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Aus für Augsburger Fünf-Minuten-Takt? Stadtwerke wollen "flexiblen" Tram-Takt beibehalten

Während der Pandemie galt in Augsburg untertags meist ein 7,5-Minuten-Takt. Dieser soll nun auch langfristig beibehalten werden.

Der Fünf-Minuten-Takt für die Augsburger Straßenbahnen soll wohl nicht mehr zurück kommen, zumindest wenn es nach den Stadtwerken geht. Wie das Kommunalunternehmen bestätigt, solle auch nach Ende der Pandemie-Einschränkungen weiterhin auf einen "bedarfsorientierten" Takt gesetzt werden. Das bedeutet zwischen 7 und 20.30 Uhr einen generellen Sechs- oder 7,5-Minuten-Takt, der dann zu Stoßzeiten oder auf stark befahrenen Linien durch zusätzliche Bahnen verkürzt werden soll.

Die stärksten Auswirkungen hätte die geplante Regelung auf die Tageszeit zwischen 14 und 18 Uhr. In diesem Zeitraum galt vor der Pandemie ein Fünf-Minuten-Takt. Nun sollen die Straßenbahnen in diesem Zeitraum generell nur noch alle 7,5 Minuten abfahren.

Für Stadtwerke-Sprecher Jürgen Fergg ist das ein logischer Schritt, der auch nicht mit der Pandemie zusammenhänge. Stattdessen wolle das Unternehmen zu den angegebenen Zeiten weg vom Fünf-Minuten-Takt, "weil wir da ganz viele Fahrten haben, wo die Bahnen leer sind." Gleichzeitig agiere das Unternehmen mit einem jährlichen Defizit von über 40 Millionen Euro. Man müsse also "wirtschaftlich und bedarfsorientiert arbeiten", betont Fergg. Ein durchgängiger Fünf-Minuten-Takt sei "wirtschaftlich unsinnig".

Sechs-Minuten-Takt am Morgen

Einen solchen durchgängigen Takt gibt es in Augsburg allerdings schon länger nicht mehr. 2014 wurde er für die Zeit zwischen 8 und 12 Uhr mit einem 7,5-Minuten-Takt ersetzt. Dafür verringerte sich die maximale Wartezeit zwischen 18 und 20.30 Uhr ebenfalls auf 7,5 statt 15 Minuten.

In der Zukunft wolle man nun in der Früh zwischen 7 und 9 Uhr sowie zwischen 12 und 14 Uhr auf einen Sechs-Minuten-Takt und untertags auf einen "bedarfsorientierten" Takt setzen – also auf einen 7,5-Minuten-Takt plus Unterstützungsfahrzeuge. "Eine Verschlechterung gibt es nicht", meint Fergg. "Wir reden da nachmittags von 2,5 Minuten."

Ohnehin sei der Fünf-Minuten-Takt ursprünglich nur eingeführt worden, weil Augsburg im Jahr 1990 sehr kurze Straßenbahnen nutzte und man nur so die nötigen Fahrgastkapazitäten erreichen konnte. Mit den Combino und City-Flex-Zügen nutze man inzwischen "die längsten, die unterwegs sein können". Die Bahnen fassen laut Fergg bis zu 280 Fahrgäste. Ein Fünf-Minuten-Takt sei auch in anderen Städten unüblich. Viele andere Verkehrsunternehmen würden dagegen ebenfalls auf einen flexiblen Takt setzen.

Gesamtkapazität soll gleich bleiben

Für einige Fahrgäste bedeute der "dynamische" Takt sogar eine Verbesserung. So fahre zum Beispiel die Linie 3, auf deren Strecke unter anderem die Universität und die Fachoberschule liegen, zu bestimmten Zeiten im Drei-Minuten-Takt.

Unterstützungsfahrzeuge nutzen die Stadtwerke schon länger. Durch den ausgedünnten Takt im gesamten Liniennetz soll nun aber auf stark belastete Strecken noch besser reagiert werden können. Insgesamt sei so aktuell bereits wieder eine ähnliche Anzahl an Trams wie vor der Pandemie unterwegs. Bei Bedarf werde man mit weiteren Unterstützungsfahrzeugen zur vor-pandemischen Gesamtkapazität zurückkehren. Es gehe laut Fergg also nicht generell darum, Geld zu sparen, sondern darum, das Angebot nach dem tatsächlichen Bedarf der Fahrgäste zu "optimieren".

Koalition gegen "vorschnelle Streichung des Fünf-Minuten-Takts"

Für Fahrgäste, deren Anbindung an die Stadt nicht so viel genutzt wird, dürfte der neue Takt aber vor allem eines bedeuten: Eine bis zu 2,5 Minuten längere Wartezeit. Oberbürgermeisterin Eva Weber stellte die Pläne der Stadtwerke indes bereits in Frage und betonte, dass die letzte Entscheidung über den Takt des Augsburger ÖPNVs beim Stadtrat liege. Am Donnerstagabend meldete sich dann auch die Mehrheitskoalition aus CSU und Grüne per Pressemitteilung zu Wort und sprach sich gegen eine "vorschnelle Streichung des Fünf-Minuten-Takts" aus. „Die Ausgestaltung der Fahrzeiten ist über den Betrauungsakt geregelt und muss vor einer Veränderung in jedem Fall in den politischen Gremien geklärt werden bevor eine Entscheidung getroffen wird. Wir sprechen uns klar gegen diesen Vorstoß aus und erkennen nicht die Notwendigkeit dieses vorschnellen und nicht abschließend diskutierten Vorschlags", betonte Verena von Mutius-Bartholy, Fraktionsvorsitzende der Grünen. Insgesamt brauche es "mehr und nicht weniger Fahrten, um das Ziel der Mobilitätswende zu erreichen und vor Ort Emissionen spürbar zu verringern".

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