Region: Augsburg Stadt

Wie eine Augsburgerin im Zweiten Weltkrieg Bruchstücke der Theaterfassade rettete

Dr. Christoph Emmendörffer, Leiter des Maximilianmuseums, mit den drei Bruchstücken von der Fassade des Stadttheaters, die nun an die Kunstsammlungen und Museen Augsburg übergeben wurden.

Nicht immer sah das große Haus des Augsburger Theaters so schlicht aus wie heute: Vor der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg war die Fassade prunkvoll dekoriert mit Malereien, Skulpturen und Reliefs. 75 Jahre nach der Zerstörung des Augsburger Stadttheaters beim Bombenangriff am 25. und 26. Februar 1944 werden nun mehrere Bruchstücke der Fassadenfiguren an das Augsburger Maximilianmuseum übergeben. Die beiden Kopffragmente sowie eine Hand mit einem Schwert aus Kalkstein hatte damals eine Augsburger Cafébesitzerin aus den Trümmern gerettet und in ihrem Garten aufgestellt.

Sofie Eickmann betrieb mit ihrem Ehemann, dem Konditor Theodor Eickmann, das ehemalige Café Eickmanns in der Prinzregentenstraße 1. Die Geschichte, wie ihre Großmutter an die Fassadenfragmente kam, haben die Enkel von Sofie Eickmann oft gehört. Sie betreiben heute selbst ein Café in Nördlingen.

Rettungsaktion mit dem Leiterwagen

"Es ist der Zweite Weltkrieg", erzählen sie. "Augsburg wird bombardiert. Das Stadttheater ist schwer getroffen." Sofie Eickmann erfährt, dass die Stadt die Trümmerteile des Theaters abtransportieren und nicht für einen ehemaligen Wiederaufbau aufheben will. Um wenigstens etwas Geschichte zu retten, geht sie mit ihrem Sohn Günther Eickmann und einem Leiterwägelchen vom Kaffeehaus, in dessen ersten Stock die Familie lebte, zum Theater.

Als Kunstliebhaberin, die selbst Figuren aus Ton geschaffen und auch gemalt hat, konnte Sophie Eickmann nicht mitansehen, dass die skulpturalen Bruchstücke nicht konserviert werden sollten, erzählen ihre Enkel. Mit Erlaubnis der Räumarbeiter, die in dem Bauschutt keinen Wert sehen, nimmt Sofie Eickmann einige Stücke mit und bringt sie in ihren Garten.

Enkel geben Bruchstücke zurück

Dort erfreut sie sich viele Jahre an den Erinnerungsstücken an den Prachtbau ihrer Heimatstadt. Auch ihre Söhne belassen die Fragmente im Andenken an ihre Mutter im Garten. Die Enkel, die mit der Geschichte von der Rettungsaktion aufgewachsen sind, haben nun allerdings beschlossen, dass die Bruchstücke nun zurück in die Öffentlichkeit gehen sollen.

Sie übergaben sie an die Augsburger Kunstammlungen und Museen. In der Steinsammlung des Maximilanmuseums sollen diese nun nach dem Lockdown jeden zweiten Sonntag im Monat im Zuge einer Führung besichtigt werden können. (pm)

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