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Filippa hat nun einen "Roboter" am Bein: Dreijährige mit Femurdefekt in Augsburg erfolgreich operiert

Filippa und ihre Eltern Monika und György Tölgyesi.

Die dreijährige Filippa leidet von Geburt an unter einem Proximalen Femurdefekt: Hüft- und Kniegelenk sowie der linke Oberschenkel fehlen ihr, ihr linkes Bein ist dadurch viel kürzer als das rechte. Vor einigen Monaten hatte die Deutsche Lebensbrücke zu Spenden aufgerufen, denn Filippa sollte an der Augsburger Hessing-Klinik vom amerikanischen Beinverlängerungsspezialisten Dr. Dror Paley operiert werden – eine teure Behandlung, die ihre Krankenkasse nicht übernimmt. Dank einer "unglaublichen Welle der Hilfsbereitschaft", so die Deutsche Lebensrücke, konnte Filippa nun Ende August operiert werden.

Dr. Paley flog extra dafür aus Amerika ein. Nachdem er die Kleine untersucht hatte, entschloss er sich laut der Deutschen Lebensbrücke zur von ihm selbst entwickelten "Super Hip 3"-OP, die auch "Femoral Sling"-Prozedur heißt. Der Spezialist führte damit bereits mehrere Schritte in einer OP durch, wodurch sofort mit der Beinverlängerung begonnen werden kann. Dadurch dauerte der Eingriff länger als geplant, nämlich fünf Stunden. "Aber alles lief gut, und sowohl Dr. Paley als auch Dr. Forth, Chefarzt der Hessing Klinik, der Filippa postoperativ betreut, sind sehr zufrieden", berichtet Petra Windisch de Lates, Vorstandsvorsitzende der privaten Hilfsorganisation.

"Natürlich ist das jetzt erst mal eine schwere Zeit für Filippa und auch für ihre Eltern", erklärt sie. "Sie hängt noch an einem Schmerzkatheter, und der Fixateur, den Dr. Paley an ihrem linken Bein angebracht hat, sieht schon recht martialisch aus." Der Apparat ist am Becken, Oberschenkel und Unterschenkel befestigt. Der Vorteil: mit einer Art Stellschraube und viel Krankengymnastik kann bereits jetzt mit der Beinverlängerung begonnen werden. "Das ist dann schon eine optimale Vorbereitung auf die zweite OP, in der die Begradigung und Verlängerung weitergeführt wird", so Windisch de Lates. Bis dahin habe Filippa aber viel Zeit, sich zu erholen. Wenn die Wunde verheilt ist, wird das Mädchen mit dem Fixateur und einer Orthese auch gehen können.

Die Eltern der Kleinen seien hin und hergerissen, berichtet die Hilfsorganisation. Sie seien überglücklich, dass der erste Schritt hin zu zwei gleich langen Beinen für ihre Tochter so gut verlaufen ist. Gleichzeitig litten sie mit ihr und hätten auch Angst davor, wie Filippa mit dem Fixateur im Alltag zurechtkommen wird. "Als ich mein Kind direkt nach der OP gesehen habe, war ich erst mal ziemlich erschrocken", sagt Filippas Mutter, Monika Tölgyesi. "Einerseits bin ich sehr glücklich, dass damit die Verlängerung schon beginnen kann. Andererseits habe ich noch keine Ahnung, wie wir das alles hinkriegen werden. Es ist alles so neu und gleichzeitig aufregend und beängstigend." Am schlimmsten sei es, sein Kind leiden zu sehen, denn natürlich habe Filippa nach der OP noch Schmerzen: "Sie weint im Augenblick ziemlich viel, schläft kaum und isst wenig, aber das wird sich schnell geben, sagen die Ärzte." Bei dem Augsburger Ärzteteam fühle sich die Familie gut aufgehoben.

Um ihre Tochter mit dem Fixateur vertraut zu machen, der sie jetzt eine ganze Weile begleiten wird, hat sich die Mutter etwas Besonderes ausgedacht: "Ich habe Filippa erklärt, dass sie jetzt einen persönlichen Roboter an ihrem Körper hat. Dieser Roboter hilft ihrem Mini-Beinchen, länger zu werden. Das hat sie verstanden und wir hoffen, dass sie so den Fixateur besser akzeptieren kann."

Filippa musste insgesamt zwei Wochen in der Hessing-Klinik bleiben. Wenn alles gut verheilt, kann sie jetzt bald wieder zurück nach Hause nach Altenmarkt. Dort brauche die Kleine dann täglich eine gute Krankengymnastik, denn das Bein muss jeden Tag gestreckt und gedehnt werden. "Aber die erste große Hürde hat Filippa jetzt genommen", betont Petra Windisch de Lates. (pm)

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