Region: Augsburg Stadt

Geschichte und Gedenken: Erste Ausstellung in der Halle 116 soll im Juli eröffnen

Die Halle 116, ein ehemaliges KZ-Außenlager, soll in diesem Jahr erstmals als Erinnerungs- und Lernort in Augsburg eröffnen.

Der Umbau der Halle 116, eines ehemaligen KZ-Außenlagers im Augsburger Stadtteil Pfersee, in einen Lern- und Erinnerungsort, schreitet voran. Der Kulturausschuss des Augsburger Stadtrats hat am Montag die Entwicklung einer Interimsausstellung beschlossen, die bereits im Juli eröffnen soll. Auch erste Mitarbeiter sollen bald eingestellt werden.

Die Halle 116 ist Teil der ehemaligen Sheridan-Kaserne, denn nach Kriegsende nutzten die amerikanischen Truppen es unter anderem als Garage und Werkstatt. Ursprünglich war das lange Gebäude eine Fahrzeughalle, die von den Nationalsozialisten wohl gegen 1936 als Teil der Luftnachrichtenkaserne erbaut wurde. Ab Mai 1944 nutzte man das Gebäude allerdings als Außenlager des Konzentrationslagers Dachau.

Bis zu 2000 Häftlinge waren laut der Stadt Augsburg in dem KZ-Außenlager in Augsburg untergebracht. Diese mussten wohl vor allem in den Messerschmitt-Werken Zwangsarbeit leisten, oder wurden zur Arbeit im Bau, bei Aufräumarbeiten oder der Bombenentschärfung gezwungen. Berichte von Zeitzeugen sprechen von harten Disziplinierungsmaßnahmen, Misshandlungen durch Wachpersonal und Exekutionen. Aufzeichnungen des Augsburger Standesamts aus dem Jahr 1945 registrierten 74 Tote in dem Lager.

Vorerst werden drei Räume gestaltet

Seit 2019 gehört die Halle 116 nun der Stadt Augsburg, die das Gebäude kaufte, um dort laut einem Stadtratsbeschluss einen dauerhaften Lern- und Erinnerungsort für die historische und politische Bildungsarbeit zu schaffen. "Da Augsburg über kein Stadtmuseum verfügt, bietet sich gerade die Halle 116 mit ihren authentischen Bezügen an, diesen Teil der Stadtgeschichte zu vermitteln", heißt es in der jüngsten, im Bildungsausschuss besprochenen Beschlussvorlage.

Geplant ist eine Ausstellung, die sich an Jugendliche und ein allgemeines Publikum richtet. Denn laut der Stadt ließen sich an den verschiedenen Nutzungen des Gebäudes besonders gut die Phasen der Geschichte des Nationalsozialismus abbilden – von der Machtübernahme und Rüstungsindustrie zu Konzentrationslagern und Zwangsarbeit bis hin zur Befreiung durch die Amerikaner und der Demokratisierung. Ein besonders Augenmerk soll die Ausstellung auf die regionalhistorischen Auswirkungen dieser Ereignisse sowie die Vermittlung demokratischer Grundwerte legen.

Vorerst soll nun eine Interimsausstellung in den ersten drei Abteilen oder "Bays" der Halle 116 erstellt werden. Ein Gestaltungsbüro hat dazu ein Konzept erarbeitet, das am Montag im Kulturausschuss zur Kenntnis genommen wurde. Die drei Räume der Ausstellung sollen sich dabei den Themen "Macht", "Gewalt" und "Umbrüche" widmen. Vorgesehen ist unter anderem ein räumlich abgetrenntes "Gedenk-Kabinett", das Stelen mit Biografien einzelner Opfer sowie weitere 4000 Namen an den Wänden beinhaltet. Der Bereich "Umbruch" soll bewusst offen gestaltet werden und Raum für Austausch und Aktionen bieten.

"Ein erster Schritt in die richtige Richtung"

Die Ausstellung soll voraussichtlich im Juli eröffnen. Bis dahin soll unter anderem die Stelle eines Museumspädagogen geschaffen werden, der speziell für Schulklassen verantwortlich ist und etwa Unterrichtsmaterialien und Führungen in der Halle 116 gestalten soll. Zunächst auf drei Jahre befristet sollen außerdem zwei weitere Teilzeitstellen und eine Aushilfsstelle für den Betrieb des Museums geschaffen werden. Geplant ist, die Halle 116 vorerst an drei Tagen der Woche für fünf Stunden zu öffnen.

Durch die Interimsausstellung gehe die Stadt in die erste konkrete Umsetzung des Lernorts und realisiere damit, was von Bürgern und Politik "jahrelang gefordert wurde", heißt es von den Regierungsfraktionen CSU und Grünen. "Lange genug ist die Halle 116 in der Prioritätenliste eher hinten angesiedelt gewesen", wird etwa Grünen-Fraktionsvorsitzende Verena von Mutius-Bartholy in einer gemeinsamen Pressemitteilung zitiert. "Die Interimsausstellung und die Schaffung der benötigten Stellen sind ein erster Schritt in die richtige Richtung. Für die Zukunft wünschen wir uns zeitnah eine Konzept-Weiterentwicklung, um die Halle 116 als dauerhaften Ort der Demokratiebildung zu etablieren und ihre zeithistorische Bedeutung angemessen zu würdigen."

Auch Andreas Jäckel, kulturpolitischer Sprecher der CSU, verwies erneut auf dieses Ziel und bezeichnete die Halle 116 als einen "authentischen Ort, um an die lokal- und regionalhistorischen Auswirkungen zu erinnern und diese erlebbar zu machen."

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