Region: Augsburg Stadt

Bekannte Gemälde in neuem Kontext: Neue Ausstellung in der Neuen Galerie im Höhmannhaus

Bekannte Gemälde wie Jan van Eycks "Arnolfini-Hochzeit" interpretiert Patricija Jurkšaitytės durch das Weglassen wichtiger Bildelemente neu.

Eine neue Ausstellung der litauischen Künstlerin Patricija Jurkšaitytė eröffnet am Donnerstag in der Neuen Galerie im Höhmannhaus. Die Künstlerin malt weltbekannte, herausragende Gemälde, doch gibt diesen durch das Fehlen des eigentlichen Bildgegenstands eine neue Bedeutung und eröffnet Spielräume für andere Interpretationen.

In Jan van Eycks berühmten Portrait "Die Arnolfini-Hochzeit" sieht der Betrachter für gewöhnlich zuerst das titelgebende Hochzeitspaar, einen Mann, wahrscheinlich Giovanni Arnolfini, in lila Gewändern mit Fellbesatz, seine Frau in einem grünen Kleid mit Schleppe, ein kleiner Hund zu ihren Füßen. All diese Bildelement fehlen allerdings in Jurkšaitytės Interpretation des Bildes. Übrig bleibt der Raum, das rot bezogene Mobiliar, der besonders geformte Spiegel im Hintergrund. Die litauische Künstlerin ist eine klassische Malerin, die aber in der vermeintlich klaren Erkennbarkeit ihrer Bilder verblüffende Irritationen schafft. Charakteristisch hierbei ist ihr Vorgehen, die nicht sichtbaren Bildelemente gerade durch ihre Abwesenheit deutlich zu machen.

Neben ihrer künstlerischen Erfindungslust kommt Patricija Jurkšaitytė hierbei eine virtuose Maltechnik zugute, die klassische Vorbilder holländischer und italienischer Landschafts- und Genremalerei seit dem 14. Jahrhundert in den eigenen Malprozess miteinbezieht, um sie in neue, eigene Bildgeschichten zu überführen. In ihrer Auswahl präsentiert die Neue Galerie im Höhmannhaus Beispiele aus Jurkšaitytės verschiedenen Werkgruppen und stellt sie den brandneuen Bildern der Künstlerin gegenüber. "Shelters // Bleiben" ist die erste Einzelausstellung der Künstlerin in einem deutschen Museum.

Patricija Jurkšaitytė wurde 1968 in Vilnius geboren, wo sie Malerei an der dortigen Kunstakademie studierte. Neben Ausstellungen in wichtigen litauischen Institutionen wie dem CAC Contemporary Art Center Vilnius war sie 2018 in einer Einzelausstellung im "Sla307 Art Space" in New York vertreten. Ihre Werke befinden sich in privaten Sammlungen in Litauen und darüber hinaus, darunter im MO Museum und der Lewben Art Foundation Vilnius.

Die Augsburger Ausstellung ist Teil des litauischen Kulturjahres „Ohne Distanz: Litauische Kultur in Bayern 2021“, das organisiert wird vom Lithuanian Culture Institute (LCI) und der

Kulturattachée der Republik Litauen in Deutschland, in Zusammenarbeit mit der Litauischen Botschaft, zahlreichen Kooperationspartnern in Bayern und dem Kulturministeriums Litauen. Zu sehen ist die Ausstellung bis zum 5. Dezember. (pm)

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