Region: Augsburg Stadt

Das Grandhotel Cosmopolis: Ein besonderer Treffpunkt im Augsburger Zentrum

Das Grandhotel Cosmopolis im Augsburger Domviertel bringt seit 2013 Menschen verschiedener Lebenswege in einem Gebäude zusammen.

Im "Grandhotel Cosmopolis" im Augsburger Domviertel realisiert ein Verein seit rund acht Jahren die Idee, Kultur, Hotelbetrieb und ein Asylbewerberheim unter einem Dach zu vereinen.

Als "soziale Plastik im Herzen Augsburgs" bezeichnen die Begründer des Grandhotel Cosmopolis ihr Projekt, oder auch als "gesellschaftliches Gesamtkunstwerk". Was akademisch klingt, beschreibt ein Gebäude, in dem Welten aufeinander treffen: Asylbewerber treffen auf Touristen, Touristen auf Augsburger, Augsburger auf Künstler und Musiker.

Die Mitarbeiter und Bewohner des Hotels bezeichnen sich als "Hoteliers": Etwa 20 Personen sind dauerhaft für das Hotel aktiv, 200 weitere unterstützen es zeitweise. Außerdem kommen etwa 60 Asylbewerber in dem Gebäude unter. Die Regierung von Schwaben betreibt in dem Gebäude die "Gemeinschaftsunterkunft Springergässchen 5". Der Verein Grandhotel Cosmopolis hat die übrigen Räume angemietet.

Konzept und Entstehung

Die Idee für die Verknüpfung von Gemeinschaftsunterkunft, Hotel, Kultur und Gastronomie entstand 2011: Eine Gruppe von Kulturschaffenden, die bereits Projekte in Leerständen umgesetzt hatte, fragte an, ob sie auch das seit 2007 leerstehende Altenheim im Domviertel nutzen könne – und erfuhr, dass die Regierung von Schwaben dort eine Gemeinschaftsunterkunft unterbringen wollte. Den Kulturmachern kam die Idee, beide Anliegen zu verbinden. Das Projekt zog schließlich nicht nur bundesweit, sondern auch international Medienaufmerksamkeit auf sich.

Umso schockierender war es, als das Grandhotel 2018 verkündete, dass es kurz vor der Pleite stand. Das Hotel wollte von Beginn an ein Ort für alle sein. "Manche Leute können sich zum Beispiel das Staatstheater nicht leisten", erklärt Mitbegründer Peter Fliege. Anders sollte das im Grandhotel sein. In den ersten Jahren konnten Gäste nach einem mehrstufigen "Pay what you can"-System bei Übernachtungen, im Café oder auf den Konzerten selbst entscheiden, wie viel sie zahlen.

Doch zu Wenige zahlten die höheren Preise, die Kosten waren im Vergleich zu den Einnahmen zu hoch. Inzwischen gibt es für die Angebote des Grandhotels deshalb einen Mindestpreis, der die Kosten deckt. Und so gab es ab 2019 "einen richtigen Aufschwung", wie Fliege erzählt. Der "plötzliche Stopp" dieser positiven Entwicklung kam erst mit der Corona-Pandemie.

Kunst und Kultur

Vor der Pandemie gab es im Grandhotel oft mehrere Konzerte pro Woche. Die Auswahl fiel dabei vor allem auf Musiker, "die man nicht so im üblichen Mainstream hört, die aber super gut sind", sagt Peter Fliege. Damit bediene man eine Schiene, "die es in Augsburg noch nicht so gibt". Durch verschiedene Musikstile spreche man ganz unterschiedliche Menschen an. Ein typisches Klientel gibt es im Grandhotel also nicht, oder soll es zumindest nicht geben. Man vertrete keine bestimmte politische Einstellung oder Religion. Das Grandhotel habe "mit Politik nichts am Hut", betont Fliege. "Parteien interessieren uns nicht und haben bei uns nichts zu suchen."

Rund 200 Leute sind unter normalen Umständen bei den Konzerten im Keller des Gebäudes zugelassen, rund 70 Gäste pro Veranstaltung sind aber eher normal. Während der Pandemie wurde in den Kellerräumen meist keine Bühne mehr aufgebaut. "Das geben die Räumlichkeiten leider nicht her", sagt Fliege. Mit Mindestabstand hätten sich die Konzerte nicht gerechnet. Auch Lesungen, Ausstellungen, Theateraufführungen und Workshops sind von den Einschränkungen betroffen.

Grundidee Menschlichkeit

Doch das Grandhotel bietet nicht nur Kunst und Kultur einen Raum, sondern sieht sich auch selbst als eine Art Kunstwerk. Besucher, Flüchtlinge und Mitarbeiter – sie alle sind Teil einer "Sozialen Skulptur". Der Mikrokosmos des Grandhotels soll Fragen aufwerfen über die Welt, in der wir leben, und dem Besucher einen Einblick in ein bestimmtes Menschenbild bieten.

"Die Dachidee des Grandhotels ist Menschlichkeit", sagt Peter Fliege. Doch was bedeutet "menschlich"? Der Mitbegründer des Grandhotels hat sich dazu Gedanken gemacht. Menschlich sei es, miteinander zu reden, offen zu sein, Menschen die Möglichkeit zu geben, in Kontakt zu treten. Am Grandhotel soll jeder teilhaben können. Für die Flüchtlinge ist der Verein zwar nicht verantwortlich, doch er bietet Unterstützung und "wer Lust und Laune hat, kann mitmachen", betont Fliege.

Auch den übrigen Besuchern hat das Grandhotel Cosmopolis etwas zu bieten. "Du kannst, wenn du willst, jemanden kennenlernen, der aus einer anderen Kultur kommt", erklärt Fliege. "Es geht um Kommunikation, um das Verständnis des anderen." Und darum, dass Geld keine Rolle spielt. Die Dekoration ist bunt zusammengewürfelt, die Fassade hat schon bessere Tage gesehen, in den Biergarten führt eine Baugerüst-Treppe. Luxus ist nicht zu erwarten, dennoch ist das Grandhotel einladend. Wenn Menschen sich in einer wirtschaftlich schlechten Lage befänden, sei das oft sehr einsam, betont Fliege. Im Grandhotel fänden alle Menschen Teilhabe und Kontakt: "Damit die Vereinsamung nicht entsteht, zu der es in solchen Situationen kommen kann."

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