Region: Augsburg Stadt

Selbstversorgung und Erholung: 100 Jahre Kleingartenanlage Lech-Nord

Freier Mitarbeiter Hans Blöchl aus Augsburg-Lechhausen
Vor dem Maibaum, der selbstverständlich auch in diesen Zeiten aufgestellt wurde, freuen sich von links: Der stellvertretende Obmann Stanislav Martinek, Obmann Alfred Steck und Kassiererin Gabriele Melzer.

In den 184 Gärten herrscht seit 1921 klare Ordnung, auch wenn sich der Zweck der Anlage gewandelt hat.

Eine der stadtweit größten Kleingartenanlagen feiert einen runden Geburtstag. Mit 184 Gärten ist die Kleingartenanlage Lech-Nord die größte im Augsburger Nordosten. Normalerweise wäre das Jubiläum ein Grund für eine große Feier, in den unsicheren Zeiten von Corona muss man bisher davon (noch) Abstand nehmen. Aber „vielleicht können wir ein großes Fest im Herbst dann nachholen“, sagt der derzeitige Obmann der Anlage, Alfred Steck.

Aus der Not eine Tugend machen

Im Jahr 1921, als die Anlage gegründet wurde, standen Fragen wie Natur- oder Klimaschutz nicht so sehr im Vordergrund, wie sie es heute tun. Gärten dientenweniger der Erholung und dem Hobby als Gärtner. Sie waren schlicht und ergreifend notwendig für die Selbstversorgung der Menschen. Der Erste Weltkrieg war etwas mehr als zwei Jahre beendet und die Not war vielfältig. Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln war nicht einfach. Deshalb waren die Kleingärten, von denen viele in diesen Jahren entstanden, vor allem ein Platz für die Selbstversorgung mit Lebensmitteln. Damals wurden Kartoffeln, Kraut und andere Nahrungsmittel angebaut, die man in den heutigen Gärten kaum mehr findet.

Heute steht das Erleben von schöner Umgebung mit vielen Blumen im Vordergrund, wobei immer noch auch Gemüse angebaut wird, weil „es aus dem eigenen Garten einfach besser schmeckt als aus dem Supermarkt“, erklärt eine Gärtnerin.

Die Anlage wird sehr gepflegt. Das liegt auch an einem strikten Reglement, das in den Kleingärten herrscht und auf dessen Einhaltung der Vorstand genau achtet. Es gibt Normen für das, was angebaut werden kann, wie Hecken auszusehen haben und noch einige andere. Trotzdem gibt es in den Gärten eine große Vielfalt.

Gemeinschaft steht im Vordergrund

Das gemeinsame Arbeiten Leben und auch Feiern im Kleingarten stand über die 100 Jahre immer im Mittelpunkt. Und auch heute wird in den Gärten noch gefeiert, man empfängt Besucher, grillt zusammen und genießt die frische Luft. Und jeder ist auch verpflichtet, gewisse Arbeiten für die Anlage zu verrichten, etwa die Terrasse vor dem Gartenheim zu pflastern. Die kleine Gaststätte mit Biergarten ist das Herzstück der Anlage. Man trifft sich dort zum Feierabendbier oder zum Brotzeit machen.

Das Gemeinschaftsleben habe sich allerdings im Vergleich zu früheren Zeiten doch ziemlich geändert, wie der Obmann anmerkt. Es gab Zeiten, da unternahm man gemeinsame Ausflüge mit einem oder sogar mehreren Bussen. Es gab sogar aktive Jugendgruppen, die den Jugendlichen die Möglichkeit boten, das Gartenhandwerk zu lernen. Das hat sich mittlerweile verändert, die Menschen haben sich doch eher in ihre Gärten zurückgezogen, wo sie eben die kleine Nachbarschaft pflegen.

Die Mitglieder der Anlage sind auch im sozialen und kulturellen Leben des Stadtteiles Lechhausen sehr verankert. Eine Kooperation gibt es mit der Caritas Sozialstation man lädt jährlich die Patienten in das Gartenheim zu Kaffee und Kuchen. Die Teilnahme mit geschmückten Wagen an Umzügen zur Kirchweih ist selbstverständlich.

Gärten sind heiß begehrt.

Die Kleingärten sind begehrt. Es gibt eine Warteliste von 80 Interessenten, die Wartezeit beträgt derzeit fast zehn Jahre. Jährlich wechseln nur sechs bis acht Gärten den Besitzer. Geändert habe sich auch die Zusammensetzung der Kleingärtner. War früher der Schrebergarten eine typisch deutsche Einrichtung, spiegelt sich in den heutigen Pächtern die Vielfalt der Gesellschaft wider. „Wir leben gut und friedlich zusammen und es ist wirklich ein Stück Integration, die hier auch im Kleingarten passiert“, betont Alfred Steck.

Sorgen bereiten den Kleingärtner allerdings die Pläne der Stadt zur Bebauung von Grundstücken auf der Fläche zwischen der Hammerschmiede und Lechhausen, auf denen die Kleingartenanlage liegt. Ob und inwieweit diese umgesetzt werden und eventuell auch für die Existenz des Kleingartens eine Bedrohung darstellen, kann man momentan noch nicht sagen.

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