Region: Augsburg Stadt

Kaum mehr Intensivbetten frei: Krankenhaus-Ampel für die Region wenig aussagekräftig

Auch ohne viele Corona-Patienten und trotz bayernweit grüner Krankenhaus-Ampel sind die Intensivbetten in der Region vielerorts ausgelastet. Die Corona-Ampel sei ein untaugliches Warnsystem, findet etwa Hubert Mayer, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar.

Warum die Corona-Ampel nur wenig über die tatsächliche Corona-Lage in Krankenhäusern aussagt.

Alle 16 Betten der Intensivstationen der Krankenhäuser in Aichach und Friedberg waren am Mittwoch belegt, in der Stadt Augsburg sind 85 von 92 Intensivbetten belegt. Der Rettungsdienstbereich Augsburg, zu dem die Stadt und der Landkreis Augsburg sowie die Landkreise Donau-Ries, Dillingen und Aichach-Friedberg gehören, sah sich am Donnerstag vor einer Woche bereits zu einer Konferenzschaltung genötigt, um über die Intensiv-Kapazitäten zu sprechen. Vor allem aus Augsburg-Stadt kamen Anfragen, Patienten in umliegende Krankenhäuser abverlegen zu können.

Dies hat nur bedingt mit Corona zu tun. Am vorvergangenen Donnerstag und Freitag beispielsweise, als die Vertreter des Rettungsdienstbereichs tagten, waren in den Kliniken an der Paar nur zwei der 16 Intensivfälle wegen einer Covid-19-Erkrankung in Behandlung. „Die hohe Auslastung zeigt eigentlich eine zunehmende Normalisierung des Krankenhausbetriebs“, sagt Dr. Hubert Mayer, Geschäftsführer der Kliniken an der Paar. Neben akuten Notfällen werden nämlich Patienten nach Herzkatheder- oder gefäßchirurgischen Eingriffen dort überwacht. Wächst nun aber die Anzahl an Corona-Patienten, wird es auf den Intensivstationen eng. Die Inzidenz in der Region jedenfalls stieg zuletzt rasant an.

"Sinnhaftigkeit der Corona-Ampel von Anfang an in Frage gestellt"

Während in den Landkreisen Aichach-Friedberg und Dachau nur rund zwölf Prozent der Intensivbetten mit Covid-19-Erkrankten belegt sind, waren es in der Stadt Augsburg am vergangenen Donnerstag 19 Prozent und am Freitag 22 Prozent. „Ich habe die Sinnhaftigkeit der Corona-Ampel von Anfang an in Frage gestellt,“ sagt Mayer. Denn diese bilde die aktuelle Lage nicht gut ab – weder die Entwicklung der schweren Covid-19-Fälle, noch die Entwicklung in der Region.

Denn während die Lage rund um Augsburg eher kritisch ist, ist sie in Nordbayern entspannt. Eine bayerische Ampel kann darauf nicht reagieren. Zudem gibt es zeitlich gesehen große Schwankungen. Beim Intensivbettenregister kann die Farbe innerhalb eines Tages von Rot auf Grün wechseln.

Unterm Strich ist Mayer jedenfalls nicht glücklich mit dem System: „Eine Ampel ist für diejenigen, die das medizinische System steuern, ohne Bedeutung.“ Denn im Grunde müssen die Krankenhäuser dafür sorgen, dass aus ihrem Regelbetrieb nicht mehr Patienten auf die Intensivstation kommen, als die Corona-Lage zulässt – und das, obwohl die Ampel derzeit auf Grün steht. Wobei die Krankenhäuser mit vollen Intensivstationen natürlich umgehen können. Problematisch wird es erst, wenn durch Corona der Zustrom größer wird. „Schon seit drei bis vier Wochen beobachten wir einen langsamen, aber stetigen Anstieg in den Prognosemodellen“, sagt dazu Hubert Mayer. (cal/jaf)

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