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Augsburger Weihbischof übt Kritik an Vorstoß beim Thema "Assistierter Suizid"

Weihbischof Anton Losinger spricht sich gegen den Vorschlag, assistierten Suizid in kirchlichen Einrichtungen anzubieten, aus

Weihbischof Anton Losinger äußert sich zum Vorschlag, assistierten Suizid in kirchlichen Einrichtungen anzubieten.

Weihbischof Anton Losinger hat mit deutlicher Kritik auf einen Vorschlag von prominenten Vertretern der Evangelischen Kirche in Deutschland reagiert, in kirchlichen Einrichtungen Möglichkeiten eines assistierten Suizids anzubieten. Damit sei eine schiefe Ebene begründet, die den Ball der aktiven Sterbehilfe auf fatale Weise beschleunigt und ins Rollen bringt, so der Bischofsvikar für Bioethik und Sozialpolitik.

Die vollständige Stellungnahme von Weihbischof Losinger:

,,Die Lebensrechtsfrage in der Bundesrepublik Deutschland steht seit einem Jahr vor einer grundlegenden juristischen Wende. Im Urteil vom Februar des Jahres 2020 hatte das Bundesverfassungsgericht den Beschluss des Bundestages zum Verbot der geschäftsmäßigen Suizidbeihilfe § 217 StGB gekippt. Darüber hinaus sahen die Richter im Begriff von Freiheit und Würde des Grundgesetzes ein fundamentales Recht jedes Menschen auf autonome Selbstbestimmung des eigenen Sterbens begründet. Auch dürfen andere - eventuell professionelle Sterbehilfevereine oder auch Ärzte - entsprechend einer notwendigen gesetzlichen Neuregelung zur Erfüllung des Wunsches nach dem freiverantwortlichen Suizid in die Pflicht genommen werden.

Diese Wende im Lebensrechts- und Würdebegriff des Grundgesetzes durch das höchste Gericht erlangt nun neue Energie durch die Äußerung führender Theologen der Evangelischen Kirche. In der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 11. Januar treten Reiner Anselm, Vorsitzender der Kammer für öffentliche Verantwortung der Evangelischen Kirche in Deutschland und der Präsident des evangelischen Wohlfahrtsverbandes Diakonie, Ulrich Lilie dafür ein, dass kirchliche Einrichtungen sich dem freiverantwortlichen Suizid nicht länger verweigern sollten, sondern sich öffnen, neben medizinischer und pflegerischer Versorgung auch "Rahmenbedingungen für eine Wahrung der Selbstbestimmung bereitzustellen" und "abgesicherte Möglichkeiten eines assistierten Suizids in den eigenen Häusern anzubieten oder zumindest zuzulassen und zu begleiten." Damit ist eine schiefe Ebene begründet, die den Ball der aktiven Sterbehilfe auf fatale Weise beschleunigt und ins Rollen bringt.

Mit der Mehrheit der organisierten Ärzteschaft in der Bundesrepublik Deutschland widerspricht die Katholische Kirche diesem Trend energisch und deutlich. Der Präsident des Weltärztebundes, Frank Ulrich Montgomery sieht eine fatale Änderung des Ärztebildes, welche die Rolle des Arztes im Krankenhaus vom Helfer zum Vollstrecker umforme. Die Deutsche Bischofskonferenz warnt vor dem fatalen Trend, dass sich die Entscheidung zum freiverantwortlichen Suizid und zur Suizidbeihilfe als quasi "normale Form" des Sterbens in Pflegesituationen entwickeln könnte. Begleitet vom sanften und stetigen Druck auf pflegebedürftige und alte Menschen, die den Angehörigen nicht zur Last fallen zu wollen, kommt der Stein unweigerlich ins Rollen.

Darum sind nicht Konzepte zur Ermöglichung des assistierten Suizids die richtige Antwort auf prekäre Lebenssituationen am Lebensende, sondern Hilfe, Zuwendung und Unterstützung in diesen schwierigen Lebenslagen und die Entwicklung von Lebensperspektiven für Menschen in Not. Auch die Erkenntnis, dass in den allermeisten Situationen eines Suizidwunsches psychische Notlagen dominieren, steht im Vordergrund. Dies wird bestätigt durch die fortlaufenden Studien des "Nationalen Suizidpräventionsprogramms" der Bundesregierung, das für die allermeisten unter den 10.0000 in der Bundesrepublik Deutschland im Jahr vollzogenen Fälle von Suizide schwere psychologische Notlagen diagnostiziert. Gute Pflege, professionelle Palliativversorgung und Ausbau der Hospizidee sind die Instrumente." (pm)

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