Region: Augsburg Stadt

"Bitte keine Hausmittel": Uniklinik behandelt jährlich rund 50 Kinder mit Brandverletzungen

Facharzt Christoph Gielok behandelt brandverletzte Kinder am Augsburger Universitätsklinikum.

Der 7. Dezember soll jedes Jahr auf Kinder mit Brandverletzungen aufmerksam machen und so auch für ein größeres Bewusstsein bei den Eltern sorgen. In der Kinderklinik des Augsburger Universitätsklinikums werden jedes Jahr rund 50 Kinder mit Verbrennungen oder Verbrühungen behandelt. Immer wieder werden die Verletzungen auch absichtlich herbeigeführt.

Der Augsburger Kinderchirurg Christoph Gielok erinnert sich an einen besonders tragischen Fall vor nicht allzu langer Zeit: „Da wollte eine Mutter den Gefrierschrank mit einem Topf mit kochendem Wasser abtauen", erzählt er. "Leider stand das dreijährige Kind dabei. Es kam mit Verbrühungen von zirka 20 Prozent der Körperoberfläche zu uns. Das ist schon massiv."

Obwohl der 7. Dezember "Tag des brandverletzten Kindes" heißt, seien die meisten thermischen Verletzungen im Kindesalter Verbrühungen, so Gielok. Die meisten Verbrennungs- und Verbrühungs-Unfälle geschehen laut dem Kinderarzt aus der Unbedachtheit der Eltern – einen Moment lang nicht aufgepasst, und das Leben der Kinder und Eltern ist oft nicht mehr dasselbe. Häufig hätten die Kinder noch als Erwachsene unter den Spätfolgen zu leiden.

Das Universitätsklinikum betont aber auch: Von den ungefähr 50 jungen Patienten mit Verbrennungen oder Verbrühungen im Jahr werden einige Verletzungen gewaltsam herbeigeführt. „Diese Fälle ähneln sich häufig", sagt Gielok. "Da wird das Kind, das nicht so will wie die Eltern, mit den Füßen oder Händen voran in die heiße Badewanne gesteckt. Das sind typische Verbrühungswunden, strumpf- oder handschuhartig“. Immer, so Gielok, müsse man in der Verbrennungsmedizin deshalb auch an Kindswohlgefährdung denken. „Wenn sich dies bewahrheitet, nimmt umgehend unsere Kinderschutzgruppe die Arbeit mit allen entsprechenden Konsequenzen auf", sagt der Arzt.

Wie sollten sich Eltern aber verhalten, wenn ein Verbrennungs- oder Verbrühungsunfall geschieht? Gielok appelliert eindringlich an alle Eltern, die Wundversorgung den Profis zu überlassen: „Bitte keine Hausmittel wie Eier, Mehl, Joghurt, Quark auf die Wunden tun, also nichts aus dem Kühlschrank und auch keine Zahnpasta", betont er.

Als allererstes müsse das Kind von der Hitzequelle getrennt und entfernt werden. Dann sollten Wunden an Armen und Beinen, nicht aber am Torso, kurze Zeit mit lauwarmem Wasser gekühlt werden. Lediglich bei sehr kleinen Kindern solle gar keine Kühlung erfolgen. Die Verletzungen sollten dann mit einem Baumwolltuch abgedeckt werden.

Falls später eine Behandlung unter Narkose notwendig wird, ist es auch gut, nach der Verletzung auf feste Nahrung zu verzichten und dem Kind Wasser oder Tee anzubieten. Auch Schmerzmittel können die Eltern dem Kind geben, am besten in Form von Säften oder Zäpfchen.

"Ebenfalls wichtig und etwas paradox klingend, ist der Wärmeerhalt des brandverletzten Kindes, umso wichtiger, je kleiner das Kind ist", erklärt das Uniklinikum. Dazu könne man das Kind in eine Decke hüllen oder die Rettungsfolie aus dem Erste-Hilfe-Kasten verwenden.

Den Tag des brandverletzten Kindes gibt es seit dem 7. Dezember 1993. Er soll die hohen Unfallzahlen jedes Jahr wieder ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Gestartet hat in der Verein Paulinchen, der von zwei Frauen gegründet wurde, deren Kinder ebenfalls einen Verbrennungsunfall erlitten. (pm)

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