Region: Augsburg Stadt

Thomas Wibmer zum Stand der Corona-Pandemie Nächste Woche könnte die Hälfte der Augsburger Kontaktperson sein

Im Testzentrum am Plärrer können laut Umweltreferent Reiner Erben aktuell 1000 PCR-Tests pro Tag durchgeführt werden. Die Kapazitäten sollen aber demnächst auf 1500 Tests ausgeweitet werden.

Wenn die Corona-Quarantäne-Fälle aktuell konsequent nachverfolgt und durchgesetzt würden, müssten sich bereits jetzt rund ein Viertel der Augsburger Bevölkerung als Kontaktpersonen in Quarantäne befinden, so schätzt der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts,Thomas Wibmer. In der kommenden Woche könnte es sich bereits um die Hälfte der Bevölkerung handeln. Wibmer sprach am Donnerstag im Stadtrat zum Stand der Corona-Pandemie. Auch die Krankenhaus-Belegung könnte in den kommenden Tagen und Wochen wieder deutlich ansteigen.

Der Trend, dass die Corona-Inzidenzen sinken oder stagnieren, obwohl sich immer mehr Menschen mit der Omikron-Variante des Virus anstecken, ist laut Wibmer nicht nur in Augsburg zu beobachten. Wie in der Fuggerstadt seien die Gesundheitsämter aktuell in vielen Kommunen an ihren Kapazitätsgrenzen angelangt. Die Mitarbeiter kämen aktuell mit der Erfassung der Corona-Fälle nicht mehr hinterher, erklärte Wibmer. In Augsburg habe man deshalb beschlossen, zuerst die Infizierten selbst schriftlich zu informieren und die Meldung an das Robert-Koch-Institut erst in zweiter Priorität vorzunehmen. Der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts ging am Donnerstag davon aus, dass die Augsburger Meldungen aktuell rund zwei Tage im Rückstand seien.

"Etwas überdurchschnittliche Inzidenzen"

Allgemein habe man in Augsburg im deutschlandweiten Vergleich momentan "etwas überdurchschnittliche Inzidenzen". Das liege daran, dass die Stadt im Einzugsgebiet der Hotspot-Region München liegt. Auffällig sei zudem, dass die Omikron-Welle in der Stadt bislang vor allem bei den Unter-50-Jährigen angekommen ist. Die Inzidenzen seien in dieser Altersgruppe noch deutlich höher, die meisten Infektionen gab es laut den Daten des Gesundheitsamts in der Gruppe der Zehn- bis 20-Jährigen. Inzwischen zeige sich der Anstieg der Inzidenzen allerdings auch bei den Über-50-Jährigen, die ein größeres Risiko von schweren Krankheitsverläufen haben. Wibmer warnte deshalb, dass es in den kommenden Tagen und Wochen auch wieder zu deutlich mehr Fällen kommen könnte, die im Krankenhaus behandelt werden müssen.

Mit dem Rückgang der Delta-Variante ging die Hospitalisierungsrate in der Region Augsburg zunächst zurück. Nun steigt sie laut dem stellvertretenden Gesundheitsamtsleiter wieder deutlich an, befinde sich allerdings "noch im Rahmen". Bei der Zahl der Fälle, die in der Intensivstation behandelt werden müssen, sei sogar weiterhin eher ein Rückgang zu verzeichnen, so Wibmer am Donnerstag. Auf die Zahl der schweren Verläufe habe die Omikron-Welle also zumindest bisher "eher keinen Einfluss". Am Donnerstag befanden sich laut dem Universitätsklinikum 64 Patienten auf der Covid-Normalstation, sechs Corona-Patienten mussten auf der Intensivstation behandelt werden. Laut dem Intensivbettenregister waren am Freitag insgesamt rund 87,3 Prozent der 87 Intensivbetten in der Stadt Augsburg belegt.

Sieben-Tage-Inzidenz als untergeordneter Wert

Wibmer zufolge wird sich die Omikron-Variante aber wohl in den kommenden Wochen noch deutlich weiter verbreiten. Wenn die Quarantäne aktuell konsequent nachverfolgt und durchgesetzt würde, müssten sich bereits jetzt rund ein Viertel der Augsburger Bevölkerung als Kontaktpersonen in Quarantäne befinden, schätzte der stellvertretende Leiter des Gesundheitsamts. In der kommenden Woche könnte es sich bereits um die Hälfte der Bevölkerung handeln.

Wibmer betonte deshalb, dass sich die Kontaktpersonennachverfolgung in dieser Phase vor allem auf die vulnerablen Gruppen, etwa Bewohner von Alten- und Pflegeheimen, konzentrieren müsse. Auch die Sieben-Tage-Inzidenz könne im aktuellen Stadium der Pandemie bei der Festlegung der Maßnahmen eher als untergeordneter Wert betrachtet werden. Wichtiger sei der Blick auf die Krankenhausbelegung. Am Freitag lag der Inzidenzwert in Augsburg bei 848,1 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner. Thomas Wibmer ging im Stadtrat allerdings von einer tatsächlichen Inzidenz von rund 1200 aus.

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