Region: Augsburg Stadt

Silberpokal von 1690: Lechmeister zurück in Augsburg

Der teilweise vergoldete und filigran gearbeitete Lechmeisterpokal von 1690 ist nun als Dauerleihgabe in der Goldschmiede-Abteilung im Maximilianmuseum zu sehen – zumindest dann, wenn das Museum nicht wegen Corona geschlossen ist.

Das Maximilianmuseum der Kunstsammlungen und Museen Augsburg kann sich über einen bedeutenden Neuzugang für die Goldschmiede-Abteilung in der Dauerausstellung freuen: Ein rund 50 Zentimeter hoher Pokal ist nun zurück in Augsburg. Das Silbergefäß war einst ein Ehrengeschenk Kaiser Leopolds I. an den Augsburger Lechmeister Georg Groß. Den teilvergoldeten Silberpokal fertigte 1690 der Augsburger Goldschmied Georg Winkler. Die wertvolle Goldschmiedearbeit ist eine Dauerleihgabe aus Privatbesitz.

Lechmeister waren für die Wasserversorgung der Reichsstadt zuständig. Diese beruhte auf einem weitläufigen Netz von Bächen und Kanälen, die vom Lech, aus der Meringerau, der Haunstetterau und dem Stadtwald in die Stadt geleitet wurden. Für die Instandhaltung insbesondere von Hochablass, Lechkanälen und wassergetriebenen Mühlen war der Lechmeister zuständig, ein angesehener und gut bezahlter Bediensteter der Stadt.

Schaft des Pokals als Bildnis-Statuette gestaltet

Der von 1658 bis 1695 als Lechmeister tätige Georg Groß verfügte als gelernter Zimmermann über exzellente Kenntnisse auf dem Gebiet der Wasserversorgung. Zu Groß´ Auftraggebern zählte auch der Wiener Hof. Kaiser Leopold I. schenkte ihm 1690 auf dem Augsburger Kurfürstentag zum Dank für verschiedene im Auftrag des Kaisers gefertigte Entwürfe und „wegen seines rühmlichen Fleißes und treugeleisteter Arbeit“ einen silbernen Deckelpokal. Die Verleihung eines solchen Ehrengeschenks war äußerst selten und kann somit als besonderer Schmuck für die herausragenden Fähigkeiten der Augsburger Wasseringenieure gelten. Der Schaft des Pokals ist als Bildnis-Statuette des Lechmeisters gestaltet. Er stützt sich auf einen Maßstock. Die Kuppa, also die Trinkschale, schmücken außen Porträts Kaiser Leopolds, seiner Gemahlin Eleonore und ihres Sohns Joseph. Er wurde 1690 in Augsburg zum Römischen König gekrönt. Die Krönungszeremonie fand im Dom statt.

1937 von den Nationalsozialisten zwangsversteigert

„Der Pokal für Lechmeister Georg Groß ist ein herausragendes Zeugnis der Augsburger Stadt-, Kunst- und Technikgeschichte“, sagt Christoph Emmendörffer, der Leiter des Maximilianmuseums. Noch im 18. Jahrhundert habe sich der Pokal im Besitz von Groß´ Nachfahren in Ulm befunden. Im 19. Jahrhundert erwarb ihn Carl Meyer Rothschild in Frankfurt, dessen bedeutende Sammlung an Goldschmiedearbeiten 1911 in Paris versteigert wurde. Seitdem besaßen ihn die vermögenden jüdischen Kaufleute Henry und Emma Budge in Hamburg. Ihre Kunstsammlung wurde 1937 von den Nationalsozialisten beschlagnahmt und in Berlin zwangsversteigert.

Der Pokal gelangte in österreichischen Privatbesitz. 1968 war er in der Ausstellung „Augsburger Barock“ im Augsburger Rathaus zu sehen. Erst kürzlich, so erklärt die Stadt Augsburg, sei die Goldschmiedearbeit an die Erben Emma Budges restituiert worden, die sie 2020 bei Sotheby´s in London versteigern ließen. Der Pokal sei seitdem in deutschem Privatbesitz und nun dem Maximilianmuseum als Dauerleihgabe zur Verfügung gestellt worden. (pm)

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