurde es in den Geschäften und auf den Straßen nicht. Was manchem Einkäufer wohl ganz gelegen kam, bereitet dem Einzelhandel und der Stadt Sorgen, denn im vergangenen Jahr waren noch einmal weniger Menschen in der Innenstadt unterwegs als im Vorjahr, wie die Passantenfrequenzzählung zeigt.

Demnach zählte das Lasermessgerät in der Bürgermeister-Fischer-Straße, die den Königsplatz und den Moritzplatz verbindet, im Jahr 2021 insgesamt nur noch 4 571 252 Passanten – im August wurde aufgrund eines technischen Ausfalls nicht gezählt. Im Jahr zuvor waren es noch 5 320 708 Besucher, im Jahr 2019 sogar 5 855 677 – obwohl das Messgerät in diesem Jahr neu aufgestellt wurde und erst im April in Betrieb ging. In der Annastraße, wo erst seit 2020 gezählt wird, zeigt sich 2021 im Vergleich zum Vorjahr zwar wieder ein Anstieg der Besucherzahl von 3 298 028 auf 3 546 058, allerdings ging die Zählstation 2020 auch erst im Februar in Betrieb.

Besonders deutlich zeigen sich die Unterschiede dann auch im Februar der vergangenen beiden Jahre. Während in diesem Monat im Jahr 2020 in Deutschland noch weitgehend Normalität herrschte, befand sich das Land 2021 im zweiten Lockdown. Während 2020 also am besten Samstag 35 879 Besucher in der Bürgermeister-Fischer-Straße unterwegs waren, waren es 2021 nur noch 10 170.

Die Pandemie habe die "Entwicklungen im Handel beschleunigt", sagte Oberbürgermeisterin Eva Weber vor Weihnachten. Sie ging davon aus, dass der Wandel vom Einzelhandel hin zum Online-Handel in den vergangenen beiden Jahren so schnell ablief, dass er fünf bis zehn übliche Jahre vorwegnahm. Neben der vermehrten Konkurrenz durch den Online-Handel und den Teil-Lockdown im Dezember 2021 sah die Oberbürgermeisterin auch die hohe Inflation als einen möglichen Auslöser für die reduzierte Kauffreude der Augsburger.

Klar sei, dass es im vergangenen Dezember nicht die üblichen Vorweihnachts-Samstage gab – allerdings sei es in dem Monat zumindest besser gelaufen als an den Wochenenden zuvor. Allgemein sei die Frequenz in der Innenstadt inzwischen wieder recht gut, sagte Weber: "Das Schlimme ist, dass viele nicht in die Geschäfte gehen." Die Pandemie sei insgesamt "alles andere als förderlich für unseren Einzelhandel".

Tatsächlich dürfte, gemessen an der Passantenfrequenz, das Weihnachtsgeschäft 2021 in der Innenstadt bereits wieder deutlich besser gelaufen sein. In der Annastraße wurden zwischen dem 1. und 24. Dezember 2021 301 854 Besucher gezählt, verglichen mit 223 793 im gleichen Zeitraum 2020. In der Bürgermeister-Fischer-Straße stieg die Zahl der Passanten von 298 854 auf 445 812 an.

Über die Probleme, die die Pandemie dem Einzelhandel bereitet, kann dieser kleine Hoffnungsschimmer jedoch nicht hinwegtäuschen: Im Jahr 2019 waren in der Bürgermeister-Fischer-Straße vor Weihnachten noch 779 325 Leute unterwegs.

Als Stadt setze man künftig vor allem auf eine attraktivere Innenstadt, erklärten Oberbürgermeisterin Eva Weber und die CSU-Stadtratsfraktion. Schließlich sei der "extreme Frequenzrückgang kein Augsburger Phänomen", so Weber. Die Industrie- und Handelskammer bewerte Maßnahmen wie die Aufwertung der Karolinen- und Maximilianstraße als positiv für den Einzelhandel.

Kritik an der beschlossenen Erhöhung der Parkgebühren wies die Fraktion zurück. "Auch bei den nahezu konstant gebliebenen Parkgebühren in Augsburg im vergangenen Jahrzehnt, hatte der stationäre Einzelhandel Umsatzverluste", schrieb die CSU in einer Pressemitteilung. "Von diesem Trend kann sich der Innenstadthandel nur abkoppeln, wenn das Einkaufserlebnis und die Aufenthaltsqualität eine Fahrt in die Innenstadt attraktiv macht."

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X