Region: Augsburg Stadt

Rhythmische Seltsamkeiten und gedankenlesende Roboter: Lab30 findet wieder in Augsburg statt

"Portrait of a generative mind" zeigt die Künstlerin Indiara Di Benedetto.

Mit Medien, Kunst und Experimenten findet das lab30-Festival von 27. bis 30. Oktober nun schon zum 21. Mal im Kulturhaus abraxas statt. Die Ausstellung umfasst 17 Werke und wird von einem umfassenden Performance- und Konzertprogramm im Kulturhaus abraxas und in der benachbarten Kirche St. Thaddäus umrahmt.

Zu sehen sind in diesem Jahr Arbeiten von über 30 Künstlern aus Deutschland, Europa, USA und Kanada. "Über vier Tage hinweg bietet das Festival eine Plattform für Kunst- und Technik-Experimente, die alte und neue Medien spielerisch einsetzen, Blickwinkel erweitern und zum Umdenken und Mitmachen einladen“, kündigt Kulturreferent Jürgen Enninger an.

Eröffnet wird das Festival am Donnerstagabend, 27. Oktober, mit der audiovisuellen Performance „Agar Agar“ von Martina Moro und Fabian Lanzmaier (Österreich). Ganz im Zeichen der Wasserstadt Augsburg werden Flüssigkeiten durch Schallwellen angeregt. Die dabei entstehenden Muster werden an der Oberfläche projiziert und übersetzt dem Audiosignal wieder hinzugefügt und "resultieren in einem faszinierenden Konzert", wie es in der Ankündigung heißt. Der zweite Höhepunkt des Eröffnungsabends ist die audiovisuelle Weltpremiere „Rituals for a modern age“ von der Augsburg-USA-Kollaboration "forgottenthoughts feat. EaZy".

An den weiteren Konzertabenden erzeugt unter anderem Dominik Tremel aus Bamberg mit mikrophonierten Hölzern Feedbacks. Eine Fahrradfelge und eine Baustellenstütze werden zusammen mit dem Performer von Strom durchdrungen und bilden schlussendlich ein ganzes Orchester. Andrea Taeggi aus Italien erkundet rhythmische Seltsamkeiten und abstrakte Umgebungen, basierend auf den Aufnahmen eines ARP2500-Synthesizers und der Laser von Alex Augier aus Frankreich leuchtet wie ein Pinsel aus Licht durch das abraxas Theater.

Gezeigt wird außerdem der zeitgenössische, experimentelle Stummfilm „restlicht“, der von der Künstlerin Anja Kreysing aus Münster mit einem Livesoundtrack mit Akkordeon und Elektronik im Sinne einer Kino-Orgel 2.0 versehen wird. Computergesteuerte Klang- und Lichtobjekte, von Leo Neumann aus Lübeck live am Klavier begleitet, sollen am Sonntagnachmittag Groß und Klein begeistern. Die Apparate aus Acrylglas, Elektronik, Holz und Schrott tönen, leuchten, bewegen sich und erschaffen dabei auf hypnotische Art Musik zwischen Minimal und Melancolia.

Auch die benachbarte Kirche St. Thaddäus wird dieses Jahr wieder zum Teil des lab30. Am Freitag, 28., und Samstag, 29. Oktober, finden dort zeitgenössische Performanceformate eine temporäre Heimat. Das Augsburger Duo Martyn Schmidt und Kathrin Knöpfle spürt den elektromagnetischen Schwingungen der Kirche in dem ortsspezifischen und extra für die Kirche erarbeiteten Tanz- und Klangformat „Chaschmal/copper church“ nach, während der US-amerikanische Klangkünstler "DREKKA" schon längst verblassten Erinnerungen nachsinnt und diesen eine klangliche Spur im Hier und Jetzt komponiert.

Die Medienkunstausstellung im Kulturhaus abraxas ist auch 2022 Dreh- und Angelpunkt des Festivals und umfasst dieses Jahr 17 Exponate von Künstlern aus Deutschland, Europa und Kanada. Viele der ausgestellten Arbeiten sind interaktiv und beschäftigen sich mit Fragen am Zahn der Zeit, unter anderem den Themen Überwachung, künstliche Intelligenz, Nachhaltigkeit, Klimawandel und Selbstdarstellung.

Zu sehen gibt es in der Ausstellung auch Künstliche Intelligenz und Roboter, etwa „Smart Hans“, der die Gedanken der Besucher liest, oder die Spinne von Fabien Zocco, die Emotionen des Künstlers spiegelt und in Echtzeit in Bewegung umsetzt. Der 1,70 Meter große Roboter der Arbeit "Re:Places" von Nicolas Schmid-Pfähler und Carolin Liebl wird selbst zum Künstler und verteilt dreidimensionale Pinselstriche im Raum. Beim „Erbsenzähler“ von Lab-award-Preisträgerin Verena Friedrich wird einer Maschine nach und nach beigebracht, die Guten ins Töpfchen und die Schlechten ins Kröpfchen zu sortieren, bis sie die Aufgabe dann ganz ohne Zutun eines Menschen übernimmt.

Dass Maschinen immer für uns da sind, singt einem gleich am Eingang die Computerstimme von Manja Eberts Arbeit „I’ll be there“ zu und scannt im gleichen Atemzug das Gesicht der Besucher. Um die Arbeit „Would you take a picture“ der in Montréal lebenden Künstlerin Cinzia Campolese überhaupt sehen zu können, benötigt man eine Handykamera. Und der Augsburger Luis Faderl verwandelt die Google-Bildersuche in einen Übersetzer, der Gesprochenes in Bilder verwandelt und so den komplexen Algorithmus der Suchmaschine entblößt.

Erich Lesovsky verwandelt in seiner interaktiven Videoinstallation „Apophis“ die Besucher in eindrucksvolle Sandwolken, die – wie die Menschen angesichts des Klimawandels – Dürre und Zerstörung bringen. Die Arbeit „this used to be my home too“ von Marc Lee aus der Schweiz zeigt Naturaufnahmen aus dem sozialen Netzwerk inaturalist und erinnert, welche Tiere und Pflanzen mittlerweile ausgestorben sind. Ein hoffnungsvoller Lichtblick dagegen: Quianxun Chen, die in „Plant Quartet“ ein pflanzliches Quartett aus Topfpflanzen zum Erklingen bringt. Die Besucher können der Ton-Licht-Einheit von Leo Neumann aus Lübeck ungewöhnliche Klänge und jedes Mal neue Kompositionen entlocken, den Glocken des kanadischen Künstlers George Rahi lauschen oder den Sternenhimmel über der Atacama Wüste im virtuellen Prototypen der Studierenden des Studiengangs interaktive Mediensysteme der Hochschule Augsburg erleben.

Für alle, die über die interaktiven Exponate hinaus Hand anlegenmöchten, bietet das lab30 auch wieder ein Workshop-Angebot. Beim Musikprojekt “Modular Synthesizer Ensemble” können Teilnehmende ab 16 Jahren selbst zu Klangkünstlern werden. Der Workshop bietet auch Personen ohne musikalische Vorkenntnisse die Möglichkeit, mit elektronischen Instrumenten gemeinsam im Ensemble zu musizieren. Die Teilnahme ist nur nach Anmeldung unter www.lab30.de möglich.

Unter allen Exponaten wird von einer Fachjury der mit 1000 Euro dotierte lab award vergeben. Das Publikum kann bis einschließlich Samstagnachmittag für sein Lieblingsexponat abstimmen, der Publikumspreis (500 Euro) wird in diesem Jahr von Neuland Software gestiftet.

Zu den Light Nights ist vom 21. bis 23. Oktober 2022 die interaktive Arbeit „Flora“ des Berliner Künstlers Philipp Artus an der Fassade der Moritzkirche zu bestaunen, dessen Nachtschattengewächse die Wand erklimmen. Der Eintritt ist bei den gesamten Light Nights kostenfrei.

Tagestickets gibt es für 12 Euro, ermäßigt 10 Euro, das Zwei-Tagesticket kostet 20 Euro, ermäßigt 16 Euro, das Vier-Tagesticket 30 Euro, ermäßigt 25 Euro. Kinder bis einschließlich fünf Jahre haben freien Eintritt. Tickets gibt es im Vorverkauf online unter www.lab30.de sowie in der Bürgerinformation am Rathausplatz. Tickets an der Abendkasse gibt es nur gegen Barzahlung. (pm)

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