Region: Augsburg Stadt

Experte warnt vor höheren Inzidenzen in Augsburg als vergangenen Herbst

Im Corona-Testzentrum am Messegelände können sich bestimmte Personen auch ab dem 11. Oktober kostenfrei auf Covid-19 testen lassen.

Augsburg war im Zuge der Pandemie dem bayerischen Schnitt immer ein Stück voraus und hatte eher mit hohen Infektionszahlen und Inzidenzwerten zu kämpfen als weite Teile des restlichen Freistaats. Der stellvertretende Leiter des städtischen Gesundheitsamts hat am Donnerstagnachmittag in einem Bericht zur aktuellen Corona-Situation erklärt, woran das liegen könnte. Außerdem geht der Mediziner davon aus, dass die Krankenhaus-Ampel in einigen Wochen auf Rot umschalten könnte.

"Wir sind momentan in einer relativ ruhigen Phase", sagte am Donnerstag Augsburgs Gesundheitsreferent Reiner Erben. Die Stadt rechnet allerdings damit, dass die Inzidenzen mit Eintreten der Erkältungswelle wieder steigen werden und bezieht sich auf die Einschätzung des Gesundheitsamts. Die Prognosen des stellvertretenden Amtsleiters, Thomas Wibmer, seien bislang stets zuverlässig gewesen. Nun sagt der Experte steigende Inzidenzen in den kommenden Wochen voraus. "Ich erwarte einen deutlich höheren Anstieg als letztes Jahr", erklärte Wibmer und ging noch einmal auf die Corona-Situation im vergangenen Jahr ein.

Damals hätte man in Augsburg kein wirkliches Infektionsgeschehen mehr gehabt, ehe ab dem 9. Oktober vor allem Reiserückkehrer die Infektionszahlen wieder stark in die Höhe getrieben hätten. Für diesen Herbst sagt Wibmer einen ähnlichen Verlauf in Augsburg voraus. Einziger Unterschied: "Dieses Jahr starten wir auf deutlich höherem Niveau." Denn heuer habe es in der Fuggerstadt bereits ein Infektionsgeschehen gegeben, zu dem nun noch die Reiserückkehrer hinzu gekommen sind.

In Anbetracht der verschiedenen Corona-Wellen stellte Wibmer fest, dass "wir in Augsburg immer etwas früher dran sind" im Vergleich zum bayerischen Durchschnitt. Gründe hierfür sieht der stellvertretende Gesundheitsamtsleiter unter anderem an der Zusammensetzung der Stadtbevölkerung sowie der Grenznähe. Laut Wibmers Theorie seien Familienfeste oder Hochzeiten im jeweiligen Heimatland nachgefeiert worden. So hätten sich zum Beispiel einige Bürger zu Beginn der hiesigen Ferien in Richtung Kosovo aufgemacht, um dort mit der Verwandtschaft und vielleicht Familienmitgliedern aus anderen Bundesländern, die schon länger Ferien hatten, zu feiern. Im Kosovo stieg die Inzidenz von unter 10 Ende Juli innerhalb von vier Wochen auf über 700 an. Viele seien dann "fluchtartig zurückgereist", so Wibmer. Seine Theorie stützt er auch darauf, dass einzig die dritte Corona-Welle unabhängig von Reiserückkehrern war, und erklärt: "Da waren wir nicht früher dran."

Seit einigen Tagen steigen die Zahlen in Augsburg nun wieder an und es werde mit Blick auf die Intensivbelegungen in den Krankenhäusern "schon langsam eng". In ein paar Wochen könnte die Zahl von 600 Belegungen demnach überschritten sein.

Gesundheitsreferent Reiner Erben: "Keine Tests für Jedermann"

Im Corona-Bericht kündigte zudem Reiner Erben an: "Ab 11. Oktober keine Tests mehr für Jedermann." Denn die bayerische Staatsregierung ändert ihre Teststrategie, da bereits alle impfbaren Personen zwischenzeitlich ein Impfangebot erhalten haben. Aus Sicht der Regierung sei eine Fortsetzung des Testangebots auf Kosten der Allgemeinheit nicht mehr gerechtfertigt. Daher werden also die kostenfreien Antigenschnell- und PCR-Tests eingestellt. Lediglich am Testzentrum an der Augsburger Messe können bestimmte Personengruppen kostenlose Covid-19-Tests durchführen lassen.

Dazu zählen Kinder unter zwölf Jahren. Jugendliche unter 18 Jahren können sich noch bis 30. November kostenlos testen lassen, diese Frist gilt ebenfalls für Studenten. Corona-Tests sind zudem für Personen kostenfrei, die aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können, Kontaktpersonen, die einen Hinweis der Corona-Warn-App erhalten haben, Beschäftigte in Pflegeheimen sowie Besucher von Pflegeheimen und Einrichtungen für Menschen mit Behinderung. Außerdem gilt die Ausnahmeregelung für Personen, die an klinischen Studien zur Wirksamkeit von Corona-Impfstoffen teilnehmen oder in den vergangenen drei Monaten teilgenommen haben.

Obwohl es derzeit aufgrund fehlender wissenschaftlicher Belege keine Empfehlung der Ständigen Impfkommission gebe, bietet das Gesundheitsamt nach Angaben von Wibmer den Bewohnern und Mitarbeitern in Pflegeheimen die Möglichkeit einer Drittimpfung an.

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