Region: Augsburg Stadt

Neue Ausgrabungsfunde belegen: Augsburg ist der älteste Römerstützpunkt Bayerns

Bei archäologischen Grabungen im Augsburger Stadtteil Oberhausen bargen die Stadtarchäologen aus dem Kies 400 Kilogramm Fundmaterial, das nun ausgewertet wird.

Die Römer ließen bereits zwischen 8 und 5 vor Christus unter Kaiser Augustus ein Militärlager im neu eroberten Alpenvorland, genauer im heutigen Augsburger Stadtteil Oberhausen, errichten. Zahlreiche Neufunde, die die Stadtarchäologie nun auf einer Pressekonferenz präsentierte, scheinen diese Datierung zu bestätigen und charakterisieren Augsburg damit als ältesten römischen Stützpunkt in Bayern. 

„Die römischen Ursprünge unter Kaiser Augustus, den die Stadt bis heute im Namen trägt, sind seit jeher prägend und entscheidend für die Augsburger Identität", betonte Oberbürgermeisterin Eva Weber.

400 Kilogramm Artefakte entdeckt

Die neuen Funde wurden bei der archäologischen Untersuchung eines künftigen Wohngebiets in Oberhausen entdeckt. Sie lagen in einem römerzeitlichen Flussbett der Wertach, die um 1900 begradigt worden war. Mehrere 1000 Kubikmeter Kies wurden durchsucht und förderten Waffen, Werkzeuge, Geräte, Schmuck, über 800 Münzen, Geschirr, Transportgefäße und vieles mehr zu Tage.

Die geborgenen Fragmente und Artefakte mit einem Gesamtgewicht von über 400 Kilogramm stammen wohl alle aus dem Militärstützpunkt, der im 1. Jahrzehnt vor Christi Geburt eingerichtet wurde. Die Funde sind teilweise stark korrodiert und bis zur Unkenntlichkeit verkrustet. Die Konservierung, Freilegung und wissenschaftliche Bearbeitung steht noch bevor. Dennoch wurden schon jetzt ausgewählte Funde vorgestellt und erste Überlegungen angestellt.

Erstaunlich ist laut der Stadt neben der Fundmenge vor allem die hohe Qualität zahlreicher Produkte, zum Beispiels des Geschirrs aus Bronze, Keramik und Glas, die in Mittel- und Oberitalien sowie in Südfrankreich produziert wurden. Hervorzuheben sei etwa eine vollständig erhaltene Öllampe aus Bronze, deren Griff als Mondsichel gestaltet ist, die wiederum von einer Büste des Sonnengottes bekrönt wird.

Funde ermöglichen neue wissenschaftliche Erkenntnisse

Bereits im Jahr 1913 stieß man bei der Kiesgewinnung auf dem Gelände in Oberhausen auf römische Funde, die in die Zeit kurz nach Eroberung des Alpenvorlandes rund 15 vor Christus datiert wurden. Damals unterblieb jedoch eine archäologische Dokumentation der Fundkontexte, sodass später zahlreiche Zweifel aufkamen. „Die neuen Funde erlauben bei ihrer wissenschaftlichen Analyse nun zahlreiche neue Aussagen – nicht nur zur Funktion des Platzes, zur Herkunft und Zusammensetzung der Truppe und der Zivilisten, sowie zur Nachschublogistik – sondern vor allem auch zu seiner

Datierung“, erklärte der Leiter der Stadtarchäologie, Sebastian Gairhos.

Eine vollständig erhaltene Silberfibel mit aufgesetzten plastischen Insekten etwa, zeigt neben anderen Objekten, dass

auch Frauen im Lager lebten. Mit der Halbierung von mehreren Kupfer- und Bronzemünzen, die in Lyon und Nimes geprägt wurden, könnte ein Mangel an Kleingeld behoben worden sein. Alle Waren, wie auch viele importierte Lebensmittel mussten einen weiten Weg bis zum heutigen Augsburg zurücklegen, entweder über die Alpen oder flussaufwärts über Rhone und Saone. Von den notwendigen Transportmitteln zeugen noch ein vollständig erhaltener Eisenreifen eines Wagenrades und zahlreiche Amulette und Glöckchen vom Geschirr der Zug- und Reittiere.

Legionäre aus dem gesamten römischen Reich lebten in Augsburg

Die Funde beweisen zudem, dass die „ersten Augsburger“ nicht alle aus Italien stammten. Viele Legionäre und Offiziere kamen von dort, aber auch aus Spanien, Nordafrika und Südfrankreich. Die Reitersoldaten waren in Gallien oder am Niederrhein rekrutiert worden. Einige Frauen dürften aus der Region des Alpenvorlandes und der heutigen Nordschweiz gestammt haben.

Die neuentdeckten Objekte – chronologisch aussagekräftig sind vor allem Münzen und Importkeramik – scheinen die Frühdatierung des Stützpunkts im heutigen Oberhausen auf die Jahre zwischen 8 und 5 vor Christus zu bestätigen. Neben der militärischen Sicherung bestand die Aufgabe der Truppe im Aufbau der Infrastruktur. Gegen Ende der Regierungszeit von Kaiser Augustus, gegen 10 nach Christus, wurde der Platz durch ein Militärlager für circa 3000 Soldaten in der Augsburger Altstadt beim Stephansgarten ersetzt.

Aus der schnell wachsenden Zivilsiedlung außerhalb des Lagers entwickelte sich die Siedlung Augusta Vindelicum, im Mittelalter Augustburch und schließlich die Stadt Augsburg, die immer noch den Namen des Kaisers trug, unter dem in Oberhausen der erste Stützpunkt errichtet wurde.

Funde sollen auch präsentiert werden

Kulturreferent Jürgen Enninger freute sich über die Neuentdeckung. „Mit den Funden wird die Gründungsphase Augsburgs und damit die wichtige politische und kulturelle Zäsur unter dem römischen Kaiser Augustus nun

mit Händen greifbar", so Enninger. Nun stehe vorerst eine aufwendige Konservierung der Funde und ihre gründliche wissenschaftliche Auswertung bevor, auf deren Ergebnisse man jetzt schon gespannt sein könne. "Basierend auf diesen Ergebnissen gilt es, entsprechende Präsentationsformen zu erarbeiten", sagte Enninger. (pm)

Weitere Bilder

Kommentare

Anmelden um Kommentare zu schreiben

 


X