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Von Augsburger Asyl-Unterkunft ins Fernsehen: Vladimir Korneev ist in "Ein Sommer in Istrien" zu sehen

Fußballscout Anne Schuster (Sophie Pfennigstorf) entdeckt in dem zwölfährigen Matija ein Supertalent. Sein Vater Darijo (Vladimir Korneev) glaubt, Anne habe nur deshalb alte Gefühle wieder aufgewärmt.

Vladimir Korneev flüchtete mit seinen Eltern vor dem Krieg und fand politisches Asyl in Augsburg. Dort wuchs er auf, ging zur Schule und machte am Musischen Gymnasium bei St. Stephan sein Abitur. An der Bayerischen Theaterakademie August Everding in München wurde er anschließend in Schauspiel und Gesang ausgebildet. Am Sonntag, 14. November, ist er nun um 20.15 Uhr im ZDF in "Ein Sommer in Istrien" zu sehen. Wir haben vorab mit dem Schauspieler gesprochen.

StaZ: Herr Korneev, können Sie die Umstände der Flucht nach Augsburg beschreiben?

Vladimir Korneev: Meine Eltern und ich mussten Georgien aufgrund des Bürgerkriegs mit Abchasien verlassen. Mein Vater war als halb Russe halb Georgier praktisch ein Konflikt in sich und dazu noch in der Armee. Nach zwei Jahren in Afghanistan an vorderster Front mit Verwundungen knapp am Herzen und in der Wirbelsäule wollte er nicht mehr kämpfen, und als die Umstände in Georgien sehr unsicher für uns wurden und ein neuer Krieg anstand, entschloss er sich, mit meiner Mutter und mir zu fliehen.

Im Militärflugzeug nach Deutschland geflüchtet

Er ließ sich von einem General, der es gut mit uns meinte, für ein paar Monate in die ehemalige DDR versetzen. Alles weitere war dann an ihm. Er meldete einen Urlaubstag, um angeblich mit seiner Familie Berlin anzusehen. Meine Mutter konnte deshalb auch nicht viel packen. Nur Fotos, Kleidung, einen Kerzenständer und ein kleines Ölbild, das die Küste Georgiens zeigt. Wir fuhren mit dem Zug zu unserem Ausflugsziel und kamen nie wieder zurück. Wir meldeten uns als politische Flüchtlinge. Es war ein sehr hohes Risiko. Mein Vater hat sein Leben riskiert, um nicht mehr in den Krieg ziehen zu müssen. Als politisch Verfolgte bekamen wir Asyl in Deutschland. Wir kamen in Berlin ins Auffanglager, dann ging’s für eine kurze Zeit nach Nürnberg und dann nach Augsburg ins Asylantenheim in Göggingen. Von da aus ging ich dann in die Grundschule und wir konnten dann ein paar Jahre später unsere allererste Wohnung beziehen. Dann ging’s für mich ins Gymnasium bei St. Stephan in den musischen Zweig. Dort machte ich auch mein Abitur.

StaZ: Wann kamen Sie erstmals in Kontakt mit Instrumenten und Musik?

Vladimir Korneev: Mit Musik sehr früh, da meine Eltern viel Musik gehört haben. Mein Vater vor allem Kriegslieder, meine Mutter Chansons. Das erste Mal, als ich einen Menschen auf dem Klavier spielen sah, war an dem Tag, an dem wir aus Georgien weg sind. Wir flogen von Tiflis mit dem Militärflugzeug. Die Maschine hatte irgendwie Verspätung und meine Eltern sind eingenickt. Auf einmal hörte ich Töne aus einer anderen Halle. Ich war neugierig und suchte nach der Quelle der Töne und fand einen Soldaten, der an einem alten Klavier saß und spielte. Es stand tatsächlich einfach so am Militärflughafen. Ich weiß nicht, was er spielte, aber das hat mich so gefesselt, dass ich nur schauen und mich nicht bewegen konnte. Und ich wusste, genau das will ich können.

"Das war damals das schönste, was mir je passiert ist"

Das nächste Mal als ich ein Klavier sah, war dann in Deutschland, noch vor meiner Einschulung: Ein Keyboard in einem Augsburger Elektrofachgeschäft. Mein Vater brauchte nur ein Kabel und ich blieb vor dem Keyboard stehen, drückte die Tasten und wollte es mitnehmen. Mein Vater sagte, dass wir kein Geld für sowas haben. Ich habe geweint, gewütet, um mich geschlagen und er musste mich aus dem Laden tragen. Ein Jahr später schenkten mir meine Eltern in unserem kleinen Zimmerchen im Asylantenheim ein Keyboard. Das war damals das schönste, was mir je passiert ist und ich denke oft an den Moment zurück.

StaZ: Als erfolgreicher Sänger waren Sie nun aber auch schon öfter im Fernsehen zu sehen. Macht Ihnen singen oder schauspielern mehr Spaß?

Vladimir Korneev: Ich kann und will das nicht in unterschiedliche Schubladen einsortieren. Das Schubladen-Denken beginnt ja immer bei einem selbst. Und ich kann aus vollstem Herzen sagen, dass ich ein Künstler bin, dessen liebste Ausdrucksformen eben das Singen von Chansons und das Spielen von Rollen sind. Gelebte Empathie durchs Spielen und Singen. Und beides mache ich immer aus vollstem Herzen und tiefer Hingabe.

StaZ: Am 14. November sind Sie in „Ein Sommer in Istrien“ zu sehen. Wie haben Ihnen die Dreharbeiten auf der kroatischen Halbinsel gefallen und auf was können sich die Zuschauer freuen?

Vladimir Korneev: Die Dreharbeiten waren wunderschön. Ich habe sehr viel von Istrien gesehen. Rovinj hat mich sehr beeindruckt. Mit Regisseur Tomasz Rudzik zu arbeiten war für mich eine große Freude. Die Kollegen und das Team zogen alle an einem Strang. Besonders war auch für mich, dass ich zum ersten Mal einen Vater spielen konnte. Mein zwölfjähriger Sohn Matja, der ein großes Fußballtalent ist, wurde von Xaver Pucci gespielt, der in der FC Bayern Jugend ist. Xaver stand zum allerersten Mal vor der Kamera und er hat das so toll gemacht. Es war für mich sehr besonders, ein Kind am Set bei seinen ersten Schritten als Schauspieler zu unterstützen und mit ihm die Szenen zu erarbeiten. Ich spiele einen Ex-Fußballprofi, der sich zurück zuhause abgesetzt hat als Olivenbauer. Er trifft zufällig auf seine erste große Liebe aus Deutschland und ist mit alten Wunden konfrontiert.

StaZ: Haben Sie noch eine Verbindung zu Augsburg? Sind Sie noch oft hier?

Vladimir Korneev: Meine Eltern wohnen in Augsburg. Ich versuche sie je nach Dreh und Konzertplan regelmäßig zu sehen und komme deshalb oft nach Augsburg. Ich habe ab und an auch noch Kontakt zu Mitschülern aus dem Gymnasium St. Stephan. Ich möchte aber bald mal ein Chanson-Konzert in Augsburg geben. Die Idee schlummert schon seit längerem in mir.

Interview: Patrick Bruckner

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