Region: Augsburg Stadt

Alles neu beim Augsburger Brechtfestival: Julian Warner stellt sein Konzept vor

Julian Warner in der nächsten Festivalzentrale, dem Trachtenheim Saalbau Krone in Lechhausen.

Alle drei Jahre gibt es Veränderungen beim Augsburger Brechtfestival, denn so lange hat jeder künstlerische Leiter Zeit, um sein Konzept umzusetzen. In den kommenden drei Jahren wird diese Aufgabe Julian Warner übernehmen, nach drei Jahren mit dem Leitungsteam aus Jürgen Kuttner und Tom Kühnel. Wie die nächsten drei Ausgaben des Brechtfestivals aussehen sollen, hat Warner nun im Kulturausschuss des Augsburger Stadtrats vorgestellt.

Julian Warner, Kulturanthropologe, Musiker und Performance-Künstler aus München, gibt seinem Ansatz für das Brechtfestival die Überschrift "Die große Methode". Im Mittelpunkt soll Brechts prozesshafte Arbeitsweise stehen. "Das Brechtfestival wird in den drei Jahren eine Plattform für eine zeitgenössische und spartenübergreifende Auseinandersetzung mit dem brecht'schen Werk und der brecht'schen Welt werden", so Warner.

Besonders zivilgesellschaftliche Initiativen und lokale Vereine sollen in den kommenden drei Jahren zum Zug kommen. Temporäre Spielstätten sollen zu neuen Austragungsorten des Festivals werden. Besonders im Mittelpunkt wird im Jahr 2023 wohl der Stadtteil Lechhausen stehen. Im dortigen Trachtenheim "Saalbau Krone" wird auch die Festivalzentrale untergebracht.

Das kommende Festival wird vom 10. bis 19. Februar stattfinden. Das vollständige Programm soll im Dezember veröffentlicht werden. Geplant sind laut Warner aber unter anderem eine große Eröffnungsparade, ein Festakt, Wrestling als politisches Theater und Gespräche mit Brecht als Künstliche Intelligenz. Letztere Produktion entsteht unter dem Arbeitstitel "Automatic Brecht" in der Digitalsparte des Augsburger Staatstheaters.

Mit dabei sollen auch wieder Künstlerkollektive wie God’s Entertainment und Club Real sein. Beide wollen laut dem Augsburger Brechtbüro "partizipative Projekte zwischen Kunst, Politik und Stadtentwicklung" nach Augsburg bringen. Das Theater Bremen wird ein Gastspiel von Brechts Fragment „Ein Brotladen“ zeigen. Für die musikalische Seite des Brechtfestivals, die Lange Brechtnacht, wird Kurator Girisha Fernando erstmals mit dem Musiker Markus Acher von The Notwist zusammenarbeiten. In einem Online-Archiv sollen die in der Zeit der Pandemie entstandenen digitalen Beiträge wenn möglich langfristig sichtbar gemacht werden. Auch zukünftige Festivalausgaben könnten dokumentiert werden.

Teil des Konzepts wird auch das neuaufgelegte "Artist in Residence"-Programm im Augsburger Brechthaus sein. Im Jahr 2023 wird der 125. Geburtstag von Bertolt Brecht gefeiert. Hierzu hat die Stadt Augsburg den zweiten Stock des Brechthauses renoviert, um dieses besuchenden Kulturschaffenden in Verbindung mit einem Stipendium zur Verfügung zu stellen.

Für das "Artist in Residence"-Programm ist in den kommenden drei Jahren ebenfalls Julian Warner zuständig. Ein Augenmerk soll auf gefährdete Kulturschaffende gelegt werden, zum Beispiel solche, die in der Ukraine aktuell nicht mehr sicher arbeiten können. "Das Programm leistet damit nicht nur existentielle Hilfe, sondern schafft auch eine internationale Vernetzung, von der die Augsburger Kulturszene langfristig profitieren kann", so Augsburgs Kulturreferent Jürgen Enninger.

Julian Warner und seinem Team wünsche der Kulturreferent alles Gute für die Zeit in Augsburg. "Ich bin neugierig auf seine Lesart von Brecht, wie er künstlerisch damit umgeht und welche Perspektiven er dadurch möglich macht", so Enninger. (pm/lat)

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