Region: Augsburg Stadt

Bayerns größter Römerschatz: 5600 Silbermünzen in Augsburg entdeckt

Rund 500 der 5600 gefundenen Silbermünzen präsentierte Sebastian Gairhos, Leiter der Augsburger Stadtarchäologie.

Augsburg ist nun im Besitz des größten römischen Silberschatzes, der je in Bayern entdeckt wurde: Knapp 5600 Silbermünzen, sogenannte Denare, sind in den vergangenen Monaten bei Ausgrabungen im Stadtteil Oberhausen entdeckt worden. Sie lagen dort im Kies eines ehemaligen Wertach-Flussbetts. Nun hat die Stadtarchäologie den Fund erstmals öffentlich präsentiert. Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber und Kulturreferent Jürgen Enninger nahmen das auch zum Anlass, ihre Pläne dafür vorzustellen, wie Augsburgs römische Geschichte künftig für Einwohner und Besucher besser erlebbar gemacht werden soll.

Entdeckt wurden die Münzen bei archäologischen Untersuchungen auf einem Grundstück des Immobilienunternehmens Solidas. Die eigentlichen Eigentümer des Schatzes überließen diesen den Augsburger Museen. Auf demselben Gelände waren auch bereits Zeugnisse eines alten Römerlagers entdeckt worden, die die Stadt bereits im Juni vorgestellt hatte. Die Münzen sind allerdings deutlich jünger. Laut Sebastian Gairhos, Leiter der Stadtarchäologie Augsburg, stammen sie wohl aus einer Zeit, als Augsburg kein Militärstandort mehr war, sondern Provinzhauptstadt und Handelsmetropole. Vermutlich wurden die Münzen im frühen dritten Jahrhundert nahe der damals dort verlaufenden Via Claudia vergraben und mehrere Jahrhunderte später durch ein Wertach-Hochwasser im Flusskies verstreut.

Besonders ist der Fund vor allem wegen der Menge der entdeckten Münzen. Die meisten Funde haben laut Gairhos einen Umfang von etwa 100 Münzen, ganz selten würden über 1000 Münzen entdeckt – und dann handle es sich meistens um Bronze, nicht um Silber. In diesem Fall sei aber "keine einzige Bronze-Münze dabei". Die Archäologen gehen deshalb davon aus, dass die Denare explizit für Transaktionen gesammelt wurden. Möglicherweise könne es sich bei dem Fund um Steuereinnahmen oder noch nicht verteilte Soldzahlungen handeln, oder das Geld könnte einem Großhändler gehört haben.

Münzen von den Kaisern Nero bis Septimius Severus

Die Denare stellten auf jeden Fall "einen enormen Wert in der Antike dar", so Sebastian Gairhos. Es ist der größte Münzschatz, der im heutigen Bayern jemals entdeckt wurde. In ganz Deutschland gibt es Gairhos' Schätzungen zufolge vielleicht zehn vergleichbare Funde. Ein Legionär verdiente zu der Zeit, aus der die Münzen stammen, zwischen 375 und 500 Denare im Jahr. Die entdeckten Münzen entsprächen also etwa elf bis 15 Jahresgehältern. Besonders ist auch, dass die Münzen aus einer Zeitperiode von etwa 200 Jahren stammen. Die ältesten Münzen wurden unter Kaiser Nero geprägt, die jüngsten unter Septimius Severus kurz nach dem Jahr 200. Zu dieser Zeit konnte man also "durchaus auch mal Münzen im Geldbeutel haben, die 100 oder 200 Jahre alt waren", erklärte Gairhos.

Für Oberbürgermeisterin Eva Weber ist der besondere Fund "erst recht die Verpflichtung, das römische Erbe in Augsburg erlebbar zu machen." Nach wie vor gibt es in Augsburg kein Römisches Museum, seit die Ausstellung in der Dominikanerkirche geschlossen wurde. Eine Zwischenlösung bietet das Römerlager im Zeughaus, wo einige bedeutende Exponate Platz finden. Die Stadtregierung sei nun dabei, Konzepte für die künftige Präsentation des römischen Erbes zu entwickeln. Bis zur Fertigstellung eines neuen Museums sei es laut Weber aber noch "ein langer Weg".

Wohin soll das neue Römermuseum?

Kulturreferent Jürgen Enninger will das Thema in drei Schritten angehen. Vorerst wolle man eine virtuelle Erlebnistour entwickeln. Der zweite Schritt sei eine Neuausrichtung des Römerlagers, die laut Enninger in den kommenden zwei Jahren umgesetzt werden könnte. Und schließlich wolle man an die Planungen des neuen Römischen Museums gehen, das laut dem Kulturreferenten trotz der unklaren Zeitschiene eine "Top-Priorität" habe. "Ich gehe nicht davon aus, dass wir in dieser Legislatur das Band durchschneiden und eröffnen", sagte Enninger. Er hoffe aber, dass zumindest ein Ort für das neue Museum gefunden werden kann.

Teile des Münzschatzes und der Funde aus dem ehemaligen Römerlager sollen vom 17. Dezember bis 9. Januar im Römerlager gezeigt werden.

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