Region: Augsburg Stadt

„Ich bin für dich da!“

Gesundheit / Wenn wir darüber reden, kann auch geholfen werden.

Epidemiologische Studien der vergangenen Jahre haben ergeben, dass die Prävalenz der Depression bei Frauen weitaus höher ist als bei Männern.

Wer keinen Sinn im Leben sieht,

ist nicht nur unglücklich,

sondern kaum lebensfähig. 

 

Dieses Zitat von Albert Einstein passt so wundervoll zu unserem Thema, um das es hier geht. Auf unseren Seiten geht es natürlich um die Sommerlust, aber was ist, wenn man diese nicht mehr spüren und fühlen kann? 

Was ist, wenn die Grundstimmung nur noch gedrückt ist, man antriebslos und erschöpft ist? Wenn schon kleinste Entscheidungen schwerfallen und alles nur mit einem bleiernen Widerstand erfolgt? Wenn man keine Freude empfinden kann, nur Angst und Minderwertigkeitskomplexe? Wenn man sich nicht konzentrieren oder schlafen kann oder ständig angespannt ist, der Körper nur Beschwerden bereitet? 

Ja, es geht hier natürlich, wie schon die letzten Jahre, um die Gesundheit. Nein, nicht um Corona; hat ein wenig damit zu tun. Aber, hier geht es um Depressionen. Ein Thema, über das nicht gerne gesprochen wird. Doch wir tun es – und es ist wichtig, wie wir unter anderem von der Stiftung Deutsche Depressionshilfe gelernt haben:

Einfach unterschätzt

„Depressionen gehören zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. An Depression sind derzeit in Deutschland 11,3 Prozent der Frauen und 5,1 Prozent der Männer erkrankt. 

Frauen leiden damit etwa doppelt so häufig an Depression wie Männer. Insgesamt sind im Laufe eines Jahres 8,2 Prozent der deutschen Bevölkerung erkrankt. Das entspricht 5,3 Millionen Bundesbürgern (1). 

Im Jahr 2020 verstarben in Deutschland 9.206 Menschen durch Suizid (ca. 90 Prozent aufgrund einer psychiatrischen Erkrankung und am häufigsten einer unzureichend behandelten Depression). Das sind mehr Menschen, als im Verkehr (3.373), durch Drogen (1.398) und durch AIDS (285) zu Tode kommen (2).“

So heißt es in einem Schreiben der Stiftung. Die Corona-Maßnahmen würden die Krankheitsverläufe sogar verschlechtern.

So viel zu den kühlen Zahlen, doch was bedeutet das? Es bedeutet, dass wir, die nicht betroffen sind, zuhören müssen. Denn zuhören heißt da sein. Es bedeutet, sein Gegenüber wahr- und ernst nehmen. Oft finden depressive Menschen keine Worte, um ihre Gefühle auszudrücken. Oft werden sie auch missverstanden. „Ach, das ist doch alles nicht so schlimm“, „du bist doch nur faul, steh’ einfach mal auf“ oder „stell’ dich nicht so an.“ Nett gemeint, aber ganz falsch. Besser: „Ich bin für dich da, auch wenn ich nicht verstehe, wie du dich fühlst.“

Schwierig nachzuvollziehen

Nein, wir können das nicht nachfühlen. Uns geht es doch gut. Wir genießen den Sommer und die Sommerlust. Aber wenn man das nicht mehr kann? Dann gibt es dafür die unterschiedlichsten Gründe, die aufgrund einer genetischen Veranlagung passieren können oder durch eine erhöhte Anfälligkeit. Es gibt viele Gründe, doch es gibt auch viele Anlaufstellen und somit auch viele Gründe, positiv zu sein und selbst aktiv zu werden. 

Auch wenn dies während einer Depression natürlich kaum vorstellbar ist. Doch es macht einen entscheidenden Unterschied, das eigene Befinden aktiv in die Hand zu nehmen. Ein guter Ansprechpartner ist deshalb schon mal der erste Schritt. 

Zudem geben ein fester Tagesablauf und eine Struktur Halt. Dazu gehört auch das Einplanen von Aktivitäten, also Dinge, die einem gut tun: Sport, Freunde treffen, Spaziergänge – die Sommerlust genießen. 

Vorbeugen und lindern

Vor allem ein soziales Netzwerk trägt nachweislich dazu bei, Depressionen vorzubeugen und sie zu lindern. 

Alles leichter gesagt als getan? Ja, aber es gibt ganz großartige Anlaufstellen, die zur Seite stehen: „Wichtig ist es immer, gut zwischen depressiven ’Verstimmungen’, die wir alle kennen und die zum Leben dazugehören und der echten Erkrankung Depression zu unterscheiden“, heißt es bei der Stiftung Deutsche Depressionshilfe. Deren Anliegen ist es, Betroffene und Angehörige eben auf die Anlaufstellen zu verweisen, damit einfach mehr Menschen sich Hilfe suchen. Denn die Erkrankung ist mit professioneller Hilfe wirklich gut behandelbar.

Deshalb: Mutig sein, darüber reden, sich Hilfe nehmen und wieder Sommerlust verspüren.

 

(1) Jacobi et al., 2016; (2) Todesursachenstatistik 2020, Statistisches Bundesamt;

 

Anlaufstellen 

 

Tipps für die Angehörigen

Ratschlag / Wie können Sie Betroffene am besten unterstützen?

1) Akzeptieren Sie die Depression als Erkrankung!
Unterstützen Sie Ihre Angehörigen und stellen Sie die Krankheit nicht in Frage. Wie bei allen schweren Krankheiten sollten Sie so schnell wie möglich ärztlichen Rat einholen. Wenn Ihre Angehörigen nicht die Kraft haben, selbst einen Arzt zu konsultieren, gehen Sie mit ihnen und unterstützen Sie sie. 

2) Bleiben Sie geduldig. 
Viele depressiv Erkrankte sind verzweifelt, oft ziehen sie sich auch von ihrer Umwelt zurück. Seien Sie geduldig mit Betroffenen. Erinnern Sie sie daran, dass die Depression eine Erkrankung ist, die vorübergeht und sich gut behandeln lässt. Wenden Sie sich auch nicht von Ihren erkrankten Angehörigen ab.

3) Überfordern Sie sich nicht! 
Ist ein Mensch über Monate hinweg depressiv, belastet die Krankheit sicher auch Sie als Angehörigen. Deshalb ist es wichtig, dass Sie die Grenzen Ihrer Belastbarkeit kennen und Ihre eigenen Interessen nicht aus den Augen verlieren. Tun Sie sich öfter etwas Gutes, pflegen Sie Ihre Kontakte im Freundeskreis.

4) Seien Sie zurückhaltend mit gut gemeinten Ratschlägen!
Es hat keinen Sinn, einem depressiv erkrankten Menschen zu raten, abzuschalten oder für ein paar Tage zu verreisen, denn eine fremde Umgebung verstört den Patienten meist zusätzlich. Raten Sie dem Betroffenen auch nicht, „sich zusammenzunehmen“ – ein Erkrankter kann diese Forderung nicht erfüllen.

5) Treffen Sie keine wichtigen Entscheidungen! 
Machen Sie sich immer bewusst, dass depressiv Erkrankte die Realität in vielen Punkten durch die „depressive Brille“, das heißt verzerrt sehen und deshalb Entscheidungen treffen können, die sie nach überstandener Krankheit vielleicht ganz anders bewerten. 

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