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Jahresrückblick 2020: Das Krisenjahr in der Rückschau

Jahresrückblick 2020: Eine Chronologie eines denkwürdigen Jahres.

Von A wie Altenheime am Limit bis Z wie Zahnpasta-Gate des FCA-Trainers in Quarantäne: Die meisten Nachrichten 2020 standen auch in der Region mit Corona in Verbindung. Eine Chronologie eines denkwürdigen Jahres.

Das Jahr 2020 wird wohl überall auf der Welt als das Corona-Jahr in Erinnerung bleiben. In der Region beginnt es am 4. März. An diesem Tag gibt der Landkreis Augsburg bekannt, dass sich ein Mann aus Kutzenhausen und eine Frau aus Bonstetten mit der Viruserkrankung angesteckt haben. Sie sind die ersten bekannten Corona-Patienten aus der Region Augsburg. Danach geht es schnell, noch im März wird alles heruntergefahren – und das Pandemie-Jahr, um nicht zu sagen, das Seuchenjahr, nimmt auch hierzulande seinen Lauf.

Januar: Augsburg blickt nach Rom

Zu Beginn des Jahres ist Corona indessen noch relativ weit entfernt. In Europa gibt es erst Ende Januar vereinzelte Fälle von erkrankten Geschäftsreisenden. Am 27. Januar wird der erste Covid-Fall Deutschlands aus dem Landkreis Starnberg gemeldet. Die Fuggerstadt blickt Ende Januar nach Rom. Papst Franziskus verkündet, wer Konrad Zdarsas Nachfolge als Bischof von Augsburg antreten soll. Und es gibt eine Überraschung: Denn selten fällt das Bischofsamt an einen Geistlichen, der bereits zuvor im Bistum tätig war. Der neue Bischof Bertram Meier allerdings stammt selbst aus dem Bistum Augsburg, aus Kaufering, und war für das Bistum zuvor bereits in zahlreichen Positionen tätig. Die Bischofsweihe wird für März anberaumt. Den Termin macht jedoch Corona zunichte. Die Weihe findet letztendlich erst im Juni statt.

Februar: Ein Sturm zieht auf

Im Februar macht vor allem "Sabine" von sich reden – ein Sturmtief, das auch in der Region wütet. Feuerwehren im Dauereinsatz, umgestürzte Bäume, gesperrte Straßen; und sogar die Schulen werden wegen des Sturms geschlossen. In Augsburg jagt eine Windböe mit 100 Stundenkilometern über das Blechdach von Peek und Cloppenburg. Das Dach stellt sich auf und knickt schließlich um. Wegen Absturzgefahr wird sogar die Straßenbahnhaltestelle vor dem Gebäude für einige Tage gesperrt.

Nicht vom Winde, sondern von Showa Denko weggefegt werden in Meitingen zahlreiche Arbeitsplätze. Im Februar gibt der Grafitelektroden-Hersteller bekannt, die Produktion am Standort einzustellen. 130 Mitarbeiter verlieren dadurch bis Jahresende ihren Arbeitsplatz. Gute Nachrichten gibt es nur für die Elefanten des Augsburger Zoos: Nach fast zwei Jahren Bauzeit eröffnet das Elefantenhaus.

März: Und dann kommt Corona

Ein Mann aus Kutzenhausen und eine Frau aus Bonstetten haben sich mit Corona angesteckt – die Nachricht verbreitet sich Anfang März schlagartig. Der Landkreis Augsburg lädt zur Pressekonferenz. Dass sich der Mann im Familienurlaub in Südtirol in Norditalien infizierte, kritisiert Landrat Martin Sailer insofern scharf, da Südtirol zu diesem Zeitpunkt vom Robert-Koch-Institut nicht als Risikogebiet eingestuft war. Kurz darauf geht zudem die Meldung über einen ersten Fall im Landkreis Aichach-Friedberg ein und schnell breitet sich das Virus in der Region weiter aus. Behörden, Organisationen und Vereine sagen eine Veranstaltung nach der anderen ab.

Am 16. März ruft Bayern den Katastrophenfall aus. Wenig später tritt die Ausgangsbeschränkung in Kraft. Die Maßnahmen des ersten Lockdowns werden in der Folge mehrmals verlängert. Ab Mitte April gibt es aber auch erste vorsichtige Lockerungen.

Aber zurück zu den Absagen: Mitte März wird ebenfalls klar, dass die Fußballbundesliga eine Zwangspause einlegen muss. Da geht fast unter, dass der FC Augsburg seinen Trainer wechselt. Der Verein trennt sich von Martin Schmidt und geht mit dem neuen Coach Heiko Herrlich erst einmal in die Corona-Pause.

Anders als die Fußballbundesliga, die nur pausiert, reagiert die Deutsche Eishockey Liga (DEL) und beendet ihre Saison vorzeitig. Geisterspiele wie im Fußball, ohne Zuschauereinnahmen, sind im Eishockey nur schwer zu finanzieren. Die Augsburger Panther schaffen es im März in Person von Steffen Tölzer in die Negativ-Schlagzeilen. Der damalige AEV-Kapitän wird wegen gefährlicher Körperverletzung verurteilt. Tölzer hatte in München einen Mann ins Gleisbett einer S-Bahn gestoßen und ihn dabei verletzt.

Und dann sind ja auch noch Kommunalwahlen. Am 15. März wählt die Region ihre Rathauschefs, Stadträte, Gemeinderäte, Landräte und Kreisräte. In Augsburg tritt Kurt Gribl nach zwölf Jahren als Oberbürgermeister nicht mehr an. Seine Nachfolge wird erst in einer Stichwahl zwei Wochen später entschieden. Eva Weber (CSU) setzt sich klar gegen Dirk Wurm (SPD) durch.

April: Schwarz-grüne Einigkeit

In Augsburg einigen sich die CSU und die Grünen im April auf eine gemeinsame Koalition. In den sechs Jahren zuvor hatte es ein Dreierbündnis aus CSU, SPD und den Grünen gegeben. Nun ist die SPD raus und die erste schwarz-grüne Stadtregierung in der Geschichte der Fuggerstadt startet im Mai ihre Arbeit.

Starten sollen hätte auch die Bayerische Landesausstellung, heuer im Wittelsbacher Land. Am 29. April ist der eigentliche Eröffnungstermin. Doch der entfällt wegen Corona. Erst am 10. Juni beginnt die Landesausstellung im Landkreis Aichach-Friedberg letztendlich.

Mai: Schul-Übernahme und Zahnpasta-Gate

Die Krise der Augsburger Privatschule Hermann-Schmid-Akademie, die bereits im Vorjahr wegen Vorwürfen des Subventionsbetrugs in die Schlagzeilen geraten war, findet im Mai ihr Ende. Das Bistum Augsburg kauft die Akademie für 18,35 Millionen Euro. Nachdem lange nicht klar war, ob und wie es für die Schule – und vor allem für die Schüler – weitergeht, können Schüler und Eltern nun aufatmen, dass ein neuer Träger gefunden ist.

Aufatmen auch bei Fußballfans: Im Mai endet die Corona-Zwangspause der Bundesliga. Der FC Augsburg empfängt den VfL Wolfsburg – und Neu-Trainer Heiko Herrlich verpasst den Auftakt. Während der Hotel-Quarantäne verlässt er das Gebäude, um Zahnpasta und Hautcreme zu kaufen. Damit verstößt Herrlich gegen eine der "Sicherungsmaßnahmen" der Deutschen Fußball Liga (DFL). Diese hatte überhaupt nur durch die Ausarbeitung eines Hygiene- und Sicherheitskonzepts die Erlaubnis der Politik erhalten, trotz Corona-Pandemie den Spielbetrieb wieder aufzunehmen. Herrlich sitzt dank seines Zahnpasta-Gates, wie einige Medien titeln, zum Bundesliga-Re-Start nicht auf der Bank. Der FCA verliert 1:2.

Juni: Habemus bertram

Habemus papam heißt es in Rom, wenn ein neuer Papst gewählt wurde. Augsburg hat mit Bertram Meier im Juni endlich auch offiziell einen neuen Bischof. Nach langer Corona-Wartezeit findet die Bischofsweihe statt. Habemus bertram, quasi. Oder wie echte Lateiner sagen, dass es richtig heißen muss: Habemus bertramum.

Zudem nimmt im Juni die Diskussion über den öffentlichen Nahverkehr Fahrt auf. Der Augsburger Verkehrs- und Tarifverbund (AVV) will seine Preise zum Juli erhöhen – in einer Zeit, in der ohnehin die meisten Menschen aus Angst, sich im ÖPNV mit Corona zu infizieren, aufs Auto umgestiegen sind. Attraktiver werden die Öffentlichen durch Preiserhöhungen jedenfalls nicht. Doch die Kritik nützt nichts: Die AVV-Tickets werden zum 1. Juli teurer.

Juli: Von wegen Sommerloch

Eine Fliegerbombe wird in Lechhausen entschärft – inklusive A8-Sperrung und großräumiger Evakuierung –, in Augsburg beginnt der "Sommer in der Stadt" – der mit Fahrgeschäften und anderen Attraktionen die von der Pandemie gebeutelten Schausteller entlasten soll –, eine Bombendrohung, die im Augsburger Rathaus eingeht, Proteste gegen Stellenabbau und Kürzungen bei MAN, Premium Aerotec, SGL, Faurecia, Showa Denko, Kuka und Manroland sowie Streit über einen geplanten Windpark in Dinkelscherben – in der Region gibt es 2020 kein Nachrichten-Sommerloch.

August: Olympionikin für den AVV

Linda Kisabaka stellt sich im August als neue AVV-Geschäftsführerin vor. Die gebürtige Wuppertalerin bringt viele Jahre Branchenerfahrung mit nach Augsburg. Das besondere: In den 1990er Jahren war Kisabaka als Leichtathletin erfolgreich. Ihre größte sportliche Errungenschaft war die Bronzemedaille mit der 400-Meter-Staffel bei den Olympischen Spielen 1996 in Atlanta. Beim AVV beerbt sie Olaf von Hoerschelmann, der seit der viel kritisierten Tarifreform schon länger umstritten war.

September: Hacker-Angriff auf den AVV

Der AVV bleibt auch im September Thema: Hacker verschaffen sich Zugang zur Kundenkarten-Datenbank und bekommen so Zugriff auf Zehntausende Kundendaten, darunter Adressen, Geburtsdaten sowie Festnetz- und Mobilnummern. Die Hackergruppe selbst gibt bekannt, man habe mit der Veröffentlichung der Schwachstelle lediglich erreichen wollen, dass die Datenlücke geschlossen werde.

Oktober: Die zweite Welle beginnt

Dass im Oktober der Königsplatz-Schläger-Prozess startet, die Universität Augsburg ihren 50. Geburtstag feiert, am Augsburger Medizincampus der Baustart beginnt, das neuste Bürgerbegehren gegen die teure Sanierung des Augsburger Staatstheaters anläuft, die lang erwartete Feuerwehrerlebniswelt eröffnet und der Bus-Kartell-Prozess beginnt, das alles rückt angesichts stark steigender Corona-Infektionszahlen in den Hintergrund. Vor allem die Stadt Augsburg entwickelt sich im Laufe des Oktobers zum Corona-Hotspot. Zum Monatswechsel erreicht Augsburg eine Sieben-Tage-Inzidenz von knapp 350 – und hat damit die höchste Corona-Inzidenz in ganz Deutschland. Der "Lockdown Light", wie die abgespeckte Variante der Corona-Maßnahmen im Herbst oft bezeichnet wird, tritt in Augsburg daher auch schon früher in Kraft als im Rest der Republik, nämlich am 30. Oktober.

November: Steigende Corona-Zahlen und bedeutende Gerichtsentscheidungen

Im November wird immer deutlicher, dass die abgeschwächten Maßnahmen nicht wirklich Wirkung zeigen. Die Infektionszahlen wollen nicht sinken, die Kliniken in der Region können die hohe Anzahl an Corona-Patienten kaum noch bewältigen und in den Altenheimen gibt es fast täglich neue Todesfälle. Doch sowohl die Bundes- und Landespolitiker als auch die Kommunalpolitiker ringen sich nur langsam zu schärferen Regeln durch.

Bedeutende Gerichtsentscheidungen stehen im November ebenfalls an. Das Urteil im Augsburger Königsplatz-Prozess fällt am 6. November: Für den Faustschlag, der am 6. Dezember 2019 zum Tod eines 49-Jährigen führte, und den anschließenden Angriff auf dessen 51-jährigen Begleiter wird der Haupttäter zu einer Jugendhaftstrafe von vier Jahren und sechs Monaten verurteilt. Die beiden weiteren Angeklagten, die sich ausschließlich für den Angriff auf den 51-Jährigen zu verantworten hatten, erhalten Bewährungsstrafen. Ein anderer Prozess endet bereits am 2. November vorläufig, und zwar ohne Urteil. Genau genommen wird die Verhandlung auch nur auf unbestimmte Zeit pausiert. Der Buskartell-Prozess geht aufgrund der hohen Infektionszahlen in Augsburg in die Pause, da die Angeklagten zur Corona-Risikogruppe gehören und die Hygieneauflagen im Gerichtssaal am Landgericht nicht eingehalten werden könnten. Den älteren Herren auf der Anklagebank wird vorgeworfen, den Wettbewerb im Öffentlichen Nahverkehr manipuliert zu haben und sich Aufträge mit einem Volumen von rund 71 Millionen Euro gesichert zu haben.

Und auch das Verwaltungsgericht rückt im November in den Fokus: Es entscheidet, dass das Klimacamp neben dem Augsburger Rathaus unter dem Schutz der Versammlungsfreiheit steht und daher bleiben darf. Im Sommer hatten Klimaaktivisten direkt neben dem Rathaus ein Lager aufgebaut, um gegen nicht ausreichende Klimapolitik zu protestieren. Die Stadt Augsburg wollte das Camp räumen – das Gericht verhindert dies mit seiner Entscheidung. Der Rechtsstreit ist noch nicht zu Ende. Die Stadt hofft auf die nächst höhere Instanz.

Dezember: Lockdown und Linie 5

Im Dezember bleiben die Corona-Zahlen hoch, die Adventszeit muss ohne Weihnachtsmärkte auskommen und Mitte des Monats schließt dann auch wieder der Einzelhandel. Deutschland geht in einen zweiten harten Lockdown, der bis 10. Januar 2021 gilt – mindestens. Immerhin: Die Impfzentren und die mobilen Impfteams stehen Ende Dezember in der Region bereit, ihren Betrieb beziehungsweise ihre Arbeit aufzunehmen.

Im Augsburger Dom wird im Dezember klar, welche bedeutenden Wand-Malereien lange überdeckt waren: Die Wandbilder, die ein Restaurierungs- und Forschungsteam untersucht hatte, entpuppen sich als ein 1000 Jahre alter Bilderzyklus zum Leben und Sterben Johannes des Täufers. Nicht ganz so lange mussten die Augsburger warten, bis endlich die Unterlagen zur Straßenbahnline 5 der Regierung von Schwaben vorgelegt werden. Allerdings immerhin rund fünf Jahre sind seit der ersten Ankündigung des Planfeststellungsverfahrens vergangen, als die Stadtwerke am 21. Dezember 2020 endlich die Pläne für die neue Tramstrecke bei der Genehmigungsbehörde einreichen. Wann die Trasse, über deren Verlauf es immer noch viele Unstimmigkeiten innerhalb der Politik und der Stadtgesellschaft gibt, gebaut werden kann, ist noch völlig offen.

Ähnlich offen ist auch der Fortgang der Corona-Pandemie. Fortsetzung folgt – leider – 2021. (jaf)

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