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Daniel Christensen im Interview: "Der Kinostart ist noch wertvoller als sonst"

Heizungspfuscher Flötzinger (Daniel Christensen) im Rausch der Liebe: Die Beischl (Maria Hofstätter) hat es ihm ordentlich angetan.

Schauspieler Daniel Christensen spricht über seine Rolle als Flötzinger in den Eberhofer-Filmen und darüber, wie sich die Premiere des neusten Teils nach dem Lockdown anfühlte.

Kein Eberhofer-Film ohne ihn: Daniel Christensen schlüpft für die Verfilmungen der Heimatkrimis nach den Romanen von Rita Falk in die Rolle des Ignaz Flötzinger. So auch im neusten Teil "Kaiserschmarrndrama", der ab dem Samstag, 31. Juli, beim Lechflimmern in Augsburg zu sehen ist. Im Interview verrät Christensen, warum der Film absolut sehenswert ist.

StaZ:Die meisten Charaktere in den Eberhofer-Filmen sind schräge Vögel, und Flötzinger ist da definitiv keine Ausnahme. Wie ist es, in diese Rolle zu schlüpfen?

Daniel Christensen: Es heißt immer wieder :"Komödie ist die Meisterdisziplin der Schauspielkunst." Ich glaube, man ist oft verleitet zu denken, der setzt eine dicke Brille auf und macht ein lustiges Gesicht. Fertig! Das ist ein Trugschluss. Es steckt eine enorme Arbeit dahinter, eine derartige Figur zu kreieren. Denn je „schräger“ oder überzeichneter ein Charakter ist, desto glaubwürdiger muss man ihn spielen. Am Set, im richtigen Moment lasse ich die Rolle für sich selber sprechen. Aber die Vorbereitung ist sehr, sehr viel Arbeit.

StaZ: Was mögen Sie am „Flötzinger“?

Christensen: Der hat sowas unkaputtbares. Zu jeder guten Komödienfigur gehört das Scheitern. Der Ignaz scheitert permanent an sich selbst. Macht aber nix. In ungebrochenem Elan steht er immer wieder auf. Das mag ich an ihm.

StaZ: Gibt es da auch Gemeinsamkeiten, oder sind Sie doch ein ganz anderer Typ?

Christensen: Ich spreche privat nicht mal Mundart. Nein, keine Gemeinsamkeiten.

StaZ: Wie ist es, so lange quasi Teil einer Film-Familie zu sein? Sind dabei auch private Freundschaften entstanden?

Christensen: Der Simon vergleicht uns immer mit der Nationalmannschaft. Wir treffen uns ab und zu und sind dabei ein perfekt eingespieltes Team. Ich sag immer, wir sind bisschen wie das Erscheinen des neusten Asterix-und-Obelix-Heftes, denn im Grunde passiert ja immer dasselbe. Man weiß schon beim Betreten des Kiosk genau, was man beim Kauf bekommt, aber man ist trotzdem voller Vorfreude, nicht so sehr wegen Was sondern Wie genau es passieren wird. Es ist schon eine Art Familie geworden.

StaZ: Was ist Ihre beste Erinnerung an die Dreharbeiten? Oder alternativ: Welche Szene haben Sie am liebsten gedreht?

Christensen: Oh je, da müsste ich jetzt ein Ranking machen. Es wurden so viele tolle Szenen gedreht. Aber klar, ein Highlight war, als der Regisseur Ed Herzog bei Winterkartoffelknödel am Set und ohne vorheriger Absprache mit Damenunterwäsche da stand und mich gefragt hat, ob ich in Reizwäsche auf einem Wirtshaustisch tanzen würde. Ich habe nur gegrinst. Wer lässt sich sowas schon entgehen?!

StaZ: Sie wohnen aktuell nicht mehr in Bayern. Sind die Filme auch so ein bisschen eine Verbindung zur Heimat?

Christensen: Im Grunde nicht. Ich werde aufgrund der starken Verwandlung auf der Leinwand durch Brille und Frisur auf der Straße kaum erkannt. Das ist sehr sehr wohltuend. Ich bin fast inkognito unterwegs. Ich habe einen ganz ursprünglichen und eigenen Bezug zu meiner Heimat, da haben auch die Eberhofer Filme nichts daran verändert.

StaZ: Ist der Filmstart für Sie in diesem Jahr nach den langen Kino-Schließungen anders als sonst?

Christensen: Die Premiere auf dem Münchner Filmfest war auf eine wohltuende Art unaufgeregt. Es hat mich selber überrascht. Alle wirkten total entspannt. So als wären wir noch alle ein bisschen entschleunigt. Vielleicht hatte man etwas mehr Zeit, nachzuspüren, was einem wirklich wichtig ist. Kino ist auf jeden Fall enorm wichtig und ich bin mehr als froh, dass die Kultur in unserem Land wieder zugänglich ist. Viele, viele sind auf der Strecke geblieben. Ein echt mieses Gefühl und gleichzeitig Dankbarkeit so privilegiert zu sein. In diesem Sinne ist der Kinostart noch wertvoller als sonst.

StaZ: Warum sollten die Besucher sich auch den siebten Eberhofer-Krimi anschauen?

Christensen: Ich finde ihn wahnsinnig gelungen. Er ist nicht witzig, nicht oberflächlich witzig, sondern echt lustig und er ist da traurig, wo er traurig sein muss. Alle Figuren wirken ein klein wenig aufgerieben und gebrochen. Das ist neu. Alle kämpfen um was und es macht sich etwas tief Melancholisches breit in Niederkaltenkirchen. Einer der reifsten Teile, wie ich finde. Langsam werden selbst wir „Gallier“ in unserem lustigen Dorf erwachsen.

StaZ: Was ist denn Ihr bayerisches Leibgericht, das bislang noch keiner Eberhofer-Geschichte ihren Namen gegeben hat? Vielleicht braucht Rita Falk ja noch eine Inspiration…

Christensen: Kulinarisch werden Sie mich als halben Tschechen eher in Österreich oder der böhmischen Küche beheimatet finden. Aber ab und an geht doch nichts über einen Nachmittag im heimatlichen Biergarten, mit einem schönen Bayerischen Wurstsalat.

StaZ: Und was steht in Ihrem professionellen Leben in der kommenden Zeit noch so an?

Christensen: Im Oktober kommt die zweite Staffel der Amazon Prime Serie „Der Beischläfer“ raus und es wird am 5. September den Polizeiruf 110 ( Bis Mitternacht) zu sehen geben, sowie einen Frankfurter Tatort, ebenfalls diesen Herbst. Am 14. Oktober kommt „Der junge Häuptling Winnetou“ mit mir in die Kinos. Neue Dreharbeiten stehen auch an. Im August noch eine Mini-Serie für den MDR. Bis in den Winter werde ich dann in einer Hauptrolle in einer neuen ARD-Reihe in Portugal zwei Filme drehen und vorher (was sonst) den nächsten Eberhofer im schönen Niederbayern.

Interview: Laura Türk

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