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Krebskrank und auf der Flucht: Neunjährige Alina aus der Ukraine bekommt in Augsburg Hilfe

Victoria und Jewgeni mit ihren Töchtern Xenia und Alina (rechts). Die Familie ist aus der Ukraine nach Augsburg geflohen. Die krebskranke Alina wurde bereits am Uniklinikum operiert.

Als der Krieg in der Ukraine ausbrach, lag Alina gerade im Krankenhaus in Kiew. Gemeinsam mit ihrer Mutter war die Neunjährige in der Ukrainischen Hauptstadt in einer Kinderklinik – zur Behandlung ihres Gehirntumors. Alinas Vater und ihre Schwester befanden sich zu Kriegsbeginn in Saporischschja, im Südosten des Landes, dem eigentlichen Zuhause der Familie. Getrennt voneinander mussten sie fliehen. Nun ist die Familie wieder vereint in Augsburg. Und Alina bekommt im Uniklinikum Hilfe.

Bis zu 1000 krebskranke Kinder aus der Ukraine seien auf der Flucht, heißt es vom Universitätsklinikum. An der Augsburger Kinderklinik werden derzeit vier ukrainische Kinder mit Krebserkrankungen behandelt. "In Bayern haben wir unter den sechs Standorten des Kinderonkologischen Netzwerks in der letzten Woche 24 Kinder aus der Ukraine verteilt", berichtet Prof. Dr. Dr. Michael Frühwald, Direktor der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin in Augsburg. Er rechnet in den kommenden Wochen noch mit deutlich mehr jungen Patienten aus der Ukraine.

Die unterbrochene Krebstherapie müsse "so schnell wie möglich" fortgeführt werden, da die Heilungsraten zu einem nicht unerheblichen Teil von der zeitgerechten Verabreichung von Medikamenten abhänge, erklärt der Mediziner. Ganz einfach sei die Weiterführung der Therapie aber nicht, da erst die wichtigsten Voraussetzungen geschaffen werden müssen. Dazu gehören Frühwald zufolge möglichst genaue Informationen über die bisherige Therapie, das Einsetzen eines zentralen Venenzugangs für die Chemotherapie und ausreichend neue und gute Bilder für eine etwaige Operation.

Alina in Augsburg bereits operiert

Alina ist in Augsburg bereits neurochirurgisch operiert worden. Ihre Eltern, Victoria, 34, und Jewgeni, 41, sind erleichtert, dass ihrer Tochter schnell geholfen wurde. Andererseits macht der Familie der Krieg weiterhin zusätzlich zu schaffen.

Die jungen Patienten und ihre Familien seien "doppelt traumatisiert", von der Krebserkrankung und von der Flucht vor dem Krieg, betont Frühwald.

Nachrichten seien für sie derzeit Tabu, erzählen Alinas Eltern. Victoria sei anfangs jedes Mal zusammengezuckt, wenn "Christoph 40", der Rettungshubschrauber am Uniklinikum, ankam oder wegflog. Das Geräusch, sagt sie, zwinge ihre Gedanken jedes Mal zurück in die Heimat.

Victoria ist mit Alina mithilfe einer kirchlichen Organisation und Freiwilligen nach Deutschland geflohen. Mutter und Tochter kamen am 7. März in der Kinderklinik in Augsburg an. Jewgeni flüchtete mit der sechsjährigen Xenia im Privatauto. Die beiden erreichten Augsburg zehn Tage nach Alina und Victoria.

Konvoi mit Krebspatienten

Der Vater berichtet, dass er sich noch lange relativ sicher in Saporischschja gefühlt habe – bis das dortige Atomkraftwerk unter russischen Beschuss geriet. 1000 Kilometer waren es bis zur polnischen Grenze. Er und seine Tochter standen in einem hunderte Kilometer langen Stau von Flüchtenden. Pro Tag kamen sie 200 Kilometer weit. Zum Schluss sei Xenia nur noch apathisch gewesen, erzählt er.

Alina und ihre Mutter waren mit einem Konvoi auf der Flucht, in dem insgesamt 14 onkologische Patienten mit Begleitpersonen mitfuhren. Weil dieser mit einem roten Kreuz gekennzeichnet war, wurden sie durchgewunken, erzählt Victoria. Mit ihren Eltern, die in Saporischschja geblieben sind, steht sie im engen Kontakt. Am Vortag sei die Stadt unter Raketenbeschuss geraten, das Haus der Eltern habe gewackelt.

Versicherung für Notfallbehandlung

Alina, Xenia, Mutter Victoria und Vater Jewgeni sind nun erst einmal in Augsburg sicher. Die Kollegen des Psychosozialen Dienstes seien gemeinsam mit den staatlichen Stellen auf der Suche nach Unterkünften und Absicherung für den Lebensunterhalt für alle Familien, deren Kinder am Uniklinikum behandelt werden, erklärt Frühwald.

Und die teuren Krebstherapien? "Wenn die Kinder registriert sind, kann auch eine Versicherung zur Notfallbehandlung in Deutschland erfolgen", sagt Frühwald. Dazu gebe es einen Erlass des Bundesgesundheitsministeriums. (jaf/pm)

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