Region: Augsburg Stadt

Hohe Kita-Nachzahlungen sorgen für Unmut bei Augsburger Eltern

Während der Pandemie blieben die Augsburger Kitas zeitweise leer. Die besonderen Umstände sorgten auch für Problemen bei der Berechnung der Kitagebühren.

Zeitweise Schließungen, Notfallbetreuung, Quarantänefälle und neue staatliche Zuschussregelungen: Die Bearbeitung der städtischen Kitagebühren war laut dem Bildungsreferat in den vergangenen zwei Jahren "komplex". Die Organisation der Abrechnung sorgt nun allerdings für Unmut unter den Eltern, denn auf viele von ihnen kamen zum Ende des Jahres 2021 teure Nachzahlungen zu.

2200 Euro waren es für eine Familie, die sich mit dem Problem an unsere Redaktion wandte. Man habe auch von Fällen gehört, in denen der Betrag deutlich höher ausfiel. "Für die betroffene Familien ist das eine große finanzielle Belastung", betonte der Vater. Für sozial schwächere Familien handle es sich gar um eine "absolut katastrophale Vorgehensweise". Unter den Augsburger Eltern von Kindergarten- und Hort-Kindern habe so zum Ende des Jahres "einiger Unmut" geherrscht.

Hintergrund der Nachzahlungen ist laut den Bescheiden, die die Eltern erhielten, neben den besonderen Umständen der Corona-Krise auch die Umstellung des städtischen EDV-Systems. Auch diese hat laut einem Statement des Bildungsreferats allerdings mit der Pandemie zu tun. Schon ohne die zusätzlichen Herausforderungen der Pandemie sei die Abrechnung der Kitagebühren ein "höchst individuelles Verfahren", heißt es aus dem Amt. "Entsprechend war eine Automatisierung der Abrechnung notwendig, die dann allerdings zu technischen Problemen führte. Die Abbuchungen wurden deswegen nicht mehr automatisiert vorgenommen, stattdessen mussten die Abrechnungen analog bearbeitet werden."

Aufgrund der großen Zahl der in den städtischen Kitas betreuten Kinder habe das einen erheblichen Mehraufwand für das Amt der Kindertagesbetreuung bedeutet. Deswegen sei es zu einer vorläufigen Stundung der Beiträge gekommen. Das Amt habe gegenüber den Eltern allerdings mehrmals kommuniziert, dass die Beiträge zu einem späteren Zeitpunkt fällig werden würden, betont das Bildungsreferat. Ein Erlass der Gebühren sei nicht möglich gewesen, da "der Gesamtbetrag der Kitabeiträge dringend für die Finanzierung der ohnehin schon stark subventionierten Kindertageseinrichtungen und die Gewährleistung einer qualitativ angemessenen Betreuung benötigt wird".

"Bitter" ist laut dem verärgerten Vater allerdings vor allem die Höhe der Nachzahlungen, die kurz vor Weihnachten besonders einkommensschwache Familien vor Probleme gestellt hätten. "Es ist unverständlich, warum die Stadt trotz der Umstellung nicht wenigstens eine Art Basisgebühr einziehen konnte, um später eine konkrete Abrechnung zu erstellen", kritisierte der Vater. "Stattdessen wurde lange gar kein Geld eingezogen, nun gibt es große Nachforderungen." Der ganze Vorgang sei von Seiten des Amts "unglücklich organisiert" worden.

Nachzahlungen musste dagegen etwa eine andere Familie, deren Kind in einem Kindergarten eines kirchlichen Trägers untergebracht ist, nicht erwarten. Sie zahlte die Gebühren während der Pandemie durchgehend monatlich weiter. Nicht fällig wurde während der Zeit der Schließung lediglich der Beitrag für die nicht stattfindende Verpflegung.

Das Bildungsreferat der Stadt betont unterdessen, dass es sich bei den Nachzahlungen nicht um zusätzliche Beiträge handle, sondern um die "tatsächlichen Betreuungskosten", die vom Amt für Kindertagesbetreuung angepasst und rechtlich geprüft worden seien. "Die Verärgerung bei Eltern ist verständlich", gibt das Referat allerdings zu. "Schließlich ist es gewöhnlich so, dass Kitabeiträge monatlich abgebucht werden." Das Amt für Kindertagesbetreuung habe deshalb auch beschlossen, dass die ausstehenden Beträge in drei Raten gezahlt werden können.

Dennoch sei die Situation auch für die Stadt "nicht zufriedenstellen". Das Amt für Kindertagesbetreuung prüfe deshalb aktuell die Anschaffung eines neuen Abrechnungstools, "um derartige Umstände in Zukunft zu vermeiden".

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