Region: Augsburg Stadt

Eine Heimat für Wildtiere im Gewerbegebiet schaffen

Artenschutz im Gewerbegebiet: Neben einem Lagerplatz haben Karin Frank und Benjamin Vogt auf dem Oberhauser Betriebsgelände der Lechwerke ein Biotop angelegt.

Mitten im Gewerbegebiet in Augsburg-Oberhausen soll der Artenschutz vorangetrieben werden. So haben sich auf dem Betriebsgelände der Lechwerke (LEW) an der Stuttgarter Straße inzwischen zahlreiche Bienenarten, Igel, Eidechsen und verschiedene Holzbewohner angesiedelt. "Wir wollen zeigen, was man im gewerblichen Umfeld für die heimische Flora und Fauna tun kann", sagt Pressesprecher Ingo Butters. Zur Hilfe steht dem Energieversorger dafür der Chef der Augsburger CityFarm, Benjamin Vogt, der mittlerweile bei LEW angestellt und für Arbeitssicherheit und Umweltschutz zuständig ist.

"Unser großes Ziel ist die Renaturierung sowie ökologische Aufwertung der Stuttgarter Straße", erklärt Vogt. Dafür sollen 120 Nistkästen – passend zu 120 Jahren LEW– für viele Vogelarten angebracht und somit ein ganzjähriges Nahrungsangebot für Vögel und Bienen geschaffen werden. Vogt ist auf dem Oberhauser Standort für die Planung und Umsetzung der Artenschutzmaßnahmen verantwortlich.

Auf der Heizzentrale wurden Bienenstöcke aufgestellt, die nun 50 000 Bienen beherbergen. Sensoren zeigen an, wie viele Tiere gerade da sind und erkennen, falls sich ein Schwarm bildet und das Bienenvolk möglicherweise ausbüchsen will.

Direkt am Eingang des Betriebsgeländes befindet sich neben einer Ladestation für E-Autos eine "Nektartankstelle" mit 32 verschiedenen Pflanzenarten. Viele der Pflanzen können extreme Wetterereignisse wie Hitze oder Kälte überstehen. So soll sichergestellt werden, dass "immer etwas überlebt", so Vogt.

Nur wenige Meter weiter befindet sich ein Insektenhotel, in dem derzeit sieben Bienenarten leben. "Vielfalt statt Einfalt", lautet hier das Motto. Denn neben dem Hotel befindet sich ein großer Wurzelstock mit Katzenminze und verschiedenen Böden wie Lehm, Sand, Ton und Schluff. "Die verschiedenen Substrate brauchen die Wildbienen, um die Löcher im Stock zu stopfen", erklärt Vogt. Die Rote Mauerbiene beispielsweise verwendet Lehm, um die Kammer zu schließen, nachdem sie Pollen und Eier abgelegt hat.

Die gebohrten Löcher im Holz des Insektenhotels sollen Spechtlöcher nachahmen. Hobby-Imkern rät Vogt, unbedingt darauf zu achten, dass die Öffnungen frei von Holzsplittern sind. "Die Spreißel zerreißen sonst die Flügel der jungen Bienen", so der LEW-Umweltschutzbeauftragte.

Ein bisschen abgelegener in der Ecke eines großen Lagerplatzes haben Vogt und sein Team ein Wildbienen- und Eidechsenbiotop angelegt. Dort wurden Kies und Sand aufgeschüttet und mit Stein- und Totholzstrukturen Unterschlupfmöglichkeiten geschaffen. "Es sieht wüst aus, ist aber sehr wertvoll", sagt die Leiterin des Arbeitskreises Artenschutz bei LEW, Karin Frank. Unter Ästen und Laub befindet sich ein Igelhaus und im Sand sind Löcher von Zauneidechsen zu erkennen. Die Ruhe in diesem Bereich des Betriebsgeländes tut aber nicht nur den Wildtieren gut. Auch Mitarbeiter, vor allem Lasterfahrer in ihren Ruhepausen, suchen das Biotop regelmäßig auf und können auf Baumstämmen entspannen. Wie die Kraftfahrer Vogt mitteilten, sei dieser Ort "wichtig für die private und emotionale Gesundheit".

Die Flächen der LEW-Gruppe umfassen von Monheim bis Schongau und von Illertissen bis Aichach mehr als 800 Hektar. Auf den Grundstücken befinden sich 18 Betriebsstellen, 127 Umspannwerke, zwölf Solarparks und 36 Wasserkraftwerke. In Zusammenarbeit mit Naturschutz und Landschaftspflege sollen künftig an allen Standorten geeignete Artenschutzmaßnahmen angegangen werden.

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