Region: Augsburg Stadt

Wie Augsburger Kinos durch die Krise kommen und wann es wieder Filme zu sehen gibt

Kinobetreiber Michael Hehl und Daniela Bergauer freuen sich auf die Wiedereröffnung des Liliom.

Bereits am Mittwoch könnte es in Augsburg so weit sein: Die Kinos dürften bei einer stabilen Inzidenz unter 100 wieder öffnen. Zeit also für die Kinos, die Plakate für neue Blockbuster aufzuhängen, die Werbetrommel zu rühren und die Popcornmaschine anzuwerfen? Nicht ganz. Die Augsburger Kinobetreiber freuen sich zwar auf die Wiedereröffnung. Allerdings könnte diese wohl noch einigen Vorlauf benötigen und großflächig eher am 1. Juli vonstattengehen.

Auf dieses Datum hat sich unter anderem der Verband der Programmkinos geeinigt, zu dem auch das Augsburger Kino Liliom gehört. Das Datum lasse genug Zeit, um die Filme seitens der Verleiher noch gut vorzubereiten. Dazu verpflichtet, erst im Juli wieder Filme zu zeigen, sind die einzelnen Kinos aber nicht. "Unsere Überlegung ist schon auch, etwas früher aufzumachen", sagt Daniela Bergauer, die das Programmkino gemeinsam mit Michael Hehl betreibt. Man warte aber noch ab, wie sich die Lage entwickelt, denn aktuell finden beide Betreiber die Auflagen "unverhältnismäßig".

Aktuell müsste jeder Besucher bei einer Inzidenz unter 100 einen negativen Corona-Test vorlegen und im Kinosaal eine FFP2-Maske tragen. Hinzu kommen ausgelassene Sitze, um den Abstand zwischen den Zuschauern zu wahren, und ein Verbot von Getränken und Süßigkeiten. Test, Maske und keine Getränke – das sei "Wahnsinn", sagt Daniela Bergauer. In der Gastronomie dürften Gäste schließlich auch irgendwann die Maske absetzen.

Corona-Auflagen könnten Besucher verunsichern

Die Regeln, glaubt Bergauer, könnten den Menschen das Gefühl vermitteln, dass Kinosäle grundsätzlich unsichere Räume seien. Dabei hätten die beiden Betreiber, wie Michael Hehl erklärt, während des Lockdowns das Liliom komplett renoviert – inklusive einer neuen Belüftungstechnik, die die Luft fünf mal in der Stunde komplett austauscht.

Auch Franz Fischer, Betreiber des Augsburger Kinodreiecks, hat die Corona-Zeit genutzt, um in seinen Kinos "alles auf Vordermann zu bringen" - inklusive neuer Belüftungsanlagen. Auch für ihn zeichne sich eine mögliche Eröffnung am 1. Juli ab. Die zu frühe Eröffnung im vergangenen Jahr sei aus finanzieller Sicht "im Nachhinein betrachtet ein Fehler" gewesen, erklärt Fischer. "Es macht halt einfach keinen Spaß, mit den ganzen Auflagen." Außerdem würden auch erst jetzt langsam die ersten Filme bereitgestellt.

Filme müssen "nahezu flächendeckend" starten

Außerhalb der Programmkinos wird der 1. Juli ebenfalls als bevorzugter Termin für eine Wiedereröffnung in möglichst der gesamten Branche gehandelt, wie Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock erklärt. Denn im Grunde könnten neue Filme nur starten, wenn die Kinos wieder nahezu flächendeckend geöffnet seien. Außerdem könne es durchaus vier Wochen dauern, den Kinobetrieb wieder hochzufahren und die Filme zu planen und zu bewerben. Auch das Cinestar würde außerdem lieber ohne eine Maskenpflicht am Platz starten. "Wir sind auf die Erlöse aus dem Verzehr von Speisen und Getränken zwingend angewiesen, um überhaupt in den Bereich eines wirtschaftlichen Arbeitens zu kommen", sagt Oliver Fock.

Trotz aller Schwierigkeiten freuen sich die Betreiber darauf, bald wieder Filme in den Kinos zeigen zu können. Zwar sei das Liliom bislang dank der politischen Unterstützung im Grunde ganz gut durch die Krise gekommen, sagt Daniela Bergauer. Doch natürlich wolle man den Besuchern nun auch wieder zeigen, "dass wir noch da sind".

"Die Auswahl wird größer werden"

Optimistisch blickt auch Franz Fischer in die Zukunft. "Die Kinos wird es weiter geben", betont er. "Man merkt schon, das Publikum wartet darauf. Und es werde auf jeden Fall spannend. Aktuell ständen etwa 300 bis 400 Filme in den Startlöchern, die bislang nicht gezeigt werden konnten. "Die Auswahl wird größer werden", kündigt Fischer deshalb an.

"Natürlich ist uns klar, dass wir nicht ab dem ersten Tag wieder mit voller Auslastung spielen können", sagt Cinestar-Geschäftsführer Oliver Fock. Es dürften auch nicht zu viele Filme gleichzeitig an den Start gehen. " Aber wir freuen uns darauf, dass es jetzt endlich wieder losgeht." Aktuell warte der Dachverband darauf, dass das Wiedereröffnungsdatum am 1. Juli auch vonseiten der Länder bestätigt wird.

Und nach der Krise? "Wenn das mal alles rum ist, dann werden das natürlich sehr, sehr schöne Abende", sagt Michael Hehl. Und auch Mitbetreiberin Daniela Bergauer freut sich auf den Moment, wenn sie das erste Mal wieder einen Film im ausverkauften Saal, ohne Abstände, im Liliom sehen kann. "Da werden dann wohl auch ein paar Tränchen bei mir fließen", sagt sie.

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