Region: Augsburg Stadt

Internationale Künstler sollen künftig im Augsburger Brechthaus wohnen

Eine leerstehende und sanierungsbedürftige Wohnung im Augsburger Brechthaus soll sich noch in diesem Jahr wieder mit Leben füllen.

Künstler aus aller Welt und aus allen Sparten sollen künftig die Gelegenheit erhalten, für einige Zeit mit einem Stipendium in Augsburg zu leben und zu arbeiten. Insbesondere sollen so auch geflüchtete Künstler unterstützt werden, die in ihren Heimatländern nicht sicher arbeiten können. Die Stadt möchte ein entsprechendes "Artist in Residence"-Konzept entwickeln, wie der Kulturausschuss des Augsburger Stadtrats in seiner jüngsten Sitzung beschlossen hat. Für das Programm soll eine seit 2016 leerstehende Wohnung im Augsburger Brechthaus wiederbelebt werden.

Mit der Entscheidung im Kulturausschuss sollen nun alle nötigen Schritte in die Wege geleitet werden, damit das Artist-in-Residence-Programm möglichst ab dem Jahr 2023 – zum 125. Geburtstag Bertolt Brechts – realisiert werden kann. Somit ist die Stadtverwaltung nun auch beauftragt, die derzeit leerstehende und sanierungsbedürftige Wohnung im zweiten Stockwerk des Brechthauses, das im Eigentum der Stadt Augsburg ist, möglichst bis Herbst 2022 nutzbar zu machen.

Die Wohnung steht seit 2016 leer. Zunächst gab es Überlegungen, diese als zusätzliche Ausstellungsfläche für das Brechthaus zu nutzen oder zu einem Gästehaus umzubauen. Beide möglichen Nutzungen mussten jedoch aus brandschutzrechtlichen Gründen verworfen werden, da diese laut der Beschlussvorlage zum aktuellen Vorhaben "eine nicht zu realisierende Nutzungsänderung" vorausgesetzt hätten. Die Nutzung als Wohnung soll jedoch weiterhin möglich sein. "Bedenken bezüglich Unzulänglichkeiten im Bereich des Brandschutzes konnten mit dem Amt für Brand- und Katastrophenschutz geklärt und ausgeräumt werden", heißt es in der Vorlage des Kulturreferats. Die Sanierung wird die Stadt laut dem Hochbauamt voraussichtlich rund 60 000 Euro kosten.

Für die Umsetzung des Artist-Residence-Programms und die Betreuung der besuchenden Künstler biete die Wohnung beste Voraussetzungen: Positiv gesehen werden die zentrale Lage des Brechthauses in der Innenstadt und die Nähe zu gegebenenfalls wichtigen Anlaufstellen wie dem Kulturreferat und Kulturamt sowie den Augsburger Kunstsammlungen und Museen. All dies werde zu einer guten Zusammenarbeit und Integration der Künstler in die Stadtgesellschaft beitragen.

Gewünscht sind laut der Stadt Kunstschaffende "aus jeglichen Herkunftsländern und Sparten" – etwa aus den bildenden oder darstellenden Künsten, Musik, Literatur, Film oder Video. Künstler, die in Projekte oder Festivals einbezogen werden sollen, können so für einen längeren Zeitraum in Augsburg arbeiten. „Ausländische Residencies bereichern die Kunst- und Kulturszene Augsburgs auf vielfältige Weise", ist Kulturreferent Jürgen Enninger überzeugt. Im Austausch zwischen ausländischen und ortsansässigen Kulturschaffenden könnten sich wertvolle Netzwerke aufbauen, die künstlerischen Impulse der internationalen Gastkünstler seien eine Bereicherung für die "Kulturmetropole" Augsburg. "Künstlerinnen und Künstler entwickeln berufliche Perspektiven über das Stipendium, aber auch die Stadt Augsburg profiliert sich über die Internationalität, der in ihr wirkenden Kunstschaffenden", so Enninger.

Wichtig sei es der Stadt auch, durch das Programm Künstler zu unterstützen, die in ihren Herkunftsländern in ihrer Arbeit oder Existenz gefährdet sind. Dass für die Künstler ein Stipendium vergeben wird ist laut Beschlussvorlage deshalb, neben einem wichtigen Schritt für die internationale Kulturarbeit in der Stadt, auch ein "Akt und ein Zeichen der Solidarität in der momentanen Situation gegenüber geflüchteten Künstlerinnen und Künstlern". Die Betreuung der Künstler und die Finanzierung soll von den Verantwortlichen der "Projekte, Veranstaltungen und Maßnahmen" übernommen werden, in die die Gastkünstler eingebunden werden.

Ganz neu ist das Thema Artist in Residence in Augsburg übrigens nicht: Das Augsburger Staatstheater lädt bereits seit längerem Musiker nach Augsburg ein, die dann unter anderem an mehreren Konzerten beteiligt sind. In der Spielzeit 2021/2022 war der Organist Christian Schmitt Artist in Residence am Augsburger Theater. Die Idee, auch ein städtisches Artist-in-Residence-Programm aufzusetzen und dafür die leerstehende Wohnung im Brechthaus zu nutzen existiert ebenfalls schon länger. Im Jahr 2020 sprach sich unter anderem der Augsburger Kulturbeirat für eine Umsetzung aus. Dieser hatte damals auch gefordert, die Nutzung des Brechthauses mit einem Atelier auf dem Gaswerkgelände und einem möglichen Ausstellungsort für die Künstler zu kombinieren.

Im Jahr 2023 wird das Artist-in-Residence-Konzept im Brechthaus wohl vorerst das Brechtbüro der Stadt nutzen. Dieses wird dann auch für die inhaltliche Ausrichtung des Projekts verantwortlich sein, der Gastkünstler könnte möglicherweise das Brechthaus für eine Präsentation seiner Arbeit nutzen. Bis Herbst 2022 soll die Wohnung saniert sein, damit der gewählte Künstler sich auf das Brechtjubiläum noch entsprechend vorbereiten kann. Die Arbeiten sollen deshalb laut Beschlussvorlage "schnellstmöglich" beginnen.

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