Region: Augsburg Stadt

Aus den Schätzen der Universitätsbibliothek

LeserReporter Peter Stoll aus Augsburg
Evangeliar, Salzburg ca. 820/825

Das 50-jährige Jubiläum der Universität Augsburg im Jahr 2020 schien der Universitätsbibliothek der geeignete Anlass: Endlich einmal sollte im Rahmen einer Ausstellung ein repräsentativer Querschnitt durch die Sondersammlungen der Bibliothek geboten werden, also eine Auswahl aus dem, was im Laufe der Jahrzehnte an Kostbarem, Schönem oder kulturhistorisch besonders Interessantem seinen Weg in die Magazine gefunden hatte. Pandemiebedingt musste die Ausstellung mehrfach verschoben werden; aber nun hat sie unter dem Titel „Ein Reichtum, den kein Maß bestimmen kann“ ihre Pforten geöffnet und kann bis zum 17.12. in der Zentralbibliothek der UB besichtigt werden (Montag-Freitag 8:30 – 18:00 Uhr, Samstag 13:00 – 16:30 Uhr).

Der Titel der Ausstellung zitiert einen Ausspruch des Fürsten Ludwig zu Oettingen-Wallerstein aus dem Jahr 1811. Die spektakulärsten und wertvollsten Stücke der Ausstellung, die nur selten ihren Tresor im Magazin verlassen dürfen, stammen denn auch aus der Bibliothek des Hauses Oettingen-Wallerstein, die 1980 vom Freistaat Bayern angekauft und in die Obhut der UB Augsburg übergeben wurde: farbenprächtig illustrierte mittelalterliche Handschriften, darunter Evangelienbücher des 8. und 9. Jahrhunderts, die Spanische Bilderbibel (um 1200) und Gebetbücher des 15. Jahrhunderts; Inkunabeln, also Drucke aus der Gutenberg-Zeit und den sich unmittelbar anschließenden Jahrzehnten; mit Gold und Lederintarsien verzierte Bucheinbände der Renaissance, die der bibliophile Humanist Markus Fugger in Paris anfertigen ließ; Musikhandschriften der fürstlichen Hofkapelle, darunter Kompositionen von Leopold Mozart und Joseph Haydn.

Nicht ganz so wertvoll, aber im Fürstenhause offenbar gerne gelesen und an der UB immer wieder nachgefragt: die Zeitschrift ‚Die Dame‘ aus der Weimarer Republik, deren bunte Umschlagbilder einen besonders markanten Farbakzent in der Ausstellung setzen.

In die Ausstellung einbezogen sind daneben auch Bücher, die aus der Philosophisch-Theologischen Hochschule in Freising und aus dem Donauwörther Cassianeum (gegründet 1875 „zur Hebung und Förderung der Erziehung und des Unterrichts“) an die UB gelangten, außerdem ausgewählte Stücke aus mehreren weiteren Sondersammlungen.

Zu dem buch- und kulturgeschichtlichen Panorama, das sich auf diese Weise vor den Besucherinnen und Besuchern entfaltet, gehören Holzschnitt- und Kupferstichillustrationen des 16.-18. Jahrhunderts aus europäischen Kunstzentren (Augsburg, Antwerpen, London, Paris), Bücher aus säkularisierten bayerischen Klöstern der Karmeliten, Augustiner-Chorherren und Benediktiner, seltene Drucke jüdisch-liturgischer Musik des 19. Jahrhunderts, farbenfrohe Bilderbücher und Fibeln des frühen 20. Jahrhunderts, Erstausgaben und Autografe bedeutender deutscher Schriftsteller der Moderne (darunter Thomas Mann, Stefan Zweig, Hermann Hesse); nicht zuletzt einige kulturkundliche Fotografien von Erika Groth-Schmachtenberger (1906-1992): Palmesel und Fingerhakeln vor Alpenkulisse oder Spanierinnen zwischen Flamenco und modernem Chic.

Insgesamt sind es ca. 160 Exponate, die es in den Vitrinen der Ausstellungshalle und der Schatzkammer zu entdecken (und mitunter sicher zu bewundern) gibt. Und wem die knappen Erläuterungstexte in der Ausstellung nicht genügen oder wer die gezeigten "Reichtümer" zuhause noch einmal Revue passieren lassen möchte: Zur Ausstellung ist ein umfangreicher, durchgehend farbig illustrierter Katalog erschienen (380 S., € 35,00); bestellbar über dir@bibliothek.uni-augsburg.de.

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