Region: Augsburg Stadt

Julian Warner wird neuer Leiter des Augsburger Brechtfestivals

Julian Warner übernimmt für die kommenden drei Jahre die Leitung des Augsburger Brechtfestivals.

Das Augsburger Brechtfestival hat in dieser Woche seine Weichen für die kommenden drei Jahre gestellt und den neuen künstlerischen Leiter vorgestellt, der ab 2023 für das Festival verantwortlich sein wird. Julian Warner übernimmt demnach nach der nächsten Ausgabe des Brechtfestivals, die am 18. Februar startet, die Aufgabe, Besuchern den berühmten Augsburger Dramatiker näher zu bringen.

Alle drei Jahre wechselt die Leitung des Augsburger Brechtfestivals inzwischen, und jeder der Verantwortlichen soll seine eigene Handschrift einbringen. Jürgen Kuttner und Tom Kühnel, die das Festival seit 2020 kuratieren, haben mit ihrem "Spektakel" unter anderem auf eine Großveranstaltung im Martini-Park gesetzt. Aufgrund der Pandemie konnte diese bisher allerdings nur einmal stattfinden – 2021 fand das Festival nur digital statt.

Julian Warner will das Brechtfestival nun wohl wieder breiter in der Stadt verteilen: Laut dem Veranstalter, dem Brechtbüro der Stadt Augsburg, plant Warner "brechtsche Experimente in der ganzen Stadt". Auch "lokale Communities" sollen in das Festivalprogramm mit einbezogen werden.

Mit seinem Konzept hat sich der Kulturanthropologe in einem letzten Auswahlgespräch am Montag gegen fünf Mittbewerber durchgesetzt, wie die Stadt berichtet. Ursprünglich hätten sich rund 20 Personen aus Deutschland und dem Ausland um die Position beworben. Der Vertrag mit dem neuen Festivalleiter wird mit der Zustimmung des Kulturausschusses am 18. Oktober rechtsgültig.

Julian Warner habe die Jury durch ein Konzept überzeugt, das seine Expertise in Kuration, Performance, Kunst, Musik und Wissenschaft verbinde – in all diesen Bereichen sei Warner als Kulturanthropologe tätig. Aktuell ist er noch künstlerischer Leiter des Festivals 2022 der Kultur-Region Stuttgart und Co-Kurator für das internationale Theaterfestival "Spielart". Warner veröffentlicht außerdem antirassistischen Pop unter dem Alias Fehler Kuti, war bereits als Performer und Dramaturg tätig und arbeitete als wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Kulturanthropologie der Georg-August-Universität Göttingen.

Der neue Leiter wird nun die Jubiläumsausgabe des Festivals zu Brechts 125. Geburtstag sowie die beiden darauffolgenden Ausgaben gestalten. Überzeugt habe er die Juroren vor allem durch seinen "zukunftsorientierten Ansatz im Umgang mit Brechts genreübergreifendem Erbe": Warner will Brechts Idee eines dialektischen Theaters weiterentwickeln, das den Zustand der Gesellschaft thematisiert. Erreichen will er das durch experimentelle Formate in verschiedenen Teilen der Stadt, Neuproduktionen, Gastspiele und durch eine Erweiterung der Brechtnacht, die jedes Jahr der Musik eine Bühne bietet, um ein Artist-in-Residence-Programm für internationale Künstler. Diese Bestandteile sollen ab 2023 die Säulen des Brechtfestivals bilden.

Das Augsburger Theaterfestival soll außerdem auch stärker an den zeitgenössischen, internationalen Brechtdiskurs angebunden werden. Dazu will Warner Beziehungen mit Augsburger "Communities" aufbauen und diese dann mit internationalen Künstlern in Kontakt bringen.

"Ich freue mich, dass wir mit Julian Warner einen vielseitig vernetzten und experimentierfreudigen Festivalmacher gewinnen, der eine pointierte Sicht auf die Potenziale und Bedürfnisse des Festivals mitbringt", sagt der Augsburger Kulturreferent Jürgen Enninger zu der Entscheidung des Gremiums, in dem er auch selbst stimmberechtigt ist.

"Ich bin sicher, dass es Julian Warner mit dem Brechtbüro gelingen wird, ein Festival für Augsburg zu gestalten, das aus seiner lokalen Verankerung heraus mit vielfältigen Impulsen von außen eine hohe Strahlkraft für die Republik und die internationale Brechtgemeinschaft entfalten wird", so Enninger. Besonders begrüße der Kulturreferent den Ansatz einer nachhaltigen Zusammenarbeit mit lokalen Teilnehmern, die den "brechtschen Gedanken" selbst erforschen sollen. (lat)

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