Region: Augsburg Stadt

Mehr Zeit für den Abschied: Neues Projekt unterstützt würdevolles Sterben in Pflegeeinrichtungen

LeserReporter Jutta Fiege aus Augsburg
von links: Stephanie Ludwig (Geschäftsführerin St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V.), Domkapitular Armin Zürn (1. Vorsitzender St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V.), Anne Rademacher (Geschäftsführerin Paula Kubitschek-Vogel-Stiftung), Paulus Metz (1. Bürgermeister Stadt Stadtbergen), Christine Dempert (Vertreterin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege) und Martin Schenkelberg (Sozialreferent der Stadt Augsburg).
Die Pflege eines Sterbenden ist eine große Herausforderung, die viel Zeit und Zuwendung erfordert. Immer mehr Menschen versterben mittlerweile in einem Pflegeheim. In stationären Einrichtungen fehlt es jedoch häufig an Zeit und Personal, um dem erhöhten Betreuungsbedarf der Sterbenden gerecht zu werden. Abhilfe schaffen will dabei jetzt im Raum Augsburg der St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V. innerhalb eines Modellprojektes der Paula Kubitscheck-Vogel-Stiftung München und in Zusammenarbeit mit drei lokalen Pflegeeinrichtungen. ZiB-heißt der neue Ansatz: „Zeitintensive Betreuung im Pflegeheim“.

Das Zauberwort für eine humane Pflege am Lebensende ist Zeit. „Mehr Zeit, mehr Pflege, mehr Leben“ lautet denn auch das Motto bei ZiB. Eine zeitintensivere Betreuung soll sterbenden Heimbewohnern und ihren Angehörigen mehr Sicherheit, mehr Ruhe und mehr Begleitung in den Stunden des Abschiednehmens vermitteln. „Wir wollen Lösungen finden, wie möglichst vielen Menschen ein Sterben in Würde ermöglicht werden kann“, betonte Domkapitular Armin Zürn als 1. Vorsitzender des St. Vinzenz-Hospiz-Vereins im Rahmen der Auftaktveranstaltung. Dabei zitierte er den Heiligen Vinzenz von Paul: „Die Liebe ist unendlich erfinderisch.“ Dies gelte insbesondere für die Begleitung Sterbender.

 

Doch was bedeutet das konkret? Neben dem St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V. sind ab sofort das Augsburger Caritas-Seniorenzentrum St. Raphael, das Pflegeheim Schlössle in Stadtbergen und das Seniorenstift Kaufering im ZiB-Modell am Start. In enger Kooperation wird in den drei genannten Pflegeeinrichtungen ein zusätzliches Zeitkontingent für die Palliativpflege geschaffen. Entsprechend geschulte Pflegekräfte werden von den Einrichtungen für 10 Stunden im Monat von anderen Aufgaben freigestellt, damit sie mehr Zeit haben, sich um die sterbenden Heimbewohner zu kümmern. Weitere 20 Stunden übernimmt das Hospiz im Rahmen von 450-Euro-Beschäftigungen.

 

Auf diese Weise können sich nun die sogenannten ZiB-Kräfte intensiver und ohne Termindruck der aufwändigeren Grundpflege oder der Erfüllung individueller Wünsche der Sterbenden - etwa bei der Nahrungsaufnahme oder in Gesprächen - widmen. Aber auch der Beratung von Angehörigen sowie der Zusammenarbeit mit Ärzten oder einem Hospizdienst wird so deutlich mehr Raum gegeben.

 

Um Effekte aufzuzeigen und zur Qualitätssicherung wird das Projekt parallel durch eine Begleitstudie analysiert. So soll herausgefunden werden, ob sich dadurch z.B. die Krankenhauseinweisungen reduzieren lassen.

 

Finanziert wird das mit gut 50.000 Euro veranschlagte Projekt zunächst bis November 2022 durch einen gemeinsamen Schulterschluss aller beteiligten Institutionen und mit Unterstützung des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege, das den größten finanziellen Anteil übernimmt. Der St. Vinzenz-Hospiz Augsburg e.V. beteiligt sich neben der eigenen ambulanten und stationären Sterbebegleitung an diesem Projekt, um mehr Menschen auch in anderen Einrichtungen ein würdevolleres Sterben zu ermöglichen. Dabei unterstützt der Hospizverein mit fachkundigem Coaching für die Pflegekräfte vor Ort. Zudem soll damit auch die Arbeit der Pflegekräfte mehr Wertschätzung erfahren.

 

„Menschen am Ende ihres Lebens brauchen die Gewissheit, dass sie in ihrer letzten Lebensphase nicht allein sind, dass sie liebevoll und ganzheitlich versorgt und begleitet werden“, mit diesen Worten honorierte Christine Dempert als Vertreterin des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit bei der ZiB-Auftaktveranstaltung das Bemühen um eine intensivere Betreuung Sterbender in Pflegeeinrichtungen. Sie dankte ausdrücklich der Paula-Kubitscheck-Vogel-Stiftung, die dieses Betreuungsmodell seit 2006 auf den Weg bringt, damit Menschen ein Sterben in Würde ermöglicht wird - mit dem Geschenk von mehr Zeit. Hier setzt nun auch im Raum Augsburg das ZiB-Projekt an.

Weitere Bilder

Mehr zum Thema

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X