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Corona in Augsburg: "Mutationen werden ansteigen"

Andreas Graber, Leiter der Sondereinsatzgruppe Mutationen, stellt klar: "Mutationen werden ansteigen." Sein Team möchte eine unkontrollierte Ausbreitung verhindern.

Die Stadt Augsburg befolgt größtenteils die Corona-Maßnahmen, die das Bayerische Kabinett am Dienstag beschlossen hat. Vereinzelt gelten aber auch weiterhin verschärfte Regeln, wie beispielsweise eine Maskenpflicht in bestimmten Bereichen der Stadt, auch wenn diese Zonen nun eingeschränkt werden. Das gab Oberbürgermeisterin Eva Weber am Freitag während einer Pressekonferenz bekannt. Zudem räumte Weber ein, dass man in der Fuggerstadt im Oktober und November Fehler gemacht habe, als Augsburg bundesweiter Corona-Hotspot war.

Derzeit beträgt die Sieben-Tage-Inzidenz in Augsburg laut Robert-Koch-Institut 59,7 pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen. Leicht darüber liegen mit einem Wert von 60,9 die Berechnungen des städtischen Gesundheitsamtes. Einen Tag zuvor lag die Inzidenz noch bei knapp 70 und vor einer Woche bei über 90. Im Augsburger Umland beträgt der Inzidenzwert 37,9 und im Landkreis Aichach-Friedberg 30,4. "Wir mit unserer Inzidenz von 60 liegen genau im Bayerischen Durchschnitt", sagt die Oberbürgermeistern. Zum Vergleich: in München beträgt der Inzidenzwert 45, in Nürnberg hingegen 89.

In Augsburg wurden seit Beginn der Corona-Pandemie rund 12.000 Fälle registriert, wovon 11.137 Personen bereits wieder genesen und 471 aktuell infiziert sind. Bislang verzeichnet das Gesundheitsamt in Verbindung mit dem Coronavirus 303 Tote, wovon allein 287 Todesfälle seit Beginn der zweiten Welle Mitte Oktober vergangenen Jahres registriert wurden. Der Altersdurchschnitt der Verstorbenen liege laut Gesundheitsamt über 80. 39 Patienten, die den Kampf gegen das Virus verloren haben, waren jedoch nicht einmal 70 Jahre alt.

Stellvertretender Gesundheitsamtsleiter kritisiert Corona-Maßnahmen in Seniorenheim

Ein verstärktes Infektionsgeschehen gibt es in der Seniorenwohnanlage Albaretto im Augsburger Westen, wo sich in den vergangenen zwei Wochen mehr als 60 Bewohner zuzüglich Personal mit dem Coronavirus infiziert haben. Das Ausbruchsgeschehen habe dort laut Dr. Thomas Wibmer, stellvertretender Leiter des Augsburger Gesundheitsamts, Ausmaße angenommen, die man so noch nicht gesehen habe. "Das hängt schon damit zusammen, dass dort FFP2-Masken nicht so wie vorgesehen verwendet worden sind", führt Wibmer aus.

Wenn es nach Modellrechnungen des Gesundheitsamts geht, könnte Augsburg in den nächsten ein bis zwei Wochen die Schwelle von 50 bei der Sieben-Tage-Inzidenz unterschreiten, im März gar unter 35 sinken. Voraussetzung sei laut Wibmer allerdings, dass sich die Bürger auch weiterhin an die Hygieneregeln halten. Obwohl die Zahlen in den vergangenen Wochen stark zurück gingen, gibt es für den stellvertretenden Gesundheitsamtsleiter Grund zur Sorge: Noch nie zuvor hatte Augsburg einen so hohen Altersdurchschnitt bei den Infektionen wie derzeit mit 52 Jahren.

Im Stadtgebiet gibt es aktuell 28 Corona-Mutationsfälle, wobei bei fünf Personen der Ursprung der Infektion unklar sei. Wie Andreas Graber, Leiter der Sondereinsatzgruppe Mutationen, sagt, wolle man alles daran setzen, eine unkontrollierte Verbreitung der mutierten Virusvarianten zu verhindern. Er stellt aber auch klar: "Mutationen werden ansteigen." Sein Team sammelt derzeit alle Daten, um mögliche Hotspots rechtzeitig zu erkennen und Maßnahmen ergreifen zu können. Dies können laut Graber bereits bewährte oder neue Maßnahmen sein, die gezielt eingesetzt werden. Beispielsweise soll der städtischen Ordnungsdienst die Einhaltung der Quarantäneauflagen mit Hausbesuchen "unterstützen".

Um die Ausbreitung der Mutationen möglichst gering zu halten, wurden die Personalkapazitäten aufgestockt. Das sei der Lerneffekt aus den Fehlern gegen Ende vergangenen Jahres gewesen, sagte Oberbürgermeisterin Weber. Augsburg sei bei der exponentiellen Ausbreitung damals "zu spät dran gewesen". Nun sollen Infektionsketten besser nachvollzogen werden können.

Ausgangssperre wird in Augsburg aufgehoben

Da der Inzidenzwert in Augsburg deutlich unter 100 liegt, gilt ab Montag die Ausgangssperre nicht mehr. Der Einzelhandel bleibt aber weiterhin geschlossen. Die Fuggerstadt folgt den Maßnahmen des Bayerischen Kabinetts, in der "Kerninnenstadt und den Hauptverkehrswegen" gilt laut Weber allerdings auch weiterhin die Maskenpflicht. Konkret sind damit die Anna-, Karl-, Max- und Bahnhofstraße sowie der Bereich um den Stadtmarkt und den Königs-, Moritz- und Rathausplatz gemeint. Zudem müssen die Bürger am Helmut-Haller-Platz und auf dem Hochablass-Steg eine Maske tragen. 

Ab 22. Februar gehen die Grund- und Förderschulen sowie die Abschlussklassen aller Schulzweige in den Wechselunterricht beziehungsweise Präsenzunterricht, sofern die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten werden können. Auch Kitas und Kinderpflegestellen öffnen wieder.

Friseure müssen sich noch ein bisschen länger gedulden, sie dürfen ab 1. März wieder ihre Läden für Kundschaft aufsperren. Vorerst gelten die Corona-Regeln bis 7. März. Nachdem der Landkreis Augsburg bereits ankündigte, Lieferungen des AstraZeneca-Impfstoffs zu erhalten, bereitet auch das Impfzentrum in der Fuggerstadt die Koordination dieses Präparats vor. (pb)

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