Region: Augsburg Stadt

"Das muss Kino sein": Veranstalter spricht über die Entstehung des "Lechflimmern" und persönliche Highlights

Das Lechflimmern auf dem Gelände am Plärrerbad bietet bis in den September hinein Vorführungen an.

Das Augsburger Lechflimmern ist mittlerweile nicht mehr aus dem Veranstaltungskalender wegzudenken und gerade in diesem Jahr spüre man, wie wichtig es für die Menschen ist. Wie Veranstalter Franz Fischer nach dem Start in die Open-Air-Kino-Saison sagt, seien die Besucher heuer "froh und euphorisch", dass es nun endlich wieder mehr Freizeitangebote gibt.

Inzwischen kommen Menschen aus München und Ulm extra für das Lechflimmern nach Augsburg. "Das muss man sich manchmal erst begreiflich machen", erzählt Fischer. Denn dass das Konzept derart erfolgreich werden würde, damit hätte 1990, als er die Idee umsetzte, niemand gerechnet. "Uns haben alle ausgelacht und gesagt, dass das nie funktionieren wird."

Doch davon ließ sich Fischer, der die City-Kinos Thalia, Mephisto und Savoy betreibt, nicht unterkriegen. Aus der Not heraus, weil die Kinos im Sommer immer leer gewesen seien, habe er sich an Griechenland und Italien orientiert, wo es damals schon Open-Air-Kinos gab. Entgegen aller Erwartungen hätte es zum Start vor über 30 Jahren keinerlei Anlaufschwierigkeiten gegeben, ganz im Gegenteil: "Es ging von Null auf Hundert, es war ein Volltreffer", erinnert sich Fischer gerne zurück.

Augsburger Lechflimmern gehört zu den größten Freiluftkinos

Gab es in Deutschland zu der Zeit nur etwa zehn Freiluftkinos, so ist die Zahl mittlerweile auf über 400 angestiegen. Auch heutzutage gehört das Lechflimmern noch zu den zehn größten Open-Air-Kinos in der Bundesrepublik, "Champions-League sozusagen", freut sich Fischer über den anhaltenden Erfolg. Weltweit sei das Lechflimmern gar einzigartig mit seinen zwei Riesenleinwänden.

Zu den persönlichen Highlights des Betreibers gehören in all den Jahren, dass er dazu beitragen konnte, dass die "Eberhoferkrimis" einen derartigen Kultcharakter entwickelten. Die Verantwortlichen von "Constantin Film" seien 2013, als mit "Dampfnudelblues" der erste Teil fertig produziert war, noch unschlüssig gewesen, ob sich die Filme tatsächlich für Kinos eignen würden. Schließlich hätte sich die Produktionsfirma gemeinsam mit Fischer dazu entschlossen, den ersten Eberhoferkrimi im Lechflimmern "auszuprobieren".

Es komme zwar immer wieder mal vor, dass man mit Filmen daneben liegt und sie nicht so gut beim Publikum ankommen, aber gemeinsam habe man es einfach testen wollen. Mit mehr als 15.000 Besuchern sei "Dampfnudelblues" weit entfernt von einem Flop gewesen. Inzwischen erfreuen sich die Krimis einer riesigen Beliebtheit und ab 31. Juli ist mit "Kaiserschmarrndrama" der siebte Teil im Lechflimmern zu sehen.

Als Kommissar Franz Eberhofer befürchtet Schauspieler Sebastian Bezzel nach zwei Leichen innerhalb kurzer Zeit einen Serienmörder in Niederkaltenkirchen.

Besonders stolz ist Franz Fischer auf das friedliche und gemütliche "Lechflimmer-Feeling". Denn in all den Jahren sei es nie zu Ausschreitungen gekommen. "Die Atmosphäre führt dazu, dass Filmemacher hier gerne Premieren testen", so Fischer. Auch heuer umfasst das Programm gleich mehrere Premieren. Regisseur Marcus H. Rosenmüller ist dabei eine Art "Dauergast", er stellt mit "Rotzbub" und "Beckenrand Sheriff" gleich mehrere Filme vor.

Ebenfalls erwarten die Organisatoren Regisseur Waldemar Schleicher sowie die beiden Hauptdarsteller von "Verplant". Frei nach dem Motto "untrainiert und unaufhaltsam" versuchen zwei Männer, im Rekordsommer 2018 mit dem Fahrrad von Heiligenstadt in der Mitte Deutschlands nach Vietnam zu fahren und wollen dabei 15 Länder durchqueren.

Eihaltung der Corona-Regeln klappt dank weitläufigem Gelände gut

Über Corona müsse man sich laut Fischer beim Lechflimmern keine Sorgen machen. Bereits im vergangenen Jahr habe man ein Hygienekonzept getestet. "Die Einhaltung klappt gut", so der Veranstalter. Denn das Gelände am Plärrerbad in der Schwimmschulstraße sei sehr weitläufig und biete ausreichend Platz. Offiziell sind 1500 Besucher auf dem Gelände zugelassen, wie viel es aber tatsächlich sind, könne nicht so genau gesagt werden. Das hängt unter anderem damit zusammen, dass je nachdem, wer Tickets bucht, unterschiedliche Abstände eingehalten werden müssen. Wenn mehr Familien als Singles kommen, dann sind mehr Zuschauer erlaubt, sollten jedoch größtenteils Singles eine Vorführung besuchen, müssten mehr Abstände eingehalten werden, wodurch letztlich weniger Personen Platz haben.

Im Vergleich zu den normalen Kinos erfreue sich das Lechflimmern über zahlreiche Besucher. "Die Leute haben noch Angst, sich in geschlossenen Räumen zu treffen", vermutet Fischer und vergleicht die Kino-Situation mit der in der Gastronomie. Sind Biergärten meist gut besucht, klage die Innengastronomie über ausbleibende Gäste.

Unvergessen: Titanic sorgt Ende der 1990er für volle Lechflimmern-Wiese

Die Besucher des Lechflimmerns sind nach den Beobachtungen von Fischer aber nicht die "typischen Kinogänger". Unvergessen sei für ihn, wie Ende der 1990er, als Titanic erschien, die ganze Wiese mit unterschiedlichsten Personen voll war. Sowohl die Klosterschwester, als auch Singles und Paare über alle Altersgruppen hinweg hätten sich das Spielfilmdrama mit Leonardo Di Caprio und Kate Winslet angesehen. Fischer selbst stand hinter der Bühne und habe bei diesem Anblick nur für sich gedacht: "Das muss Kino sein."

Die Vorstellungen beginnen mit Einbruch der Dunkelheit. "Es kann schon sein, dass es auch mal kühler am Abend wird", geben die Veranstalter zu bedenken. Daher würden sich gegebenenfalls Decken und Kissen anbieten. Für das leibliche Wohl auf den Kinowiesen sei hingegen mit den Teams vom Biergarten Wertachau und dem Sonnendeck im Plärrerbad bestens gesorgt. Das Mitbringen von Speisen und Getränken ist verboten. Tiere müssen zudem draußen bleiben. Das Bad in der Schwimmschulstraße ist sowohl mit den öffentlichen Verkehrsmitteln als auch mit dem Fahrrad oder Auto gut zu erreichen. Von den Straßenbahnhaltestellen direkt am Plärrer und dem Curt-Frenzel-Stadion sind es nur wenige Minuten zu Fuß. Alle Lechflimmern-Kinos sind zudem barrierefrei zu erreichen. Eine Einzelkarte kostet 11 Euro, Kinder unter zwölf Jahren zahlen 4,50 Euro. Es gibt allerdings auch ein "10er Ticket" für 66 Euro.

Interessierte können Eintrittskarten im Internet unter www.lechflimmern.de oder an der Abendkasse kaufen. Auf der Homepage finden sich die komplette Programmübersicht sowie die derzeit geltenden Corona-Regeln. Außerdem gibt es dort ab 18.30 Uhr Informationen bei unsicherer Wetterlage.

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X