Region: Augsburg Stadt

In Augsburg wird weniger gebaut

Die derzeitigen Krisen könnten sich laut einem Marktforschungsinstitut auf die Zahl der Neubauten im Stadtgebiet auswirken.

Den Traum vom eigenen Haus können sich in Augsburg offenbar immer weniger Menschen leisten. Der Immobilienmarkt könnte laut dem Marktforschungsinstitut des Immobilienverbands Deutschland (IVD) wegen der sinkenden Nachfrage nach Wohneigentum vor einer "Trendwende" stehen. Steigende Baukosten, die schwächelnde Konjunktur und das schnell wachsende Zinsniveau wirken sich auch auf die Zahl der Neubauten im Stadtgebiet aus: Obwohl der Wohnungsmarkt in Bayerns drittgrößter Stadt weiterhin angespannt bleibt, wurden im Jahr 2022 deutlich weniger Baugenehmigungen erteilt als in den Vorjahren.

Eine Analyse des IVD, die den Augsburger Immobilienmarkt im Frühjahr 2021 und 2022 vergleicht, sah zu Beginn des Jahres weiterhin eine deutlich erhöhte Nachfrage im Vergleich zum Angebot. Die Situation in Augsburg ist schon länger angespannt: In den vergangenen fünf Jahren stiegen die Preise für Baugrundstücke um rund 84 Prozent. Ein freistehendes Einfamilienhaus kostet heute durchschnittlich 70 Prozent mehr als vor fünf Jahren, die Preise für Eigentumswohnungen stiegen um 53 Prozent. Im Vergleich dazu entwickelten sich die Mietpreise langsamer – rund 20 Prozent mehr müssen Mieter inzwischen zahlen.

Aufgrund des geringen Angebots von Kaufobjekten wurden im Frühjahr noch deutliche Preissteigerungen verzeichnet. Einfamilienhäuser wurden zwischen 13 und 23 Prozent teurer, Eigentumswohnungen um rund 15 Prozent. Ein frei stehendes Einfamilienhaus kostete so im Frühjahr im Schnitt 825 000 Euro, Doppelhaushälften wurden für rund 705 000 Euro und Reihenmittelhäuser für 635 000 Euro verkauft. Wohnungskäufer zahlten rund 4400 Euro pro Quadratmeter.

Inzwischen sieht der IVD aber eine sinkende Nachfrage für Kaufobjekte, der Wohnimmobilienmarkt stehe "vor einer Trendwende". "Die rapide wachsenden Finanzierungskosten und die Unsicherheiten im Zusammenhang mit der drohenden Rezession in Deutschland infolge des Ukrainekriegs hemmen die Dynamik des Marktgeschehens und insbesondere auch die Preisdynamik am Wohnimmobilienmarkt,“ erklärte Stephan Kippes, Leiter des IVD-Marktforschungsinstituts, im September.

Die Zeiten steil steigender Kaufpreise seien zumindest seit Mitte des Jahres vorbei. Das zeige sich bayernweit an rückläufigen Immobilienumsätzen im zweiten Quartal und an einer niedrigeren Nachfrage bei einem gleichzeitig breiteren Angebot von Kaufobjekten. Häuser werden nicht mehr so schnell verkauft. In München gab es im Herbst 2022 sogar erstmalig seit langer Zeit einen Preisrückgang zu verzeichnen. Die Metropole könne als "Seismograph" für die restlichen bayerischen Städte dienen – auch in Augsburg werde die Vermarktung von Häusern und Wohnungen inzwischen schwieriger.

Vor allem private Käufer werden dem IVD zufolge seltener werden. Durch die hohen Zinsen bei gleichzeitigen Kaufpreisen "in schwindelerregender Höhe" können Eigennutzer das nötige Fremdkapital häufig nicht mehr finanzieren. Kapitalanleger hingegen nutzen die entspanntere Situation, um sich weitere Immobilien in den Städten zu sichern. Auch bei dieser Käufergruppe sei inzwischen aber "eine gewisse Zurückhaltung" zu beobachten.

Mietern wird die Veränderung am Wohnungsmarkt wohl kaum helfen. Eher ist anzunehmen, dass Personen, die sich womöglich Wohneigentum gekauft hätten, nun doch Teil des Mietmarktes bleiben. Eine deutlich steigende Nachfrage nach Mietobjekten zeigte sich dem IVD zufolge bereits bis zum Herbst. Die Inflation und steigende Energiepreise werden außerdem voraussichtlich die Wohnnebenkosten weiter antreiben. "Gerade Mietern mit geringerem beziehungsweise auch mittlerem Einkommen stehen hier finanziell schwierige Zeiten bevor", schließt daraus der Immobilienverband.

Zudem wird es aufgrund des Rückgangs von Neubauten unwahrscheinlicher, dass sich der Augsburger Wohnungsmarkt mittelfristig entspannt. Nur für 232 neue Wohnungen wurden zwischen Januar und Mai 2022 Baugenehmigungen erteilt. Das geht aus Daten des Landesamts für Statistik hervor. Im gleichen Zeitraum gab es im Jahr 2021 noch Genehmigungen für 767 Wohnungen, im Jahr 2020 waren es 690. Im Frühjahr dieses Jahres wurden somit im Vergleich zu 2021 weniger als ein Drittel der Wohnungen genehmigt. Die nun fehlenden Baugenehmigungen werden sich vor allem in den kommenden Jahren bemerkbar machen, wenn die bereits genehmigten Bauvorhaben der vergangenen Jahre abgeschlossen sind.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben
 


X