Region: Augsburg Stadt

Theater weltweit: Was für das Brechtfestival im kommenden Jahr geplant ist

Das Ensemble "Kupalaucy" aus Belarus darf in seinem Heimatland nicht mehr auftreten, ist im Februar aber in Augsburg zu sehen.

Das Augsburger Brechtfestival will ab dem 18. Februar seinen Namensgeber mit Künstlern aus Europa, Afrika, Asien und Nordamerika feiern. Inzwischen haben die Festivalmacher weitere Details zum Festivalprogramm bekannt gegeben. Unter dem Motto "Worldwide Brecht" wollten Tom Kühnel und Jürgen Kuttner in ihrem letzten Jahr als Festivalleiter erneut ein Programm entwerfen, das Genres überspannt – von Schauspiel und Musik zu Literatur und bildender Kunst. Kuttner nennt das geplante Festival nun "die Synthese dessen, woran wir als Festivalleiter in den letzten beiden Jahren gearbeitet haben"

Statt findet das Brechtfestival im kommenden Jahr vom 18. bis 27. Februar. Es wird wohl wieder anders werden als die beiden ersten Ausgaben des aktuellen Leitungsduos. "Das erste Mal war es ein Spektakel", erklärt Kuttner. "Beim zweiten Mal wurden wir ins Netz getrieben durch die Pandemie. Jetzt arbeiten wir daran, das Beste aus beiden Welten zusammen zu bringen, indem wir live agieren und zugleich im Netz präsent sind."

Das Staatliche Textil- und Industriemuseum soll diesmal zur Festivalzentrale mit Auditorium, Ausstellung und Bar werden. Aber auch auf verschiedenen Bühnen der Stadt sollen Theaterproduktionen aus Augsburg, Berlin, Minsk und Lomé zu sehen sein. Filmschaffende aus Peking, Neu-Delhi, Tel Aviv, Kirksville und Herat haben kurze Brechtskizzen entwickelt, die beim Festival Premiere feiern. Das Literaturprogramm beinhaltet unter anderem Beiträge von Corinna Harfouch und Emine Sevgi Özdamar, die Künstlerin Zoe Beloff zeigt im Textilmuseum ihre lebensgroßen Exponate.

Auch online soll es aber wieder ein Programm geben. Dort wolle man einen Bogen von Augsburg nach Europa, Nordamerika, Afrika und Asien spannen. So will sich das Festivalteam erneut an die pandemischen Rahmenbedingungen dieses Winters anpassen. "Ich bin sehr froh darüber, dass wir mit den geplanten Formaten auf die aktuelle Situation reagieren können und trotz Pandemie ein vielseitiges und genreübergreifendes Programm mit spannenden lokalen und internationalen Künstlerinnen und Künstlern für das Publikum auf die Beine stellen konnten", sagt Augsburgs Kulturreferent Jürgen Enninger.

Ein wichtiger Teil des Programms sind mehrere internationale Brecht-Gastspiele. Brechts Erfahrungen im Dritten Reich, im Exil, aber auch nach seiner Ankunft in Berlin in den 1950er-Jahren spiegeln laut den Festivalleitern die Erfahrungen von Menschen wider, die aktuell auf der Flucht sind.

Das Ensemble "Kupalaucy" aus Belarus, ehemalige Künstler des Janka Kupala Theaters in Minsk, hat in seinem Heimatsland aktuell Auftrittsverbot. In Augsburg spielt die Gruppe in "Fear" Ausschnitte aus Brechts "Furcht und Elend des Dritten Reiches". Das Ensemble "Chiten" aus Kyoto bringt mit "Fatzer" einen markanten Rebellen aus Brechts Theaterkosmos auf die Bühne. Und die Compagnie "Louxor de Lomé" um den Regisseur und Brecht-Experten Ramses Alfa spiegelt Brecht in "Mère Courage" aus togolesisch-afrikanischer Perspektive wider.

Tom Kühnel und Jürgen Kuttner sind mit einem Brasch-Abend des Staatstheaters Augsburg und dem Gastspiel "Der Hofmeister" auch mit zwei eigenen Regiearbeiten im Festival vertreten. "Morgen wird auch ein schöner Tag, sagte die Eintagsfliege" greift zurück auf Thomas Braschs Werk, aber auch auf seine Familiengeschichte, die das Spannungsfeld zwischen Ost- und Westdeutschland thematisiert. Im "Hofmeister" von Bertolt Brecht nach J.M.R. Lenz richtet sich die Rebellion eines Außenseiters im Kampf um Anerkennung und sozialen Aufstieg auf brutale Weise gegen sich selbst. Die Produktion greift auf Originalaufnahmen von Brechts Berliner Ensembles zurück und ist eine Erweiterung eines Projekts, das 2020 im Liliom-Kino zu sehen war.

Der Ticket-Vorverkauf für das Brechtfestival startet am 14. Januar. (pm/lat)

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