Region: Augsburg Stadt

86 Prozent mehr offene Stellen nach Corona: Hotels suchen dringend Personal

Warten an der Hotelrezeption: Nach fast zweieinhalb Jahren Corona-Pandemie fehlt es in vielen Hotels und Gasthäusern an Personal. Nach Ansicht der Gewerkschaft NGG müssen sich die Arbeitsbedingungen in der Branche verbessern, um dringend gesuchte Fachleute zu finden.

Zu Beginn der Hauptreisezeit fehlt in vielen Augsburger Hotels und Wirtshäusern das nötige Personal. Das beklagt nun die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG). „Rezeptionistinnen, Köche, Barkeeper, Service- und Reinigungskräfte werden händeringend gesucht. Ohne sie kann die Branche in der wichtigsten Saison des Jahres nicht durchstarten“, sagt Tim Lubecki von der NGG. Die Gewerkschaft verweist auf eine Statistik der Bundesagentur für Arbeit. Der zufolge zählte das Beherbergungsgewerbe in Augsburg Ende Juni 26 offene Stellen – 86 Prozent mehr als Mitte 2019, also vor Beginn der Corona-Pandemie.

„Für viele Hoteliers ist es aktuell einfacher, Gäste zu finden als Mitarbeiter. Denn in der Folge von Lockdowns und Kurzarbeit haben etliche Beschäftigte ihre Branche verlassen. Es kommt jetzt darauf an, Fachleute mit guten Konditionen zu locken, um für die steigende Nachfrage nach Urlaubs- und Geschäftsreisen gewappnet zu sein“, so Lubecki.

Ein entscheidender Punkt sei die Bezahlung. Hier habe sich bereits einiges getan: Mit dem neuen Tarifvertrag, den die Gewerkschaft und der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband ausgehandelt haben, steigen die Einkommen in Bayern in diesem und dem kommenden Jahr um insgesamt bis zu 27 Prozent. Eine gelernte Köchin mit drei Jahren Berufserfahrung kommt aktuell auf einen Stundenlohn von 15,68 Euro. „Wichtig ist, dass sich die Unternehmen an den Tarifvertrag halten. Beschäftigte, die in einem tarifgebundenen Betrieb arbeiten, haben nicht nur beim Lohn die besseren Karten. Auch in puncto Arbeitsbedingungen sind sie im Vorteil“, betont Lubecki.

Gleichwohl sei hier „viel Luft nach oben“. Hotelangestellte arbeiteten oft dann, wenn andere frei haben – nachts, am Wochenende oder an Feiertagen. Das gehe zulasten von Familie und Freizeit. „Arbeitszeiten müssen im Sinne der Beschäftigten organisiert werden“, fordert Lubecki. Flexibilität dürfe keine Einbahnstraße nur für die Firmen sein. Der Gewerkschafter mahnt die Einhaltung des Arbeitszeitgesetzes an: „Auf die vorhandenen Kräfte kommt eine hohe Mehrbelastung zu. Aber die gesetzlichen Vorschriften, die die Mitarbeitenden schützen, dürfen nicht unterlaufen werden."

Für die Beherbergungsbranche in Augsburg rechnet Lubecki mit einer hohen Auslastung für die kommenden Monate: „Nach fast zweieinhalb Jahren Corona machen viele Menschen zum ersten Mal wieder richtig Urlaub. Der Tourismus im eigenen Land steht dabei hoch im Kurs – gerade in Bayern. Hinzu kommen die Geschäftsreisenden. Und auch manche verschobene Geburtstags- oder Hochzeitsfeier wird nachgeholt.“

Damit die Pläne der Gäste nicht an fehlendem Personal scheiterten, müsse die Branche für die Beschäftigten attraktiver werden, ist Lubecki überzeugt. Das gelinge nur, indem sich Löhne und Arbeitsbedingungen verbesserten. „Zwar ist klar, dass damit gerade für kleinere Betriebe die Personalkosten steigen“, räumt der Gewerkschafter ein. Aber anders seien keine Menschen mehr für den Job im Gastgewerbe zu gewinnen. Es komme darauf an, dass jetzt auch die Kunden Verständnis zeigten. „Für ein sauberes Hotelzimmer und einen guten Service sollte man bereit sein, etwas mehr auszugeben. Das gilt auch im Restaurant. Ein Schnitzel für neun Euro ist heute nicht mehr machbar“, so Lubecki. (pm)

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