Region: Augsburg Stadt

Der Wert der Augsburger Musik: Studie untersucht wirtschaftliche Bedeutung der Branche

Wechselwirkungen: Durch Veranstaltungen wie die Sommernächte schafft die Musik in Augsburg auch Beschäftigung in Bereichen wie Gastronomie und Security und lockt Besucher in die Stadt.

Fast 2000 Menschen arbeiten in Augsburg im "Ökosystem" der Musik und erwirtschaften gemeinsam rund ein Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung der Stadt. Das hat nun eine Studie herausgefunden, die sich mit der ökonomischen Bedeutung der Musikbranche beschäftigt. Die Erkenntnisse sollen den Vergleich mit anderen Städten ermöglichen, aber auch eine Datenbasis für künftige Entscheidungen bieten.

Für die Studie „Der Wert von Musik: Ökonomische Wirkungsanalyse des Musikökosystems“ haben sich die Städte Augsburg, Bremen, Köln, und München sowie die Regionen Hannover und Stuttgart und die Länder Bayern, Sachsen und Sachsen-Anhalt zusammengeschlossen, um den wirtschaftlichen Wert von Musik in den jeweiligen Gebieten zu berechnen und vergleichbare Daten zu erstellen. Die Studie ist ein Kooperationsprojekt zwischen der Initiative Musik und dem Musikzentrum Hannover und wurde von dem auf Musik und Nachtleben spezialisierten wirtschaftlichen Beratungsunternehmen "Sound Diplomacy" durchgeführt.

"Musik ist überall dabei", glaubt Sabine Busmann, Geschäftsführerin des Musikzentrums Hannover. "Sie ist sozialer Kitt, Werkstoff für Pädagoginnen und Pädagogen, natürlich Kunst und Kultur, aber auch Grundlage für Einkommen. Sie ist Wirtschaftsfaktor mit tiefer Wirkung, zum Beispiel als Anlass für Reisen mit Hotel- und Restaurantbesuchen und technologischer Treiber."

Innerhalb der Studie wurden die Teilbereiche Kreative, Veranstaltungen und Spielstätten, Musikaufnahmen und Musikverlage, Musikschulen, Musikinstrumente, Hörfunk sowie Audiogeräte und Lautsprecher betrachtet. Im Jahr 2019 waren die Akteure des Musikökosystems in Augsburg laut der Studie für 127,6 Millionen Euro Umsatz und 66,3 Millionen Euro Bruttowertschöpfung verantwortlich. Insgesamt waren in Augsburg außerdem 1942 erwerbstätige Personen im Musikökosystem aktiv. Durch indirekte Effekte habe das Musikökosystem eine weitere Bruttowertschöpfung von 4,7 Millionen Euro ausgelöst, was zu 91 zusätzlichen Erwerbstätigen führte.

Wie die Stadt Augsburg berichtet, unterstreichen die Ergebnisse der Studie die ökonomische Bedeutung der Musikbranche in den betrachteten Gebieten. Mit einem Wachstum von 22,19 Prozent habe sich der Kernbereich des Musikökosystems nicht nur positiv entwickelt, sondern liege über dem durchschnittlichen gesamtwirtschaftlichen Wachstum der betrachteten Gebiete. Das beweise, dass Investitionen in die Musikwirtschaft für ein langfristiges und nachhaltiges Wachstum sorgen.

Neben den ökonomischen Effekten vor der Pandemie gibt die Studie auch einen Einblick in die Auswirkungen von Covid-19 und erläutert den kulturellen und gesellschaftlichen Wert von Musik anhand einiger Beispiele und Interviews mit Akteuren aus den verschiedenen Gebieten. Einige Teilbereiche seien durch die Pandemie geradezu in einen "Schockzustand" versetzt worden. Die Studie liefere Erkenntnisse zu den einzelnen Teilbereichen des Ökosystems sowie zu positiven und negativen Trends in den Gebieten und ermögliche einen Vergleich mit anderen Städten und Regionen. Somit bilde sie eine belastbare Datenbasis für zukünftige Entscheidungen und Beobachtungen, so die Stadt.

"Im Hinblick auf die Musikkultur wird im politischen Diskurs häufig vergessen, welche ökonomische Bedeutung und Wertschöpfung durch die Musikbranche generiert wird", sagt Dieter Gorny von der Initiative Musik. "Diese Denkweise wurde in der Corona-Pandemie leider sehr deutlich, da die Kultur- und Kreativbranche von vielen Politikerinnen und Politikern leider noch viel zu oft als nicht systemrelevant eingestuft wird." Ein vielseitiges musikkulturelles Angebot sei jedoch ein "nicht zu unterschätzender" Standortfaktor für innovative Unternehmen, die hochqualifiziertes und kreatives Personal suchen.

„Die Studie unterstreicht die besondere Bedeutung der Musik als einer Kultursparte in Augsburg", sagt Augsburgs Kulturreferent Jürgen Enninger. Ein Prozent der Gesamtwirtschaftsleistung der Stadt sei ein überzeugendes Ergebnis der wirtschaftlichen Betrachtung. "Darüber hinaus sind die Wechselwirkungen in die Stadtgesellschaft in allen Bereichen spürbar", betont Enninger. "Sei es das beauftragte Security-Unternehmen bei einem Festival oder der Fahrradkauf, um bei den vielen Kulturevents in allen Stadtteilen schnell vor Ort sein zu können."

Gerade in der aktuellen Situation werde außerdem die soziale Bedeutung von Musikveranstaltungen stadtweit besonders greifbar. Durch Musik entstehe mehr Miteinander in der Stadt und in den Stadtteilen. "Die Musikbox im Gaswerkgelände bildet daher die Grundlage für eine weitere Unterstützung der Musikschaffenden vor Ort“, verspricht der Kulturreferent. (pm/lat)

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