Region: Augsburg Stadt

Ex-Lechstahl-Manager zu mehrjähriger Haftstrafe verurteilt

Ein 55-jähriger ehemaliger Geschäftsführer der Meitinger Lechstahlwerke ist am Mittwoch verurteilt worden.

Die 15. Strafkammer des Augsburger Landgerichts hat im "Lechstahl-Prozess" am Mittwoch das Urteil gefällt

Ein 55-jähriger ehemaliger Geschäftsführer der Meitinger Lechstahlwerke ist am Mittwochmorgen zu einer mehrjährigen Haftstrafe verurteilt worden. Vier Jahre und drei Monate lang muss der Ex-Manager nun wegen Bestechlichkeit im geschäftlichen Verkehr ins Gefängnis. Ein mitangeklagter Unternehmer wurde im sogenannten "Lechstahl-Prozess" wegen Bestechung zu drei Jahren und neun Monaten verurteilt. Beide Männer sitzen seit über einem Jahr in Untersuchungshaft.

In der Urteilsbegründung erklärte das Gericht, dass nach insgesamt 19 Verhandlungstagen eine Formulierung des 55-Jährigen im Gedächtnis blieb: "Die Gier war größer, und zwar größer als die Angst". Zwar zeigten sich der ehemalige Lechstahl-Geschäftsführer und der 45-jährige Unternehmer, der die Aufträge des Stahlwerks laut Anklage unrechtmäßig erhalten hatte, geständig. Dennoch widersprachen die Angeklagten sich in einigen Punkten. Das Gericht erachtete schließlich die Ausführungen des 45-Jährigen als wahr, der zugab, Schmiergelder an einen mittlerweile verstorbenen Geschäftsführer einer Tochterfirma des Stahlwerks gezahlt zu haben, der für die Vergabe von Aufträgen an Subunternehmer verantwortlich war. Außerdem habe der 45-Jährige den 55-jährigen Angeklagten an seinem Unternehmen beteiligt, um Bestechungsgelder in Form von Gewinnausschüttungen an den 55-Jährigen zahlen zu können. Bei einem Großauftrag für den 45-Jährigen im Zuge des Neubaus eines Walzwerks hätten zudem der verstorbene Geschäftsführer sowie der 55-Jährige erneut die Hand aufgehalten und Gelder des Unternehmers kassiert.

Der Ex-Manager erzählte vor Gericht jedoch, dass er mit dem 45-Jährigen gemeinsame Sache machen wollte und neue Geschäftsfelder erschlossen werden sollten. Deshalb habe es den Vertrag über eine Beteiligung an der Firma des 45-Jährigen gegeben. "Da machen sie sich selbst und uns etwas vor", sagte die Richterin und erklärte, dass es aus Sicht des Gerichts keinerlei Gründe gäbe, weshalb der 45-Jährige sich in seiner Aussage einer Straftat bezichtigen sollte, nur um den 55-Jährigen zu belasten.

Von den Anklagepunkten Untreue und Beihilfe zur Untreue wurden die Angeklagten freigesprochen. Laut Anklage soll der 45-Jährige überhöhte Rechnungen oder gar Rechnungen für nicht erbrachte Leistungen zugunsten des 55-Jährigen und des Verstorbenen und zulasten des Stahlwerks gestellt haben, um Bestechungsgelder zu generieren. Das treffe aus Sicht der 15. Strafkammer des Augsburger Landgerichts nicht zu.

Außerdem war der 45-Jährige zusammen mit einem 58-jährigen Steuerberater wegen gemeinschaftlicher Steuerhinterziehung angeklagt. Das Gericht sprach die Angeklagten auch von diesen Anklagepunkten frei. Der Steuerberater wurde allerdings wegen leichtfertiger Geldwäsche zu einer Freiheitsstrafe in Höhe von neun Monaten, ausgesetzt zur Bewährung, verurteilt.

Über das Kanzleikonto des 58-Jährigen flossen insgesamt 320 000 Euro an Schmiergeldern vom Unternehmen des 45-Jährigen in Richtung des angeklagten Ex-Lechstahl-Managers. Das Gericht wirft dem Steuerberater vor, dass dieser sich unbedingt hätte darüber informieren müssen, was hinter den Geldern steckte. Denn: "Das waren doch ganz erhebliche Summen, die hier über ihr Konto transferiert wurden", so die Richterin.

Als Initiator der Schmiergeldaffäre sieht das Gericht den mittlerweile verstorbenen ehemaligen Lechstahl-Geschäftsführer, der über Jahre hinweg ein System geschaffen habe, um sich rücksichtslos immens zu bereichern.

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