Region: Augsburg Stadt

Neun-Euro-Ticket wird in Augsburg "sensationell" angenommen

Stadtwerke haben bislang knapp 78.000 Tickets verkauft

Das 9-Euro-Ticket sorgt laut den Augsburger Stadtwerken nicht für überfüllte Straßenbahnen und Busse.

Für gerade einmal neun Euro im Monat können Reisende seit Anfang Juni deutschlandweit in allen Verkehrsmitteln des Öffentlichen Personennahverkehrs fahren. Gerade am Pfingstwochenende sorgte das günstige Ticket für überfüllte Züge und teilweise mussten Passagiere die vollen Bahnen verlassen. Jene, die mit dem Fahrrad unterwegs waren, wurden gar nicht erst in den Zug gelassen. Doch wie sieht es im Augsburger Nahverkehr aus?

"Wir hatten zu keinem Zeitpunkt ein Kapazitätsproblem", sagt Jürgen Fergg, Pressesprecher der Stadtwerke Augsburg. Zum einen liege das daran, dass die Stadtwerke zum Start des 9-Euro-Tickets alle Busse und Straßenbahnen eingesetzt hätten, die zur Verfügung stehen. Andererseits ziele das günstige Ticket eher auf die Freizeit ab, als auf den städtischen Nahverkehr. Um möglicherweise überfüllten Bussen und Trams vorzubeugen, wurden im Vorfeld Hauptuntersuchungen vorgezogen oder nach hinten geschoben.

"Was die reinen Fahrgastzahlen angeht, haben wir keine Erhöhungen feststellen können", sagt Fergg. Am Pfingstwochenende sei zwar etwas mehr los gewesen als sonst, das habe jedoch unter anderem auch am Modular-Festival gelegen. Trotz gelegentlicher Regenschauer zählte der Stadtjugendring als Veranstalter rund 27 000 Besucher an den drei Festival-Tagen. Wegen Corona musste das Festival im vergangenen Jahr deutlich kleiner ausfallen. Wie Stadtwerke-Sprecher Fergg berichtet, seien in diesem Jahr die Sonderfahrten zum Gaswerkgelände wieder fast durchgehend ausgelastet gewesen.

Ein genereller Vergleich der jetzigen Fahrgastzahlen zu den Vorjahren sei aufgrund der Pandemie jedoch schwierig. Die Stadtwerke wollen noch abwarten, wie sich die Fahrgastzahlen im Juli entwickeln und anschließend in eine intensive Auswertung gehen. "Das Mobilitätsverhalten ändert sich nicht von heute auf morgen, das ist ein längerer Prozess", sagt Jürgen Fergg. Viele Passagiere würden das 9-Euro-Ticket nun zum Testen benutzen.

In Bezug auf die Verkaufszahlen würde das Angebot "sensationell" angenommen. Bislang haben lediglich die Stadtwerke laut Fergg etwa 78 000 9-Euro-Tickets verkauft. Bei circa 300 000 Einwohnern in Augsburg bedeute das, "dass mehr als jeder Dritte ein Nahverkehrsticket hat", so der Stadtwerke-Pressesprecher. Wie viele verkaufte Tickets es tatsächlich sind, ist derzeit noch unklar, da der Fahrschein für neun Euro unter anderem auch an Automaten der Deutschen Bahn gekauft werden kann.

Im Juni, Juli und August zahlen auch alle Abo-Inhaber lediglich neun Euro. Sie bekommen den ermäßigten Betrag rückerstattet beziehungsweise er wird abgezogen. Außerdem entfällt bei Besitzern des 365-Euro-Abos die Sperrzeit, denn normalerweise gilt dieses Abo erst ab 9 Uhr.

Ob es mit Hilfe des 9-Euro-Tickets gelingt, dauerhaft Gäste für den ÖPNV zu gewinnen, bleibt abzuwarten. Problematisch könnte hierbei jedoch die Ankündigung des Augsburger Verkehrs- und Tarifverbunds sein, dass sich die Preise zum Jahresende möglicherweise um knapp zehn Prozent erhöhen könnten. "Für das jetzige Angebot werden in Zukunft mehr finanzielle Mittel nötig sein", erklärte AVV-Geschäftsführerin Linda Kisabaka. (pb)

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