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Corona-Inzidenz weiter über 50: Stadt Augsburg informiert, inwiefern nun gelockert werden kann

Die Inzidenz in Augsburg liegt knapp über der 50er-Marke. Wie wirkt sich das auf Lockerungen aus? Dies hat die Stadt auf einer Pressekonferenz erläutert.

Raus aus dem Lockdown oder rein in die "Dritte Welle"? Mit dem Öffnungsplan von Bund und Ländern befassten sich am Freitag Augsburgs Oberbürgermeisterin Eva Weber und der kommissarische Leiter des Gesundheitsamts, Thomas Wibmer, auf einer Pressekonferenz. Weber erklärte, sie sei froh über den "Lichtstreif am Horizont", räumte aber gleichzeitig ein, dass es sich um eine "komplizierte Öffnungsstrategie" handle, und betonte, dass Übermut nach wie vor "der falsche Ratgeber" sei.

Die Sieben-Tage-Inzidenz bleibt in Augsburg weiterhin über der 50er-Grenze. OB Weber begann ihren Vortrag mit der Aufzählung der aktuellen Zahlen: Die Inzidenz betrage laut Robert-Koch-Institut 52,9, laut Augsburger Gesundheitsamt 56,2. Am Freitag habe es 23 Corona-Neuinfektionen gegeben. Die Tendenz gehe also eher in Richtung einer steigenden Inzidenz.

Das ultimative Mittel heraus aus der Corona-Krise ist freilich auch für Eva Weber die Impfung. 27.146 Erst- und Zweitimpfungen seien inzwischen in Augsburg durchgeführt worden. Fast 20.000 Augsburger seien bislang immunisiert worden. "Wir impfen was geht", sagte die Oberbürgermeisterin. In Augsburg bleibe – anders als andernorts – kein Impfstoff liegen, ließ Weber wissen.

Der zweite wichtige Baustein sei – auch das wenig überraschend – die Teststrategie. Durch mehr Tests können Infektionsketten schneller durchbrochen werden. So "bekommen wir das Ausbruchsgeschehen in den Griff", sagte Weber. Neben dem Testzentrum an der Messe gibt es seit Montag zudem die neuen Schnelltestzentren am Plärrer und in der Maximilianstraße. 30 bis 40 Tests pro Stunde und pro Testzentrum seien möglich. Bei einem positiven Schnelltest-Ergebnis werde ein PCR-Test nachgeschoben. Ab kommender Woche sei dies dann direkt in den neuen Schnelltestzentren möglich.

Anteil der nachgewiesenen Corona-Mutationen bei 28 Prozent

Der Anteil der Mutationen an den positiven Corona-Nachweisen liege in Augsburg derzeit bei 28 Prozent, erläuterte Thomas Wibmer vom Augsburger Gesundheitsamt. Nehme man die Dunkelziffer hinzu, sei wohl von einem Anteil knapp unter 50 Prozent auszugehen. Wibmer stellte fest: Die Inzidenzen seien lange gefallen, inzwischen sei aber doch ein Wendepunkt erreicht. "Unser Ziel, die 35er-Marke zu unterschreiten, werden wir in absehbarer Zeit wohl nicht erreichen." Gründe seien die zunehmenden Kontakte, aber eben vor allem auch die Mutationen. Wibmer prognostizierte: "Die Mutationen werden zunehmend das Infektionsgeschehen bestimmen." Und: Das exponentielle Wachstum der Mutationen werde nun die dritte Welle einleiten.

Wibmer hofft, dass sich alle weiterhin an die Kontaktbeschränkungen halten und dass immer mehr Menschen schnell geimpft werden, sodass die dritte Welle noch in den Sommer hinausgezögert werden könne und dadurch weniger stark ausfällt als befürchtet. Dass nun ausgerechnet in den Beginn dieser dritten Welle hineingelockert werde, sei eine politische Entscheidung. Diese sei aber dennoch "tragbar". Man habe jetzt die Möglichkeit zu beweisen, dass man mit Hygiene-Konzepten die drohende Welle zumindest verlangsamen könne – und wenn dies nicht funktioniere, dann gebe es ja die Notbremse.

Welche Regeln gelten nun in Augsburg?

Diese Notbremse greift, sobald die Inzidenz über 100 rutscht. Dann herrsche wieder Lockdown, erklärte Eva Weber – und dröselte den "sehr komplexen" Öffnungsplan von Bund und Ländern auf, der sich aus drei Stufen, verschiedenen Bereichen und verschiedenen Stichtagen zusammensetzt. Es sei davon auszugehen, dass sich Augsburg zunächst länger in der mittleren Stufe befinden werde – also bei einer Inzidenz zwischen 50 und 100. Daher gelte ab Montag, dass Buchhandlungen, Büchereien, Bibliotheken und Archive wieder öffnen, genauso wie "körpernahe Dienstleistungen", wobei ein tagesaktueller Schnelltest nötig sei, sofern man als Kunde keine Maske tragen könne, etwa bei Gesichtsbehandlungen im Kosmetikstudio. Die privaten Kontaktmöglichkeiten werden auf Treffen mit einem Hausstand mit maximal fünf Personen erweitert – Kinder unter 14 Jahren nicht mitgezählt. Individualsport im Freien sei mit bis zu fünf Personen aus zwei Haushalten oder für 20 Kinder erlaubt.

Da die Inzidenz nicht unter 50 liegt, öffnen Einzelhandel, Museen und Zoos nicht komplett. Der Einzelhandel könne "Termin-Shopping" anbieten. Kunden können in Geschäften demnach Zeitfenster zum einkaufen vereinbaren. Ähnliches gelte für Museen und Zoos. Manche Einrichtungen werden jedoch erst am 16. März öffnen, da es noch Vorbereitungen zu erledigen gebe. Das Mozarthaus und das Brechthaus, erklärte Weber, seien wahrscheinlich zu klein, um den Infektionsschutz zu gewährleisten. Deswegen blieben diese geschlossen. (jaf)

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