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Impfdrängler oder Resteverwerter? Wie die AWO die vorgezogenen Corona-Impfungen erklärt

Ein Leiter und eine Leiterin von Augsburger AWO-Heimen haben ihre Lebenspartner vorzeitig impfen lassen. Dies sei immer noch besser, als den Impfstoff verfallen zu lassen, sagt die AWO (Symbolfoto).

Nach der Affäre um vorgezogene Corona-Impfungen versucht sich die AWO-Schwaben nun an einer Erklärung und berichtet, wie die beiden „Vorrangimpfungen“ aus ihrer Sicht abliefen.

Ein Leiter und eine Leiterin von Augsburger AWO-Heimen haben ihre Lebenspartner gegen Corona impfen lassen, obwohl diese noch nicht an der Reihe gewesen wären. Wie Brigitte Protschka, Vorsitzende des Verwaltungsrates der Arbeiterwohlfahrt in Schwaben, erklärt, sei die „Vorrangimpfung“ in der AWO-Einrichtung in Augsburg-Herrenbach am 16. Januar so abgelaufen, dass sich bereits gegen Mittag abgezeichnet habe, "dass aufgezogene Impfdosen wohl übrigbleiben könnten". Die Einrichtungsleiterin habe deshalb im Einvernehmen mit dem Impfteam zunächst die Impfung von Polizeibeamten aus dem naheliegenden Revier organisiert. Gegen 15.30 Uhr seien zwischen zehn und 15 Beamte geimpft worden. "Als gegen Ende des Impfgeschehens noch einige bereits auf Spritzen aufgezogene Dosen übrig waren, impfte das Team zwei der Heimleiterin bekannte Personen", erklärt Protschka. Die Leiterin habe die beiden vorab bereits mit Blick auf eventuell übrig bleibende Dosen benachrichtigt. Bei den Männern habe es sich um den Lebensgefährten der Heimleiterin und dessen Mitarbeiter gehandelt.

"Besser geimpft als verworfen"

Der Lebensgefährte betreibe eine Kfz-Werkstätte und helfe der Heimleiterin gelegentlich bei Reparaturen im Haus. Außerdem betreue er mit seinem Mitarbeiter die Fahrzeuge des Ambulanten Dienstes der AWO in Fürstenfeldbruck. Dort werde der Lebensgefährte vom Gesundheitsamt als systemrelevant angesehen. Die Leiterin habe die beiden dem Impfteam vorgestellt "und teilte mit, dass diese nichts mit dem Heim zu tun hätten. Mit der Bemerkung 'besser geimpft als verworfen' wurden diese dann geimpft", so Protschka.

Ehefrau des Einrichtungsleiters geimpft

Im Falle des Einrichtungsleiters des Hauses in Augsburg-Haunstetten sei die Impfung am 15. Januar wie folgt abgelaufen: Nachdem auch in dieser Einrichtung sich im Laufe des Tages abgezeichnet habe, dass Impfdosen übrig bleiben könnten, seien im Einvernehmen mit dem Impfteam vorsorglich im Heim tätige Haunstetter Praxisärzte benachrichtigt worden. "Nachdem diese später – als sich der Dosenüberschuss bewahrheitete – geimpft waren, sind noch aufgezogene Spritzen übrig geblieben", berichtet Protschka. Wiederum im Einvernehmen mit dem Impfteam seien diese "einem gerade im Hause befindlichen Hausarzt und der Ehefrau des Einrichtungsleiters verabreicht worden". Die Ehefrau des Heimleiters sei dem Impfteam entsprechend vorgestellt worden. "Letzthin lief alles zur Zufriedenheit aller ab, denn es sollten jedenfalls alle Impfdosen Verwendung finden".

AWO erkennt keine "Vordrängelei" oder "Selbstbedienungsmentalität"

Die Vorsitzende des Verwaltungsrates betont: "Die durchgeführte Impfung der drei in den Medien angesprochenen externen Personen war ein Fehler. Dies insbesondere mit Blick auf den hierdurch in der Öffentlichkeit entstandenen Eindruck. Eine 'Vordrängelei' oder eine 'Selbstbedienungsmentalität' kann hierbei aber nicht erkannt werden." Die Heimleitungen bedauerten ihr Vorgehen und würden "heute andere Prioritäten setzen". Letzthin aber werde "der Bundesgesundheitsminister richtig liegen, wenn er vorbringt, dass das Wegwerfen von Impfstoff unverantwortlich sei".

Bei einer nachträglichen Beurteilung dürfe zudem nicht ungeachtet bleiben, "dass es für alle Beteiligten vor Ort – Impfteams und Heimträger – nicht leicht war und ist, unter gewaltigem Zeitdruck und unter der großen Anspannung unter den Bedingungen einer Pandemie, diese große Herausforderung erfolgreich anzugehen". (jaf)

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