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Stadt Augsburg warnt vor "Fledermausinvasionen"

Zwergfledermäuse können sich in Spalten verstecken, die nur einen Zentimeter breit sind.

Immer wieder verirren sich Fledermäuse im August und September in die Gebäude im Augsburger Innenstadtbereich. Dabei handle es sich laut der Stadt sowohl um einzelne Tiere, die an einer Wand hängen oder in kleinsten Verstecken gefunden werden, teilweise würden aber auch ganze Schwärme durch Treppenhäuser flattern.

"Warum es gerade in Augsburg zu diesem intensiven Fledermausauskommen kommt, ist wissenschaftlich noch nicht vollständig geklärt", schreibt die Stadt in einer Pressemitteilung. Vermutlich handle es sich aber um Jungtiere der Zwergfledermaus, die sich acht bis zehn Wochen nach ihrer Geburt auf die Suche nach neuen Quartiermöglichkeiten für den Winter machen. Dabei richten sie ihre Aufmerksamkeit als gebäudebewohnende Art auf Einflugmöglichkeiten wie etwa gekippte Fenster.

Normalerweise werden Quartiere erkundet und wieder verlassen, sollten sie sich als ungeeignet herausstellen. Doch das Ausfliegen durch gekippte Fenster ist für die Tiere problematisch. Oftmals sind sie dann im Gebäude gefangen und werden erst morgens von Menschen gefunden. Bleiben die Tiere über einen längeren Zeitraum eingeschlossen, verdursten sie nach wenigen Tagen. Vor diesem Hintergrund werden gekippte Fenster in Büros, Schulen und vor allem in Treppenhäusern über das Wochenende zur tödlichen Gefahr für die Fledermäuse.

Anika Lustig von der Koordinierungsstelle für Fledermausschutz in Südbayern rät, nachts ausschließlich Fenster mit Fliegengitter oder Rollladen zu kippen. „Wer eine Fledermaus in Wohnung, Büro, Praxis oder Hausflur findet, sollte mögliche Verstecke nach weiteren Tieren absuchen. Zwergfledermäuse können auch in kleinen Spalten von einem Zentimeter Breite unterschlüpfen und hinterlassen Kotspuren", so Lustig. Werden die Tiere abends angetroffen oder beim Einflug beobachtet, hilft zunächst, ein Fenster weit zu öffnen und das Licht auszumachen. "Dann fliegen sie in aller Regel wieder aus", erklärt die Fledermausexpertin.

Wer Fledermäuse morgens oder tagsüber antrifft, könne sie in einem Karton unterbringen, bis sie abends wieder ausfliegen. Der Karton sollte jedoch ausbruchsicher und mit einem trockenen Tuch ausgeschlagen sein sowie über Luftlöcher verfügen. Auch Wasser – etwa im Deckel eines Marmeladenglases – müsse für die Tiere bereitstehen. Zu beachten sei zudem, dass Fledermäuse nur mit Handschuhen oder einem Tuch gegriffen werden sollten, da sie mit ihrem Biss Krankheiten übertragen können.

„Hilfe leisten in Augsburg auch ehrenamtlich Helfende in Kooperation mit der Koordinationsstelle für Fledermausschutz. Sie beraten telefonisch und sind aktuell im Stadtgebiet unterwegs, um Anwohnende bei den Fledermaus-Invasionen zu unterstützen“, so Umweltreferent Reiner Erben. In den vergangenen Wochen sei es demnach zu vielen Wohnungseinflügen gekommen – mehr als in den Jahren zuvor. Problematisch dabei ist, dass die Anzahl der Tiere, die sich im Gebäude befinden, unterschätzt wird und deshalb nur einzelne Tiere gerettet werden. Befinden sich die Tiere aber außerhalb der direkten Reichweite oder fliegen in der Dämmerung nicht selbständig ab, können sich betroffene Bürger an den Verein für Fledermausschutz in Augsburg unter www.fledermausschutz-augsburg.de wenden. (pm)

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