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Unternehmen bilden weiter aus: Zahl der Ausbildungsbetriebe geht trotz Corona nur leicht zurück

Gefragter denn je: Die Ausbildung zum Landschaftsgärtner ist für immer mehr junge Frauen und Männer eine Alternative zum Bürojob und dauert in der Regel drei Jahre.

Unternehmen aus den Bereichen Handel, Produktion und Dienstleistungen stehen trotz Corona-Krise zu ihrer Verantwortung für den Fachkräftenachwuchs. Das geht aus einer Erhebung der IHK Schwaben hervor. In Bayerisch-Schwaben gibt es demnach derzeit mehr als 4800 Unternehmen, die junge Menschen ausbilden.

„Es ist wichtig, dass die Unternehmen bereits jetzt für das kommende Ausbildungsjahr ab September 2021 planen“, sagt Christian Fischer, Leiter des Fachbereichs Ausbildung bei der IHK Schwaben. Der Fachkräftemangel werde nach Ansicht von Fischer nach der Krise die große Herausforderung für die Wirtschaft bleiben.

57 Prozent der Unternehmen meldeten in einer IHK-Umfrage zu Beginn des zweiten Lockdowns im November eine sinkende oder komplett ausfallende Nachfrage. „Trotz dieser massiven Einbrüche ist die Bereitschaft, junge Fachkräfte auszubilden, bei den meisten Betrieben ungebrochen“, sagt IHK-Ausbildungsexperte Christian Fischer. Die Zahl der Ausbildungsbetriebe sei in der Krise schwabenweit nur leicht um 1,82 Prozent zurückgegangen. Zum 31. Dezember 2020 lag sie bei 4800. Im Vorjahr waren es 4893 gewesen.

Rechnerisch drei offene Stellen pro Bewerber

Die Unternehmen hatten im Jahr 2020 nicht nur mit den Folgen der Pandemie zu kämpfen. Ihnen fehlten die Bewerber. Rein rechnerisch standen jedem Interessenten an einem Ausbildungsplatz in Bayerisch-Schwaben zwei Angebote zur Verfügung. „Für junge Menschen ist das positiv. Die Chancen, einen Ausbildungsplatz zu erhalten, waren selten so gut“, sagt Fischer und gibt zu Bedenken: „Für die Betriebe und die gesamtwirtschaftliche Entwicklung unserer Region ist es allerdings dramatisch, wenn jedes Jahr Hunderte Stellen unbesetzt bleiben.“ Knapp 8500 Ausbildungsverträge waren 2020 neu geschlossen worden, im Vorjahr waren es noch 9590 gewesen. Der Rückgang lag in Bayerisch-Schwaben zwar unter dem Bayernschnitt, fiel mit 11,6 Prozent aber deutlich aus. Insgesamt bilden bayerisch-schwäbische Unternehmen derzeit 22.154 junge Menschen aus. Die IHK zählte am 31.12.2020 in der Stadt Augsburg 877 Ausbildungsbetriebe, ein Jahr zuvor waren es noch 896. Im Augsburger Umland sank die Zahl innerhalb eines Jahres nur geringfügig von 573 auf 570. Auch in Aichach-Friedberg ist die Zahl der Ausbildungsbetriebe mit 259 nahezu unverändert geblieben. Im Vorjahr waren es dort 260.

Der Tipp des IHK-Ausbildungsexperten Fischer an die bayerisch-schwäbischen Unternehmen: frühzeitig planen und sich bereits jetzt um die Auszubildenden für den Herbst 2021 bemühen.

Die Zahl der neu abgeschlossenen Ausbildungsverträge im Garten- und Landschaftsbau hat im Corona-Jahr 2020 in Bayern sprunghaft zugenommen: Im Vergleich zu 2019 begannen laut Verband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Bayern (VGL) mehr als 21 Prozent mehr junge Menschen ihre Ausbildung zum Landschaftsgärtner.

Bayernweit starteten im vergangenen Jahr 578 junge Menschen ihre Ausbildung im Beruf Landschaftsgärtner, die in der Regel drei Jahre dauert. Im Jahr 2019 waren es noch 477. "Auch gegenüber dem bisherigen Höchststand, mit 535 neuen Ausbildungsverträgen im Jahr 2018, kennzeichnet die gegenwärtige Situation ein neues Rekordniveau", teilt der VGL Bayern mit. Die Zahl aller laufenden Berufsausbildungsverhältnisse im Garten- und Landschaftsbau sei mit 1436 Personen so hoch wie nie zuvor.

„Dass sich immer mehr junge Leute für eine Ausbildung zum Landschaftsgärtner entscheiden, freut uns natürlich sehr“, kommentiert Dietmar Lindner, Vizepräsident und Beauftragter für Aus- und Weiterbildung beim VGL Bayern, die positive Entwicklung. Der Garten- und Landschaftsbau sei von der Corona-Pandemie bisher nur wenig betroffen gewesen. Wegen des geringeren Ansteckungsrisikos im Freien und umfassenden Präventionsmaßnahmen konnte der Betrieb auf den Baustellen weitestgehend aufrechterhalten werden. "Außerdem investierten viele Hausbesitzer ihre Urlaubskasse in die Neugestaltung ihres Gartens, auf Grund des eingeschränkten Reiseverkehrs", so der VGL. Dies habe für eine krisenfeste Beschäftigung bei den ausführenden Fachbetrieben und volle Auftragsbücher für die kommenden Monate gesorgt. (pm/pb)

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