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Werbe- und Marketingkosten jetzt zusätzlich mit Überbrückungshilfe förderfähig

Thomas Pütter ist Steuerberater bei Ecovis in Augsburg. Er berät mittelständische Unternehmen und Landwirte. Ecovis-Kanzleien gibt es an über 100 Standorten in Deutschland.

Steuerberater Thomas Pütter erklärt, wie Betriebe vom aktuellen Förderpaket des Bundes profitieren

Der Bund unterstützt die Unternehmen während der Pandemie mit verschiedenen Überbrückungshilfen. So können Unternehmen mit der aktuellen Überbrückungshilfe III zusätzlich ihre Werbungs- und Marketingmaßnahmen mit staatlicher Unterstützung finanzieren. Das Programm läuft noch bis zum Sommer. Doch die Voraussetzungen sind nicht einfach. Nur Experten kennen sich mit den Details aus. Welche Unterschiede es zwischen den verschiedenen Fördermaßnahmen gibt, dazu befragten wir Ecovis-Steuerberater Thomas Pütter aus Augsburg.

StaZ: Was sind die Unterschiede zwischen November-, Dezember und der im Januar zugesagten Überbrückungshilfe III?

Thomas Pütter: Unternehmen, Selbstständige und Vereine, die von den Schließungen ab dem 2. November 2020 betroffen waren, erhalten die November- und Dezemberhilfe. Die Betroffenen bekommen in diesen Monaten für die Dauer der Schließung einen Zuschuss in Höhe von bis zu 75 Prozent des im Jahr 2019 im gleichen Monat oder unter bestimmten Voraussetzungen im Durchschnitt erreichten monatlichen Umsatzes. Bei der Überbrückungshilfe III wird entweder

■ in Abhängigkeit von der Höhe des Umsatzeinbruchs in den Monaten November 2020 bis Juni 2021 grundsätzlich im Vergleich zu den entsprechenden Monaten im Jahr 2019 ein Zuschuss in Höhe von bis zu 90 Prozent der förderfähigen Fixkosten oder

■ für Soloselbstständige, die nur geringe Fixkosten haben, eine Neustarthilfe gezahlt.

StaZ: Wer kann die aktuellen Überbrückungshilfe III beantragen und in welchem Zeitraum wird sie bewilligt?

Pütter: Im Prinzip können Unternehmen, Soloselbstständige und selbstständige Angehörige der Freien Berufe für den Förderzeitraum bis Juni 2021 diese Hilfen beantragen. Voraussetzung: Sie haben in einem Monat einen coronabedingten Umsatzeinbruch von mindestens 30 Prozent im Vergleich zum Referenzmonat im Jahr 2019 erlitten. Der Bewilligungszeitraum dauert von November 2020 bis Juni 2021. Die Antragsfrist endet am 31. August 2021.

StaZ: Wie hoch sind die Zuschüsse?

Pütter: Die Überbrückungshilfe III erstattet bei einem Umsatzeinbruch im Vergleich zum entsprechenden Monat des Jahres 2019

■ von mehr als 70 Prozent bis zu 90 Prozent

■ zwischen 50 und bis zu 70 Prozent bis zu 60 Prozent sowie

■ zwischen 30 und weniger als 50 Prozent bis zu 40 Prozent der förderfähigen Fixkosten im Fördermonat. Der Förderbetrag ist pro Monat auf 1,5 Millionen Euro begrenzt.

StaZ: Wie schnell kommen die Hilfen?

Pütter: Das bleibt aufgrund der bisher gemachten Erfahrungen zwischen Ankündigung und Ausführung leider abzuwarten. Die als zügig auszahlbar vorgestellten November- und Dezemberhilfen sind mitunter noch nicht in voller Höhe ausbezahlt, selbst wenn diese bereits im Dezember oder Januar beantragt wurden. Ob das mit der Überbrückungshilfe III besser laufen wird, können wir derzeit noch nicht abschließend beurteilen. Positiv dürfte sich auswirken, dass die Betriebe bei dieser Überbrückungshilfe erstmals für eine Überbrückungshilfe, aber wie bei den November- und Dezemberhilfen, Abschläge von grundsätzlich 50 Prozent der beantragten Hilfe im Voraus bekommen.

StaZ: Welche Kosten sind förderfähig?

Pütter: Förderfähig sind fortlaufende, im Förderzeitraum anfallende, vertraglich begründete, betriebliche Netto-Fixkosten gemäß einer vordefinierten Liste. Kleinunternehmer ohne Vorsteuerabzugsberechtigung dürfen auch die Vorsteuer als Kosten ansetzen. Zu den Kosten zählen beispielsweise: Miete und Pacht, Zinsen für betriebliche Kredite, Leasingraten, Ausgaben für Strom, Heizung, andere Nebenkosten, Reinigung, Grundsteuern, Versicherungen, Lizenzgebühren und die Kosten für den prüfenden Dritten im Zusammenhang mit der Antragstellung für die Überbrückungshilfe. Auch gelten teilweise Personalaufwendungen, Kosten für Auszubildende sowie bauliche Modernisierungs-, Renovierungsoder Umbaumaßnahmen zur Umsetzung von Hygienekonzepten bis zu 20000 Euro pro Monat sowie Investitionen in Digitalisierung einmalig bis zu 20000 Euro zu der Förderliste.

StaZ: Können auch Werbe- und Marketingkosten erstattet werden?

Pütter: Ja, auch diese können jetzt angesetzt werden. Und zwar grundsätzlich maximal in Höhe der entsprechenden Ausgaben im Jahre 2019.

StaZ: Ganz praktisch: Unternehmen, die eine Anzeige oder eine Kampagne beispielsweise in unseren Wochenzeitungen schalten, bekommen einen Großteil der Ausgaben erstattet?

Pütter: Genau. Ein Beispiel: Wer in 2019 Werbekosten in Höhe von 2000 Euro hatte, kann nach derzeit vorliegenden Informationen im Förderzeitraum auch bis zu 1800 Euro, also 90 Prozent dieser Fixkosten, an Werbekosten gefördert bekommen. Vorausgesetzt: Alle weiteren Voraussetzungen sind erfüllt.

StaZ: Für welchen Zeitraum können Betriebe die Erstattung für Werbe- und Marketingkosten in Anspruch nehmen?

Pütter: Fallen die Werbe- und Marketingaufwendungen tatsächlich im Förderzeitraum der Überbrückungshilfe III bis Juni 2021 an, können sie - nach derzeitigem Stand der vorliegenden Informationen - maximal in Höhe der entsprechenden Aufwendungen aus 2019 im Antrag aufgenommen werden. Bei Unternehmen, die zwischen dem 1. Januar 2019 und dem 30. April 2020 gegründet wurden, können Marketing und Werbekosten maximal in Höhe der entsprechenden Ausgaben für zwölf Monate in einem beliebigen Zeitraum seit Gründung angesetzt werden.

StaZ: Soloselbstständige haben oft geringere betriebliche Fixkosten. Wird das bei der Förderung berücksichtigt?

Pütter: Soloselbstständige haben ein Wahlrecht. Sie können alternativ zur Überbrückungshilfe III einmalig die Neustarthilfe von bis zu 7500 Euro beantragen. Die Förderhöhe beträgt 50 Prozent eines sechsmonatigen Referenzumsatzes, der auf Basis des Jahresumsatzes 2019 berechnet wird. Haben die Soloselbstständigen im Förderzeitraum Januar bis Juni 2021 Umsatzeinbußen von über 60 Prozent, dürfen sie die Neustarthilfe in voller Höhe behalten. Andernfalls ist die Neustarthilfe anteilig zurückzuzahlen.

StaZ: Wer beantragt das Geld?

Pütter: Der Antrag auf Überbrückungshilfen sowie November- und Dezemberhilfe ist zwingend durch einen qualifizierten Dritten, zum Beispiel Steuerberater, im Namen des Antragsstellenden über eine digitale Schnittstelle bei der Bewilligungsstelle einzureichen. Die Unterstützung durch den Steuerberater soll eine möglichst schnelle Antragsbewilligung ermöglichen und Missbrauchsfälle - wie sie bei der ersten Soforthilfe aufgetreten sind – verhindern. Die Anträge für die Neustarthilfe lassen sich derzeit nur durch die Unternehmer mittels ELSTER- Zertifikat stellen. Noch im März soll das aber auch über die Steuerberater möglich sein. Für unsere Bestandsmandanten ist das natürlich sinnvoll.

StaZ: Welche Unterlagen und Nachweise müssen Antragsteller vorlegen?

Pütter: Eine ganze Menge. Neben vielen allgemeinen Angaben müssen insbesondere Schätzungen zum voraussichtlichen Umsatz im Förderzeitraum sowie – zumindest bei den Überbrückungshilfen – zu den voraussichtlichen betrieblichen Fixkosten vorgelegt werden. Außerdem sind für jeden Monat die für die Bestimmung des Umsatzeinbruchs korrekten Vergleichsumsätze zu bestimmen. Als Nachweise dienen Umsatzsteuervoranmeldungen, letzte Jahresabschlüsse, Steuerbescheide und Bewilligungsbescheide aus vorherigen Hilfen.

StaZ: Was können Antragsteller tun, wenn ihr Antrag abgelehnt wurde? Gibt es einen Rechtsweg?

Pütter: Wir können schriftlich Widerspruch einlegen. Ganz wichtig ist dabei: Die Fristen in der Rechtsbehelfsbelehrung im Ablehnungsbescheid müssen unbedingt eingehalten werden.

StaZ: Wie wirkt sich das steuerlich auf künftige Steuererklärungen aus?

Pütter: Derzeit unterliegen keine Corona- Zuschüsse der Umsatzsteuer. Aber sie sind ertragsteuerpflichtig. Bei der Einkommen-, Körperschaft- und Gewerbesteuer werden sie angesetzt und je nach Rechtsform oder persönlichem Steuersatz werden im Extremfall wieder bis zu 45 Prozent des Förderbetrags als Steuer an das Finanzamt zurückgezahlt. Doch das kommt selten in der Praxis vor. Denn: Wer die Hilfen bekommt, wird in den Monaten ohnehin weniger Erträge erwirtschaften und somit auch weniger zu versteuern haben. (oh)

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