Region: Augsburg Stadt

Endlich wieder Theater? Augsburger Staatstheater plant für kommende Spielzeit volles Programm

Staatstheater-Intendant André Bücker war bei der Vorstellung der neuen Spielzeit optimistisch, dass dann "endlich" wieder Aufführungen vor Publikum stattfinden können.

Das Staatstheater Augsburg hofft nach zahlreichen verschobenen Premieren in der neuen Spielzeit auf mehr Normalität.

Endlich: Dieses Motto schreibt sich das Augsburger Staatstheater für die kommende Spielzeit auf Plakate, Programm und Flyer, und drückt damit die Hoffnung auf mehr Normalität aus; auf gefüllte Sitze statt Livestreams und Planungssicherheit statt kurzfristig abgesagter Premieren. Das neue Programm, das im September startet, soll endlich wieder eine richtige Theatersaison ermöglichen. Ganz unbekannt sind einige der nun dafür angekündigten Produktionen nicht, denn viele Inszenierungen, die in den vergangenen beiden Spielzeiten der Corona-Pandemie zum Opfer fielen, sollen nun doch noch gezeigt werden.

Eine stabile Inzidenz unter 100 bräuchte die Stadt Augsburg, damit das Staatstheater wieder vor Publikum spielen darf. Davon ist die Stadt aktuell mit einer überdurchschnittlich hohen Inzidenz von 181,7 weit entfernt. Das Theater sei aber "sehr optimistisch", dass es im Sommer wieder spielen könne, betonte nun Intendant André Bücker bei der Vorstellung der neuen Spielzeit. Diese soll dann im Herbst starten, früher als sonst, um bei hoffentlich niedrigeren Inzidenzen noch mehr Theater zu ermöglichen. Rund vier zusätzliche Wochen habe man so für die kommende Spielzeit gewonnen. Laut dem Intendanten war dies auch nötig, um einen Spielplan unterzubringen, der so umfangreich sei wie nie zuvor.

Eröffnet wird die Spielzeit am 10. September mit einer Premiere aus den Sparten Digitaltheater und Ballett: Als Virtual-Reality-Produktion kommt das Ballett "Kinesphere" heraus, in dem die Tänzer mit einem Kuka-Roboter interagieren. Am Tag darauf hebt sich auf der Brechtbühne der Vorhang zur Uraufführung des Kammerspiels "Die Antwort auf alles" des amerikanischen Dramatikers Neil LaBute.

Insgesamt gebe es in dieser Spielzeit besonders viel Ballett, sagte André Bücker. Ballettdirektor Ricardo Fernando holt dafür auch hochkarätige Choreographen nach Augsburg, unter anderem den Amerikaner Peter Chu und Marco Goecke, Ballettdirektor des Staatsballetts Hannover. Die "Winterreise" aus der aktuellen Spielzeit, die bislang nur einmal im Livestream zu sehen war, wird ab November live erlebbar sein. Durch die besonders vielen Vorstellungen wolle er auch seinen Künstlern möglichst viel zurück geben, sagte Ricardo Fernando. Diese hätte die Corona-Pandemie hart getroffen.

Auch in den anderen Sparten des Staatstheaters soll viel geboten werden. Das Musiktheater widmet sich im September als Erstes der Wiederaufnahme von Christoph W. Glucks "Orfeo ed Euridice". Die frühklassische Oper, die in Augsburg mit Virtual-Reality-Elementen gezeigt wird, feierte im Herbst 2020 Premiere, konnte aber wegen des Lockdowns bisher nur dreimal gespielt werden. Die erste Neuinszenierung der Sparte ist die selten gespielte Oper "La clemenza di Tito" von Wolfgang Amadeus Mozart, die im Oktober ihre Premiere feiert.

Den Spielzeit-Titel "Endlich" bezieht das Staatstheater auch auf die Endlichkeit der Ressourcen der Erde, und thematisiert damit den Klimawandel. So zum Beispiel in der Schauspielpremiere "Freitags vor der Zukunft" von Matthias Naumann, in dem das Theaterkollaborativ "Futur II Konjunktiv" einen Blick in die Zukunft wirft. Das Schauspiel inszeniert außerdem unter anderem Thomas Manns "Zauberberg", die politische Märchenkomödie "Der Drache", Ödön von Horváths "Geschichten aus dem Wiener Wald" sowie das Weihnachtsstück "Tintenherz" nach dem Roman von Cornelia Funke.

Die Konzertsaison soll in der kommenden Spielzeit besonders durch die sanierte Steinmeyer-Orgel im Kongress am Park bereichert werden. Mit dem 1. Sinfoniekonzert im September wird das Instrument mit den Augsburger Philharmonikern eingeweiht. Der Organist Christian Schmitt ist als "Artist in Residence" zu Gast in Augsburg und wird im Laufe der Saison mehrere Konzerte des Staatstheaters begleiten.

Die Digitalsparte des Augsburger Staatstheaters soll in der kommenden Saison weiter ausgebaut werden. Die Entwicklung werde sich hier "nicht zurückdrehen", betonte Bücker. Auch nach der Pandemie soll das Digitaltheater weiterentwickelt werden. Andersherum müsse sich niemand Sorgen machen, dass das analoge Theater ersetzt werde – das zeige sich auch an dem umfangreichen Spielplan. Das Staatstheater habe die Pandemie "produktiv genutzt", um seine Strukturen zu modernisieren, sagte Bücker. Das Ziel sei es, künftig Produktionen etwas länger im Spielplan zu behalten.

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