Region: Augsburg Stadt

300.000 Euro für den Kampf gegen Krebs

Das Augsburger Uniklinikum ist nun Teil des ersten Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen in Bayern.

WERA – so heißt das erste Nationale Centrum für Tumorerkrankungen (NCT) in Bayern an den Universitäten und Universitätsklinika Würzburg, Erlangen, Regensburg und Augsburg, das das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) jetzt bewilligt hat. Die Versorgung von Tumorpatienten mit den neuesten Diagnostik- und Therapieverfahren sowie die schnellstmögliche Umsetzung von Forschungserkenntnissen in die klinische Praxis sind die Aufgaben des NCT. Schwerpunkte des NCT WERA sind die Personalisierte Krebsmedizin und die Tumorimmuntherapie. Dass Augsburg nun ein Standort des Zentrums ist, sei "die beste Botschaft für Patienten", wie die Uniklinik nun erklärt.

Die Erforschung von Krebs vorantreiben und möglichst vielen Patienten Zugang zu den neuesten Behandlungsmethoden verschaffen: Auf diesen Nenner lasse sich die Aufgabe des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) bringen, schreibt die Uniklinik weiter in ihrer Pressemitteilung. Zwei Standorte hat das Zentrum bereits in Deutschland, sie sind in Heidelberg und Dresden angesiedelt. Nun kommen vier neue dazu. Das gab Anja Karliczek, Bundesministerin für Bildung und Forschung, bei einer Pressekonferenz in Berlin bekannt. Die neu ausgewählten NCT-Standorte erhalten zunächst eine Förderung für eine einjährige Konzeptphase. In dieser Zeit sollen sie eine gemeinsame Strategie für den Aufbau und die Umsetzung des erweiterten NCT erarbeiten. Werden das Gesamtkonzept und die Beiträge der einzelnen Standorte dann positiv begutachtet, folge eine dauerhafte Förderung durch den Bund und die Länder.

Einer der vier neuen NCT-Standorte liegt in Bayern. Eingerichtet wird er unter Federführung der Julius-Maximilians-Universität Würzburg, des Universitätsklinikums Würzburg mit dem Comprehensive Cancer Center Mainfranken – im Verbund mit den Universitäten und Universitätsklinika in Erlangen, Regensburg und Augsburg. Diese Partner kooperieren im Netzwerk WERA. Nach der erfolgreichen Bewerbung um die Aufnahme in das Nationale Centrum agieren sie nun unter dem Namen NCT WERA. Für die einjährige Konzeptphase erhalten sie 300.000 Euro.

„Dass die Universität und das Universitätsklinikum Augsburg im Nationalen Centrum für Tumorerkrankungen vertreten sind, unterstreicht den Stellenwert des Forschungsstandortes Augsburg insgesamt", sagt Professor Michael Beyer, Vorstandsvorsitzender und Ärztlicher Direktor des Universitätsklinikums Augsburg. "Unsere Universitätsmedizin hat jetzt schon einen hervorragenden Ruf im In- und Ausland. Mit dem NCT WERA und unserem Interdisziplinären Cancer Center wird sich die medizinische Versorgungssituation vieler Menschen mit einer Krebserkrankung erheblich verbessern, da wir neueste Forschungserkenntnisse noch schneller für die Patienten zur Verfügung stellen können."

Übergeordneter Koordinator des NCT WERA ist der Würzburger Professor Hermann Einsele, Krebsexperte und Direktor der Medizinischen Universitätsklinik II. „Unsere Arbeit zielt darauf ab, auch die Menschen in überwiegend ländlich geprägten Regionen mit innovativen Krebstherapien zu versorgen und ihnen Zugang zu Therapiestudien zu verschaffen“, erklärt er. Um dieses Ziel zu erreichen, hätten die WERA-Partner unter Würzburger Federführung ein umfassendes Forschungsprogramm etabliert. Es fuße auf zwei großen Linien: zum einen auf der gesamten Bandbreite neuer Immuntherapien, die Tumoren zielgerichtet attackieren. Zum anderen steht die Analyse von krebsauslösenden Proteinen (Eiweißen) im Mittelpunkt. Der Abbau dieser Proteine spiele im Krankheitsgeschehen eine wichtige Rolle und biete Angriffspunkte für grundlegend neue Krebstherapien. Eine dritte wichtige Besonderheit ist eine sogenannte Biobank, das heißt Materialsammlung von Tumorgewebe oder anderen mit der Krebserkrankung zusammenhängenden, für die Diagnostik nicht oder nicht mehr benötigten biologischen Materialien wie etwa Blutproben. Das ermögliche es, spezielle Biomarker für einzelne Krankheiten zu identifizieren und trage damit wesentlich zur Entwicklung neuer Therapiekonzepte bei.

Der Standort Augsburg soll neben der Durchführung klinischer Studien zu neuen Diagnostik- und Therapieverfahren bei Krebs als eine Besonderheit die Untersuchung von Spuren von Tumormaterial im Blut beitragen. Hierfür habe das Zentrum in den vergangenen Jahren ein herausragendes und in Deutschland einzigartiges Analyseprogramm etabliert. Es ermögliche, Krebserkrankungen während einer Therapie durch eine einfache Blutentnahme zu beobachten, zu charakterisieren, wie sie sich unter Therapie verändert und möglicherweise frühzeitig Rückfälle oder die Notwendigkeit zur Änderung einer Behandlung erkennen zu können, bevor ein erneutes Tumorwachstum überhaupt sichtbar und messbar wird. Die Erforschung dieses Prinzips soll ein wesentlicher Baustein der Weiterentwicklung der Krebstherapie in Augsburg sein, mit dem es zu klinischen Studien im nun ausgezeichneten NCT-WERA-Netzwerk beitragen kann. Aber auch andere Besonderheiten der Augsburger Tumormedizin wie interventionelle radiologische, operative oder endoskopische Verfahren sollen in Krebsforschungsprojekten und klinischen Studien weiter entwickelt, geprüft und optimiert werden. (pm)

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