Region: Augsburg Stadt

Gesundheitsreferent bezeichnet Corona-Impfung in Augsburger Kanzlei als "unsensibel"

Die mobilen Impfteams hatten in der vergangenen Woche Kapazitäten frei und haben Anwälte einer Augsburger Kanzlei geimpft. Nun hat sich der städtische Gesundheitsreferent zu dem Thema geäußert.

Nachdem in der vergangenen Woche die Mitarbeiter einer Anwaltskanzlei Corona-Impfungen erhalten haben, hat sich nun Gesundheitsreferent Reiner Erben zu dem Fall geäußert. 

Medienberichten zufolge sei die Kanzlei ausgewählt worden, da sich zu wenige bettlägerige Menschen meldeten und daher Kapazitäten übrig waren. Denn eigentlich sind die mobilen Impfteams dafür gedacht, zu Augsburgern nach Hause zu kommen, die alleine das Impfzentrum nicht aufsuchen können. „Die Entscheidung des Impfteams der Stadt Augsburg, Angehörige einer Steuerkanzlei in der Priorisierungsgruppe 3 zu impfen, ist rechtlich nicht zu beanstanden, aber unsensibel. Ich bedauere sehr, dass um den so notwendigen Gesundheitsschutz in der Corona-Pandemie öffentlicher Unmut entstanden ist“, sagt Erben.

Die Impfstrategie des Impfzentrums Augsburg fuße auf den Vorgaben der Coronavirus-Impfverordnung. Auf der Basis der Vorgaben zum Einsatz und Betrieb der bayerischen Impfzentren werden als erstes die Priorisierungsgruppen 1 und 2 geimpft. Wenn Impf-Kapazitäten frei sind, oder Impfstoff kurzfristig aus Haltbarkeitsgründen verimpft werden muss, dann werden Personen der Priorisierungsgruppe 3 geimpft.

Zur Augsburger Impfstrategie gehören neben dem Impfzentrum auch mobile Impfteams, die nach Prioritätenliste eingesetzt werden. Als Erstes wurden Alten- und Pflegeeinrichtungen angefahren. Derzeit sind weitere Einrichtungen und Personengruppen an der Reihe. Dazu zählen zum Beispiel Unterkünfte für Obdachlose ebenso, wie Angehörige des städtischen Ordnungsdienstes oder der Berufsfeuerwehr. „Je nach der Verfügbarkeit der Impfdosen, werden der Einsatzplan der mobilen Impfteams und das Impfvorgehen im Impfzentrum wöchentlich festgelegt“, so der Gesundheitsreferent.

Personen aus Justiz und Rechtspflege werden priorisiert

In der Corona-Impfverordnung wurden Personen aus Justiz und Rechtspflege wegen ihrer Systemrelevanz höher priorisiert. Diese Anforderung erfüllen nach Angaben der Stadt Augsburg auch die Personen aus der betreffenden Kanzlei, die jetzt geimpft wurden. Denn diese Anwälte würden unter anderem Senioren aus der Risikogruppe rechtlich betreuen und übernehmen Aufgaben, wie etwa die Bearbeitung von Überbrückungsgeld für Gewerbetreibende, die unaufschiebbar sind. "Alle geimpften Personen der Kanzlei haben eine eidesstattliche Erklärung im Sinne der Corona-Impfverordnung abgegeben", teilt die Stadt mit.

Um den vorhandenen Impfstoff ohne Verluste einsetzen zu können, erfordere jeder Impftag eine effiziente Planung. Ziel ist es dabei, möglichst viele Augsburger zu impfen. In der Woche vom 8. bis 12. März wurden laut Reiner Erben insgesamt 520 Personen von den mobilen Impfteams geimpft. Darunter fanden sich Berechtigte der Priorisierungsstufe 1 und 2 sowie Mitarbeitende systemrelevanter Organisationen und Einrichtungen wie Feuerwehr, Polizei und Ordnungsdienst der Priorisierungsstufe 3. Weiter standen Mitarbeitende der Kanzlei, ebenfalls Priorisierungsstufe 3, auf der Warteliste. "Dort konnten mit Unterstützung der Betriebsärztin vor Ort knapp 50 Personen mit relativ geringem Aufwand geimpft werden", sagt der Gesundheitsreferent, räumt aber ein: „Da jedoch höher priorisierte Personen noch keine Impfung erhalten haben, war diese Entscheidung des Impfteams der Stadt zwar pragmatisch und im Rahmen der Corona-Impfverordnung gerechtfertigt, aber den Personen der Priorisierungsgruppen 1 und 2 gegenüber unsensibel." Die Auswahl einer anderen, ebenso systemrelevanten Einrichtung wäre Aus Sicht von Erben angemessener gewesen.

Künftig werden die mobilen Impfteams nicht mehr kurzfristig ausrücken, wenn keine Termine mit Personengruppen oder Einrichtungen der Priorisierung 1 und 2 vereinbart sind. Stattdessen sollen die Impfdosen im Impfzentrum verimpft werden. Erst wenn alle Personen der ersten beiden Priorisierungsgruppen geimpft sind, sollen Personen der Gruppe 3 geimpft werden. Bereits vereinbarte Termine der Priorisierungsgruppe 3 wurden nun storniert. (pm)

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